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Der Ton macht das Substrat

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.03.2010 15:54

Ton in Substraten sorgt für gesunde und haltbare Pflanzen. Doch obwohl er in der gärtnerischen Produktion seit über 50 Jahren eingesetzt wird, weiß man noch recht wenig über den optimalen Ton für verschiedene Pflanzenkulturen und Kulturverfahren. Das will eine Forschergruppe nun ändern.

In Gartenbaubetrieben werden Substrate benötigt, die perfekt auf die Pflanzen abgestimmt sind. Ein wichtiger Ausgangsstoff ist dabei Ton, der einen Anteil von 10 bis 30 Volumenprozent dieser Substrate ausmacht. Er wird zugesetzt, um die chemischen, physikalischen und biologischen Eigenschaften von Substraten zu optimieren, und auch gärtnerische Kulturfehler abzupuffern. Es soll eine kontinuierliche Nährstoffversorgung der Pflanzen vor allem an Kalium und Phosphor gewährleistet werden, die z.B. für die Photosyntheserate, Energiespeicherung und Zellteilung wichtig ist.

In Deutschland sind zum Beispiel im Bereich des Westerwaldes weitreichende Tonvorkommen verschiedener Lagerstättentypen mit variierender chemischer und mineralogischer Zusammensetzung vorhanden. Obwohl die Beimengung von Ton in Substraten seit den 1950er Jahren Stand der Technik ist und im Gartenbau intensiv genutzt wird, mangelt es derzeit noch an verlässlichen Kriterien bei der Auswahl des optimalen Materials. Auch Literatur über den Einfluss von Ton auf die Eigenschaften der Substrate ist bisher nur spärlich vorhanden. Die bestehende Auswahl von Tonmischungen neu zu bewerten und auf eine abgesicherte wissenschaftliche Basis zu stellen haben sich die Partner des Projekts „Substrattone“ auf die Fahne geschrieben.

Pikier-Roboter bei der Arbeit

Pikier-Roboter verpflanzen Jungpflanzen aus Anzuchteinheiten in größere Kulturgefäße (Bild: Klasmann-Deilmann GmbH)


Vielfältige Modifikationen

Die Wissenschaftler gehen dabei über eine simple Bewertung bestehender Substrate hinaus. „Wir wollen Tone durch technisch einfach zu realisierende Verfahren in ihren Oberflächeneigenschaften modifizieren“, erklärt Projektkoordinator Dr. Stefan Dultz, „wie werden ihn zum Beispiel Temperatur-, Säure- oder Laugenbehandlungen unterziehen oder durch Aufmahlen eine Vergrößerung seiner Oberflächen erreichen“. Davon versprechen sich die Forscher Verbesserungen in zahlreichen Einsatzgebieten der Substrate im Gewerbsgartenbau.

So soll die Pufferung von Nährstoffen gesteigert und die Verfestigung des Wurzelballens optimiert werden – wichtig beim automatisierten Verpflanzen von Jungpflanzen aus Anzuchteinheiten in größere Kulturgefäße. Auch eine Verbesserung der Benetzbarkeit und des Wasserspeichervermögens sollen in dem Projekt, das im Rahmen des vom Programm GEOTECHNOLOGIEN koordinierten Schwerpunkts „Mineraloberflächen“ gefördert wird, erreicht werden.


Kompakte Pflanzen

Allein um die Steigerung des Pflanzenwachstums geht es bei Substrattone also nicht. „Bei Zierpflanzen ist zum Beispiel häufig das vorrangige Ziel, möglichst kompakte Pflanzen zu erzeugen“, so Dultz, „generell konzentrieren wir uns im Projekt darauf, zu einer größeren Produktsicherheit beizutragen, also zu gewährleisten, dass Produkte in guter Qualität möglichst lange haltbar sind“. Vor dem Hintergrund automatisierter, „just in time“-Produktion von Pflanzen sind dies wichtige Marktfaktoren.

Könnten optimierte Tone dann nicht auch wenig fruchtbare Regionen der Erde wieder zum Blühen bringen? „Die Tonbeimischung in sandigen Böden ist schon Inhalt verschiedener Projekte gewesen. In der großräumigen Landbewirtschaftung scheitert das allerdings an den hohen Kosten für den Transport und die Einbringung des Tons“, relativiert Stefan Dultz allzu hohe Erwartungen an grünende Wüstenpanoramen. In Bereichen von Gärten, Parks oder Alleen, wo der Kostendruck nicht so hoch sei, werde die Beimengung von tonreichen Substraten aber durchaus auch in größerem Stil durchgeführt, betont der Mineraloge.

RD, iserundschmidt 10/2008


Weitere Informationen zum Projekt „Substrattone“ finden Sie auf den Seiten der GEOTECHNOLOGIEN.

Näheres zu den Projekte des Förderschwerpunkts „Mineraloberflächen: Von atomaren Prozessen zur Geotechnik“ finden Sie hier.

Verweise
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