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Forschen und managen

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.05.2010 17:04

Seit Anfang des Jahres koordiniert Ute Münch als neue Leiterin das bundesweite GEOTECHNOLOGIEN-Programm. Dabei bringt die promovierte Geoforscherin Erfahrungen aus Wissenschaft und Wirtschaft mit … und spiegelt damit gleichzeitig einen immer stärker werdenden Trend in der akademischen Welt wider.

Die Zeiten, in denen sich Forschungstreibende im stillen Kämmerlein vergruben und abgeschottet von der Außenwelt ihrer Arbeit nachgingen, sind endgültig vorbei. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind heute meist auch Manager von Projektgeldern und Vermarkter ihrer Arbeit, sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den Vorstandsetagen der Unternehmen. Ausflüge in die Wirtschaft sind mittlerweile Bestandteil vieler Akademikerlebensläufe.

So ist es auch bei der Vita von Ute Münch. Die Geologin übernahm im  Januar 2010 die Leitung des Koordinierungsbüros GEOTECHNOLOGIEN bzw. des gleichnamigen Forschungs- und Entwicklungsprogramms. Zuvor hatte sie neben ihrer akademischen Laufbahn lange Zeit bei Europas größtem Softwarehersteller SAP als Beraterin gearbeitet. Die dort gesammelten Erfahrungen dürften ihr in ihrer neuen Position gerade recht kommen. Ist eine der zentralen Säulen des GEOTECHNOLOGIEN-Programms neben der Öffentlichkeitsarbeit und der Wissenschaftskoordination doch der Technologientransfer – also das Überführen wissenschaftlicher Forschungsarbeit in die Anwendung und auf den Markt.

Wir sprachen mit Ute Münch über die Notwendigkeiten des Wissenschaftsmanagements, praktische Erfahrungen im Studium und zukünftige Herausforderungen.

planeterde: Frau Dr. Münch, was hat Sie ursprünglich an der Geologie, den Geowissenschaften gereizt? Wollten Sie schon immer in diesem Bereich arbeiten?

Münch: Ich wollte nicht von Kindesbeinen an Geologin werden, aber ich habe mich schon immer für die Erde und ihre Entstehung und Entwicklung interessiert. Bereits im Erdkundeunterricht in der Schule habe ich viel über Gesteine, den Aufbau der Erde und über Plattentektonik gelernt, wodurch mein Interesse für die Geowissenschaften sicherlich gefördert worden ist.

planeterde: Sie haben während Ihres Studiums viel Praxiserfahrung gesammelt – etwa auf den Forschungsschiffen Sonne und Meteor. Ist ein solch praktischer Schwerpunkt typisch für ein geowissenschaftliches Studium?

Münch: Ja, praktische Geländearbeit gehört zum geowissenschaftlichen Studium immer dazu. Die Mischung von Theorie und Praxis macht das Studium meines Erachtens auch so besonders interessant. Probenmaterial sammeln, Bohrkerne ziehen oder Messungen im Gelände vornehmen und im Labor später auszuwerten, ist weitaus eingänglicher als nur im Hörsaal oder der Bibliothek zu lernen. Geowissenschaftler wollen ja schließlich auch das System Erde verstehen – da liegt es nahe, im Gelände zu arbeiten.

planeterde: Nach Studium und Promotion haben Sie einige Jahre für das Unternehmen SAP gearbeitet. War das eine bewusste Auszeit von den Geowissenschaften? Und welche Erfahrungen haben Sie von dort mitgenommen?

Münch: Ja, ich habe mich ganz bewusst für den Wechsel in die Industrie nach der Promotion entschieden. Ich habe während meiner Zeit bei SAP viel über Zeit- und Projektmanagement, aber auch über Kundenorientierung, Dienstleistungen und effiziente Arbeitsabläufe gelernt, die mir sowohl vorher bei meiner Arbeit am GFZ als auch heute bei den Koordinierungsaufgaben bei GEOTECHNOLOGIEN zugutekommen.

planeterde: Wie wichtig ist es heute für eine Wissenschaftlerin bzw. einen Wissenschaftler, neben der akademischen Qualifikation auch Managementqualitäten mitzubringen?

Münch: Sehr wichtig. Bei der Einwerbung von sogenannten Drittmitteln muss eine Personal- und Finanzplanung vorliegen, es müssen Meilensteine definiert und erreicht werden, möglicherweise müssen auch Kooperationspartner gefunden und koordiniert werden. Und das sind nur einige Beispiele, die auch bei Wissenschaftlern ein gewisses Maß an Managementqualitäten einfordern.

planeterde: Am GFZ war Ihr erster Arbeitsschwerpunkt das Tsunami-Frühwarnsystem im Indischen Ozean. Sind Sie immer noch in dieses Projekt involviert?

Münch: Mich interessiert selbstverständlich der Fortgang des Projektes, und ich habe natürlich Kontakt zu meinen ehemaligen Kollegen, die mich über den Projektfortschritt auf dem Laufenden halten. Wirklich aktiv involviert bin ich aber nur noch als Miteditorin einer Sonderausgabe des Magazins „Natural Hazards and Earth System Sciences“, in dem alle Projektergebnisse zusammengefasst werden.

planeterde: Seit Januar 2010 sind Sie Leiterin des Koordinierungsbüros GEOTECHNOLOGIEN, dessen gleichnamiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm u.a. auch etliche Projekte zu Frühwarnsystemen fördert. Inwiefern werden Sie hier Ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen können?

Münch: Bei den Projekten steht dieses Jahr insbesondere die Unterstützung des Technologietransfers an. Während der vergangenen drei Jahre wurden gegen die verschiedenen Naturkatastrophen wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis oder Überschwemmungen sowie Hangrutschungen effektive Sensorsysteme entwickelt. Für diese Technologien suchen wir derzeitig Industriepartner, die an der Produktion und/oder dem Vertrieb interessiert sind. Natürlich werde ich bei dieser Aufgabe auch meine bisherigen Erfahrungen, die ich in der Industrie bzw. beim GFZ gewonnen habe, in den Transferprozess mit einbringen.

planeterde: Lässt sich bereits jetzt sagen, welche neuen Projektschwerpunkte dieses Jahr zum GEOTECHNOLOGIEN-Portfolio hinzukommen werden?

Münch: Dieses Jahr startet der Forschungsschwerpunkt „Tomographie des nutzbaren Untergrundes“. Zusätzlich werden wahrscheinlich noch dieses Jahr Rundgespräche stattfinden, um den Forschungsbedarf zum Thema CO2 von der Abscheidung über den Transport bis hin zur Speicherung oder aber auch Nutzung zu diskutieren.

planeterde: Vielleicht noch ein weiterer Ausblick: Welches sind die dringlichsten Aufgaben, die dieses Jahr auf Sie als Leiterin der GEOTECHNOLOGIEN noch zukommen werden? Was planen die GEOTECHNOLOGIEN für die zweite Jahreshälfte?

Münch: Wir werden im Sommer unsere neue Wanderausstellung „Die Erde im Visier“ im Museum Mensch und Natur in München eröffnen. In der Ausstellung wird es um die Erfassung der Erde aus dem Weltall gehen. Satelliten ermöglichen es, die vielfältigen Prozesse in und auf der Erde zu studieren und mit Hilfe von Messreihen auch die Veränderungsprozesse auf unserem Planeten aufzuzeichnen. Baumaßnahmen, Rohstoffabbau, Rodungen, Meeresspiegelschwankungen und Klimaänderungen können beispielsweise heute so dokumentiert werden.

Ansonsten werden wir in der zweiten Jahreshälfte drei Statusseminare zu den Themen „Technologien für eine sichere und dauerhafte Speicherung des Treibhausgases CO2“, „Mineraloberflächen: Von atomaren Prozessen zur Geotechnik“ sowie zur „Erfassung des Systems Erde aus dem Weltraum“ durchführen. Zusätzlich werden wir eine GEOTECHNOLOGIEN-Session und auch einen Ausstellungsstand mit sehr interessanten Beiträgen auf der Geotagung in Darmstadt im Oktober ausrichten, um nur einige unserer Aktivitäten zu benennen.

planeterde: Frau Dr. Münch, vielen Dank für dieses Gespräch.


Mehr zu den laufenden Projekten des GEOTECHNOLOGIEN-Programms finden Sie hier.

Angaben und weiterführende Informationen zum neuen Förderschwerpunkt „Tomographie des nutzbaren Untergrundes“ finden Sie hier.

TM, iserundschmidt 05/2010

Verweise
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