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Zusammenarbeit mit Übersee

erstellt von timo_meyer zuletzt verändert: 17.11.2016 13:36 — abgelaufen

Die American Geophysical Union ist die weltweit größte Geophysikalische Gesellschaft. Verbindung zur Öffentlichkeit hält sie über das Public Information Committee, zu dessen Team seit 2008 auch ein Deutscher gehört: Simon Schneider vom Forschungs- und Entwicklungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN. Im Interview mit planeterde spricht der gelernte Geophysiker, der innerhalb der GEOTECHNOLOGIEN für die Bereiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Internet verantwortlich ist, über die wachsende Internationalisierung der Geoforschung und die Bedeutung von Twitter und Facebook für die Wissenschaftsgemeinde.

planeterde: Wie kam es zu dieser Kooperation mit der AGU? Hat man Sie direkt angesprochen, haben die GEOTECHNOLOGIEN sich aktiv um die Teilnahme beworben oder hat eine Kommission über die Beteiligung der GEOTECHNOLOGIEN entschieden?

Schneider: Die Zusammenarbeit im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mit der AGU entstand durch eine Anfrage von Seiten der AGU. Sowohl das Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN wie ich selbst haben schon seit vielen Jahren gute Kontakte dorthin. Die intensiven PR-Aktivitäten der GEOTECHNOLOGIEN haben schließlich den Vorsitzenden des Public Information Committee, Prof. Randall Richardson von der Universität von Arizona, dazu bewogen, uns in das Komitee einzuladen.

planeterde: Wie sieht die Zusammenarbeit dort im Einzelnen aus?

Schneider: In Telefonkonferenzen und einem intensiven E-Mailaustausch werden aktuelle PR-Entwicklungen aufgegriffen und eine Agenda für die Meetings erarbeitet. Das Komitee berät ausgehend von dieser Agenda über anstehende Projekte im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Welchen Nutzen haben bestimmte Projekte für die Imagebildung der Geowissenschaften? Wie können bestimmte Zielgruppen besser erreicht werden? Wie werden diese Projekte konkret umgesetzt?

planeterde: Können Sie ein konkretes Beispiel dafür nennen, wie diese Fragen in Maßnahmen umgesetzt werden?

Schneider: Beispielsweise ist aufgrund der Arbeit des Komitees das Engagement der AGU und deren Mitglieder im Bereich der Social Media, also Twitter und Facebook, in den letzten Monaten stark gestiegen. Auf diese Weise reagiert die AGU frühzeitig auf einen Trend, der in der Medienlandschaft, vor allem in den Printmedien, auch in den kommenden Monaten und Jahren zu drastischen Änderungen führen wird. Im Rahmen der Kommunikationsplattformen in den Social Media können sich nun Mitglieder der AGU, aber auch Entscheidungsträger außerhalb der AGU, über neuste Entwicklungen austauschen und aktuelle Themen diskutieren. Existierende Netzwerke werden gefestigt und erweitert, neue Kontakte geknüpft und nicht zuletzt eine bidirektionale Kommunikation mit den internationalen Mitgliedern der AGU und der geowissenschaftlichen Gemeinde aufgebaut.

planeterde: Wie oft und wo genau trifft sich das Komitee? Gibt es auch Zusammenkünfte in Ländern der Mitglieder?

Schneider: Das Public Information Committee, kurz PIC, trifft sich auf Einladung der AGU zweimal im Jahr im Washingtoner Hauptquartier. Zudem werden Treffen bei den großen internationalen Tagungen organisiert. Zum Beispiel auf der Jahrestagung der AGU in San Francisco oder der Jahrestagung der EGU , also der European Geoscience Union, die jeweils im Frühjahr in Wien stattfindet. Da alle Mitglieder in engem Kontakt stehen, sind weitere Treffen nicht notwendig. Auf kleineren Konferenzen und Workshops läuft man sich aber immer wieder über den Weg. Hier werden selbstverständlich auch aktuelle Themen aus dem Bereich der wissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit besprochen.

planeterde: Hat es schon früher Kooperationen zwischen den GEOTECHNOLGIEN und der AGU gegeben?

Schneider: Die bisherigen Kooperationen haben sich auf spezielle Sessions zu GEOTECHNOLOGIEN-Themen im Rahmen der AGU-Jahrestagung und auf die Präsentation des FuE-Programms im Rahmen der Messe zur Tagung in San Francisco beschränkt. Durch die zunehmende Internationalisierung der Forschung und durch die zunehmende Industriebeteiligung größerer, global agierender Unternehmen an Programmen wie den GEOTECHNOLOGIEN ist die Zusammenarbeit mit der AGU aber zunehmend wichtig geworden. Zudem gibt es innerhalb der Forschungsprojekte selbst zahlreiche Kontakte und Kooperationen – meist allerdings eher informell.

planeterde: Das bedeutet, man folgt dort auch einem generellem Trend in den Geowissenschaften?

Schneider: Das kann man so sagen. Der Kontakt zwischen Wissenschaftlern aus Europa und den USA oder Japan, generell zu internationalen Forscherteams, ist in den letzten Jahren deutlich intensiver und effektiver geworden. Dies liegt sicher auch daran, dass sich Programme wie die GEOTECHNOLOGIEN zwar mit der direkten Förderung auf nationale Forschungspartner fokussieren, die wissenschaftliche Koordination selbst aber international anlegen.

planeterde: Gewinnen die GEOTECHNOLOGIEN eine stärkere internationale Ausrichtung durch Ihr Engagement im PIC? Eigentlich ist das FuE-Programm ja eher eine nationale Angelegenheit, oder?

Schneider: Wie eben bereits angedeutet: Geowissenschaften sind heute nicht mehr lokal begrenzt. Forschung zu Themen wie Fernerkundung mit Satelliten, neue Technologien zur Trink- und Grundwasserreinigung oder die Erforschung des Kohlenstoffkreislaufs finden heute in internationalen Kontext statt. Zum einen um die herausragende Expertise von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt zu nutzen und zu bündeln, zum anderen um Parallelentwicklungen zu verhindern und so auch ökonomisch arbeiten zu können. Diese Netzwerke spielen auch bei den GEOTECHNOLOGIEN eine große Rolle und machen damit auch die PR-Arbeit über Geo-Themen zunehmend internationaler.

Zu ihrer Frage zur Auswirkung der Zusammenarbeit mit der AGU: In jedem Fall stärkt das FuE-Programm durch die Arbeit dort sein internationales Profil. Die genannten Netzwerke werden ausgebaut, die Kontakte zu möglichen internationalen Partnerorganisationen werden intensiviert und das FuE-Programm sowie die beteiligten Institute und Organisationen als wichtiger Adressat für Anfragen und Kooperationen etabliert. Zwar können im Rahmen der GEOTECHNOLOGIEN keine internationalen Forschungspartner finanziert werden, wir stehen aber als Kontaktstelle und Mediator zur Verfügung.

planeterde: Noch einmal zur Arbeit innerhalb des PIC: Welches Knowhow bringen Sie in das Komitee mit ein?

Schneider: GEOTECHNOLOGIEN kann auf einen großen und sehr erfolgreichen Erfahrungsschatz mit vielseitigen PR-Maßnahmen zurückgreifen. Die Erfahrungen, die wir in den letzten zehn Jahren im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gesammelt haben, lassen sich von einer regional-orientierten Öffentlichkeitsarbeit auf eine international ausgerichtete PR-Arbeit übertragen. So bringen wir zum Beispiel im Bereich der Ausstellungsorganisation ein umfangreiches Know-How in das PIC ein.

planeterde: Vertreten Sie dort hauptsächlich die GEOTECHNOLOGIEN oder eher das Deutsche GeoForschungsZentrum GFZ? Oder sind Sie dort vorrangig als unabhängiger Experte integriert?

Schneider: Da das FuE-Programm unabhängig vom GFZ arbeitet – auch wenn es administrativ dort angegliedert ist – vertrete ich dort in erster Linie die GEOTECHNOLOGIEN. Dabei ist unser Engagement eher als das eines unabhängigen Experten zu sehen.

planeterde: In der jetzigen Arbeitsperiode von 2008 bis 2010 steht das Committee vor einer großen Aufgabe: Der Entwicklung einer Programmübersicht für die Öffentlichkeitsarbeit der AGU passend zu deren Gesamtstrategie für die nächsten fünf Jahre. Was wird hier Ihre Aufgabe sein?

Schneider: Wie bereits erwähnt, wird die Öffentlichkeitsarbeit für geowissenschaftliche Themen zunehmend auf internationale Zielgruppen ausgerichtet. Da rund ein Drittel der Mitglieder der AGU internationale Mitglieder sind, ist es zudem notwendig, auch die interne Kommunikation der AGU auf die Bedürfnisse und Erwartungen einer internationalen Mitgliedschaft auszurichten. So sehe ich die Aufgabe der GEOTECHNOLOGIEN innerhalb des PIC unter anderen darin, die Kommunikation geowissenschaftlicher Themen zu einer Kommunikation mit und über internationale Zusammenarbeit und multinationale Netzwerke zu machen.

planeterde: Die AGU ist eine Non-Profit-Organisation von Geophysikern mit aktuell über 50.000 Mitgliedern weltweit. Die GEOTECHNOLOGIEN sind ein staatlich gefördertes Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Wie wirken sich die unterschiedlichen Ausrichtungen auf die Öffentlichkeitsarbeit aus?

Schneider: Die Kommunikationsstrategie der GEOTECHNOLOGIEN unterscheidet sich eigentlich nicht wesentlich von der einer Non-Profit-Organisation im Wissenschaftssektor. Sowohl in den USA, wie auch in Deutschland oder anderen Nationen findet Forschung auf der Basis einer öffentlichen Finanzierung statt. Forschung und Wissenschaft haben somit überall auf der Welt die gleiche Verantwortung: Sie müssen dem eigentlichen Finanzier, dem Steuerzahler, zeigen, dass sie in seinem Interesse tätig sind.

planeterde: Und in welchen Feldern gibt es Unterschiede?

Schneider: Hier wäre der Bereich der Public Affairs zu nennen, also der Kommunikation mit politischen Entscheidungsträgern. Hier spielt die Lobbyarbeit traditional in den USA eine starke Rolle. Zwar wollen auch wir in den GEOTECHNOLOGIEN die politische Zielgruppe erreichen und ansprechen, informieren und überzeugen, doch sind die Wege zu diesem Ziel in den USA gänzlich andere als in Deutschland. Dennoch lassen sich einzelne Maßnahmen und Werkzeuge der Public Affairs auch auf Deutschland übertragen.

Was mir und meinen internationalen Kollegen im PIC die Arbeit schwer macht, sind die unterschiedlichen rechtlichen Rahmenbedingungen, in denen sich Öffentlichkeitsarbeit international bewegt. So sind beispielsweise Projektfinanzierungen in den USA anders strukturiert und setzen ein anderes organisatorisches Umfeld voraus als in Deutschland oder Japan.

planeterde: Welche Erfahrungen nehmen Sie von Ihrer Arbeit im Komitee mit? Was kann man aus der Arbeit der AGU in Sachen Öffentlichkeit und PR für die Arbeit hier in Deutschland lernen?

Schneider: Was ich persönlich gelernt habe, ist, dass ein Komitee auch sehr produktiv und effizient arbeiten kann. Leider ist dies nicht in allen Gremien der Fall. Was wir zudem lernen konnten, ist eine gänzlich andere Art der Kommunikation mit politischen Instanzen. Wie bereits erwähnt, werden wir hier sicher einige PR-Maßnahmen adaptieren.

Zukunftsweisend ist das Engagement im Bereich der Social Media. Da auch in Deutschland ein großer Umbruch in der Medienlandschaft zu erkennen ist, wird sich die Wissenschaftskommunikation in diese neuen Werkzeuge der Öffentlichkeitsarbeit einbringen müssen. Das FuE-Programm ist bereits dabei eine neue Kommunikationsstrategie, zugeschnitten auch auf die Nutzung der Social Media, zu formulieren.

planeterde: Zum Team des Public Information Committee gehören für den Zeitraum 2008 bis 2010 neben Ihnen u. a. auch Vertreter der NSF (National Science Foundation), des U. S. Geological Survey (USGS) und der JAMSTEC (Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology). Ergeben sich bei der Zusammenarbeit mit so vielen unterschiedlichen Organisationen vielleicht auch interessante Kooperationen für die Zukunft?

Schneider: Auf jeden Fall. Wir haben zum Beispiel damit begonnen mit der NSF und dem USGS eine bilaterale Wissenschaftsplattform zu konzipieren, die die einfachere Förderung internationaler Projekte zum Ziel hat. Auch die Zusammenarbeit mit JAMSTEC soll in den nächsten Monaten intensiviert werden. In wieweit wir damit Erfolg haben werden, wird sich aber erst in einigen Jahren zeigen.

planeterde: Herr Schneider, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

TM, iserundschmidt 10/2009


Weitere Informationen zur AGU und zur Arbeit des Public Information Committee finden Sie hier.

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