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Im Porträt: Dr. Juliane Müller

erstellt von egoernert zuletzt verändert: 06.11.2015 13:19

Für das Alfred-Wegener-Institut forscht Dr. Juliane Müller in der Arktis und wurde 2012 für ihre Promotion über die arktische Meereisausdehnung mit dem Deutschen Studienpreis ausgezeichnet.

Mit ihrem Kollegen Dr. Michael Schreck forschte Dr. Juliane Müller in der Arktis. (Foto: Christelle Not)Welchen ersten Gedanken hat eine damals 30-jährige Geowissenschaftlerin, die für ihre Forschung mit dem Deutschen Studienpreis ausgezeichnet wird? Dr. Juliane Müller kennt die Antwort: „Da hat sich der Aufwand für die Bewerbung doch gelohnt“, erinnert sie sich an das erste, was ihr durch den Kopf ging, nachdem sie viel Zeit und Arbeit in die Bewerbung um den Studienpreis gesteckt hatte. „Es hat mich motiviert, weiter zu machen.“ Sie wurde 2012 von der Körber-Stiftung für ihre „wegweisende Promotion zur Meereisausdehnung“ mit dem zweiten Platz des Deutschen Studienpreises ausgezeichnet, der zu den höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreisen in Deutschland gehört. Für sie war der Preis eine Bestätigung der Relevanz ihrer Arbeit.

„Die Meereisbedeckung hat sich sehr schnell verändert“


Im Rahmen ihrer Arbeit für das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven forschte die Wissenschaftlerin gleich an der Quelle ihrer Studien: In der Arktis. Dort spezialisierte sie sich auf die Meereisausdehnung und ihre Folgen. „Die Meereisbedeckung hat sich auch in der Vergangenheit sehr schnell verändert“, erzählt sie. Die Untersuchungen würden dabei helfen, den momentanen Rückgang des arktischen Meereises zu verstehen und Klimamodelle zu verbessern. Interessant für sie seien besonders die Wechselwirkungen: Wie wirken sich Änderungen in der arktischen Meereisbedeckung global aus?

„Dank ihrer Erkenntnisse können die Meereisbedingungen der letzten Jahrtausende und Jahrmillionen regional rekonstruiert werden“, so das Alfred-Wegener-Institut. Außerdem helfen diese Daten dabei, Schwachstellen von Klimamodellen auszubessern. „Die bestehenden Klimamodelle haben häufig Schwierigkeiten damit, Veränderungen der Meereisbedeckung realistisch wiederzugeben. Ein Umstand, der beispielsweise dazu führt, dass die arktische Eisschmelze der letzten Jahrzehnte stark unterschätzt wurde“, so Müller. Anhand der Daten aus der Vergangenheit können Klimamodelle getestet und bisher vernachlässigte Rückkopplungsmechanismen im Klimasystem aufgezeigt werden. In ihren Studien arbeitete sie mit sogenannten „Bio-Markern“, fossilen Molekülen, die Aufschluss über die Meereisausdehnung geben.

Vom „Drang in die kalten Regionen“


Müller war schon immer fasziniert von  Ozeanen. Dass sie ihren „Drang in die kalten Regionen“ zu gehen und die Liebe zu Reisen vereinen kann, sieht sie als größtes Privileg ihres Berufs. An der ersten Expedition mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ in die Arktis nahm sie 2008 teil, gefolgt von einer Forschungsreise 2013 im nördlichen Pazifik. 2016 wird sie eine Expedition von Südamerika ins Südpolarmeer begleiten.

„Die Forschungsreisen gefallen mir am besten“, erzählt sie. Auch wenn diese oft auch ihre Schattenseiten haben. „Man kann nicht telefonieren und nur kurze Mails schreiben“, erzählt sie. Fotos zu schicken sei meist unmöglich. Trotzdem ist es ihr die Reise immer wieder wert: „Mich reizt, dass wir in Sedimentkernen Informationen über das Klima von früher finden“, so Müller, die ihre Arbeit mit Sedimentkernen in gewisser Weise mit „Detektivarbeit“ vergleicht.

„Die Weite und das Weiß – eine ganz andere Welt“


Müller erinnert sich noch genau daran, als sie einen Eisbären zum ersten Mal in freier Wildbahn sah. Als sie ihn im klirrend kalten Wasser habe schwimmen sehen, fernab jeglicher Eisschollen, die ihm eine Verschnaufpause hätten gestatten können, habe sie im ersten Moment nur gedacht: „Der arme Eisbär“, erzählt sie lachend. Trotzdem sei sie fasziniert von diesem Anblick gewesen. Auch die Polarlichter seien eine besondere Erfahrung für sie gewesen. Besonders ergriffen habe sie die Weite und das Weiß. „Es ist eine ganz andere Welt“, schwärmt sie.

Die Zukunftspläne


Künftig wird Dr. Juliane Müller eine eigene Nachwuchsgruppe in der Helmholtz-Gemeinschaft leiten, mit der sie im Eismeer forschen möchte. Für die Zukunft wünsche sie sich vor allem „gute, spannende Sedimentkerne“, fit zu bleiben und langfristig eigene Expeditionen mit ihrer Nachwuchsgruppe planen zu können.

Zur Person


Dr. Juliane Müller wurde 1981 in Berlin geboren und studierte von 2001 bis 2007 Angewandte Geowissenschaften an der Technischen Universität in Berlin. Im Anschluss war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Sektion Meeresgeologie und Paläontologie des Alfred-Wegener-Instituts tätig und promovierte im Promotionsstudiengang Geowissenschaften an der Universität Bremen. Seit 2011 arbeitet sie als Postdoktorantin am Alfred-Wegener-Institut und forscht zur Rekonstruierung historischer Klimaprozesse.