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Merianlog #1: Eine lange Reise

erstellt von eschick zuletzt verändert: 19.05.2016 12:12

Die Maria S. Merian ist zu einer langen, langen Reise aufgebrochen. Die Ausfahrt MSM54 hangelt sich an den Untersuchungsgebieten der Forscher entlang, was zu einer sehr ausgedehnten Route durch den Nordatlantik in Richtung Arktis führt. Für planeterde berichtet Johannes Karstensen in einem Logbuch von Bord.

Die deutschen Forschungsschiffe sind selten in Deutschland zu sehen. Sie folgen einer Fahrtroute, die sich aus den beantragten Reisen der Forscher zusammensetzt – der eine forscht an grönländischen Fjorden, ein zweiter am Golf-Strom und ein weiterer an der Hangstabilität der unterseeischen Gebirge vor Spitzenbergen. Nach Sichtung der beantragten Forschung stellt eine koordinierende Stelle, die „Leitstelle Deutsche Forschungsschiffe“ in Hamburg, eine optimale Fahrtroute zusammen, die alle Reiseabschnitte miteinander verbindet. Für die Maria S. Merian heißt das, dass sie auf der Expedition MSM54 eine lange, lange Reise auf unterschiedlichsten Pfaden durch ihr Hauptarbeitsgebiet - den Nordatlantik und die Übergangszone zur Arktis - hindurchführt.

Auf diese Weise wird zwar die Länge der Fahrtstrecken ohne Forschungseinsatz verkürzt – das bedeutet aber auch, dass nicht das Schiff zu den Forschern kommt, sondern die Forscher zum Schiff kommen müssen. Und das gleiche gilt natürlich auch für die Gerätschaften, die zur Durchführung der Forschung benötigt werden.

Blick auf den Hafen von St. Johns: li. die Celtic Explorer, re. die Maria S. Merian. (Bild: J. Karstensen)

Blick vom Battery Park auf den Hafen von St. Johns. Im Vordergrund: links die irische Celtic Explorer, rechts die deutsche Maria S. Merian. (Bild: J. Karstensen)

Wer nun denkt das die Maria S.Merian ein leeres Schiff ist, wenn keine Wissenschaftler an Bord sind – was eigentlich nur an einem oder zwei Tagen zwischen zwei Expeditionen der Fall ist – der täuscht sich. Das Schiff ist mit verschiedenen Gerätschaften ausgestattet, die typischerweise für die Forschung unterschiedlichster Disziplinen benötigt werden – Kräne, Werkstätten, Kommunikationselektronik, Instrumente. Das wichtigste Gut der Merian ist aber die erfahrene, umsichtige und großartige Mannschaft. Zum einen würden wir ohne sie die Arbeiten an Bord nicht durchführen können, zum anderen schafft sie eine „Wohlfühlatmosphäre“ an Bord, die es uns „Landratten“ leicht macht, die ausgedehnte Zeit auf dem Meer zu verbringen.

In den letzten zehn Jahren war ich sechs Mal in St. Johns, Kanada – immer, um von dort Expeditionen in die Labrador-See zu unternehmen, bereits zwei Mal mit der Maria S. Merian. Typischerweise reise ich drei bis vier Tage vor Beginn der Expedition an, um beim Einlaufen des Schiffes dabei zu sein und dann beim Beladen zu helfen und Organisatorisches zu regeln. St. Johns ist ein guter Hafen für mich, er ist nur 1,5 Tage von unserem Kernarbeitsgebiet, der Labrador-See, entfernt und es ist auch ein netter, ruhiger Ort, der schön auf den Hügeln um eine Naturhafenbucht gelegen ist.

Auf dieser Reise sind wir mit 20 Personen an Bord gekommen: fünf Personen kommen von der kanadischen Dalhousie-Universität, eine Person von der US-amerikanischen Duke-Universität und 14 Personen vom GEOMAR in Kiel. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Doktoranden, Bachelor- und Master-Studenten (9), Technikern und Ingenieuren (7) sowie Wissenschaftlern (4). Eine Menge der anstehenden Arbeiten sind sehr “technisch”: Schweres Gerät wird am Meeresboden installiert, um Daten aufzuzeichnen, die später wissenschaftlich untersucht werden.

Karstensen berichtet im Logbuch von Bord. (Bild: C. Schmidt)

Fahrtleiter Karstensen berichtet von Bord. (Bild: C. Schmidt)

 

Worum es uns geht: Besser zu verstehen, wie der Ozean das Klima regelt. Beispielsweise wissen wir, dass der Ozean einen Großteil der Wärme und auch Substanzen wie etwa Kohlendioxid, die der Mensch in die Atmosphäre entlässt, aufnimmt. Eine wichtige „Aufnahmeregion“ ist der Nordatlantik, und insbesondere die Labrador-See, wo im Winter Oberflächenwasser derart stark abgekühlt wird, dass es in große Tiefen absinkt, von wo es sich dann im Innern des Ozeans ausbreitet. Was regelt diese Absinkprozesse genau? Und wie breitet sich das Wasser aus? Das sind Fragen, die wir untersuchen.

Um diese Fragen zu beantworten, wurden das „53°N-Verankerungsarray“ im Jahre 1997 zum  ersten Mal in der Labrador-See installiert, einige Jahre bevor ich nach Kiel kam und begann, an dem Thema zu arbeiten. Über die Jahre wurden Daten gesammelt, die heute eine Zeitserie darstellen, wie sie nur an wenigen Orten weltweit vorliegt. Aber nicht nur die Länge, auch die Wahl des richtigen Ortes für die Messungen ist hervorzuheben – mit Zeitserien ist es nämlich so, wie bei einem Hauskauf: was letztlich zählt, ist nur die Lage!

Auf dieser Reise werden wir die vielen Instrumente bergen, die wir bei unserem letzten Besuch vor zwei Jahren installiert haben. Von wo starteten wir wohl auch damals? St. Johns! Damals waren wir mit dem französischen Forschungsschiff NO Thalassa unterwegs. Nur zwei der heute Mitreisenden waren auch damals an Bord, Uwe Papenburg und ich. Ich habe aber das Gefühl, dass nicht nur wir beiden sehr gespannt sind, wie gut unsere Instrumente gemessen haben und was wir an neuen Erkenntnissen aus den Daten gewinnen können.

Und die Zukunft? Im Jahre 2018 soll es wieder soweit sein – wir haben jetzt schon mit der Planung begonnen, dann auch wieder in die Labrador-See zu fahren und das „53°N Verankerungsarray“ auszuwechseln. Vielleicht ja auch dann wieder als Mitfahrer auf der langen, langen Reise der Maria S. Marian.

Ihr Johannes Karstensen, Fahrtleiter MSM54-Expedition


Blick vom Battery Park auf den Hafen von St. Johns. Im Vordergrund: li. die irische Celtic Explorer, re. die deutsche Maria S. Merian. (Bild: J. Karstensen) Für die Expedition MSM54 macht sich die Maria S. Merian auf den Weg in den Nordatlantik, bis hoch hinauf nach Kanada und Grönland. Das Ziel: Die Wasserbewegungen in der Labrador- und Irminger-See besser zu verstehen. Schließlich beeinflussen die Ströme mit ihrem Weg über die Weltkugel das Klima. Für planeterde berichten die Wissenschaftler um den Kieler Ozeanographen und Fahrtleiter Johannes Karstensen in einem Logbuch von ihrem Alltag an Bord.

Eine Kooperation mit dem GEOMAR Kiel.