Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Logbücher FS M.S. MERIAN: Nordatlantik Merianlog #4: Im Irgendwo

Merianlog #4: Im Irgendwo

erstellt von eschick zuletzt verändert: 31.05.2016 09:02

56°N, 52°W. Seit Tagen bewegt sich die Maria S. Merian in der Nähe dieser Koordinaten. Ob nun ein paar Seemeilen weiter südlich, nördlich, östlich oder westlich, an der Aussicht ändert sich nicht so viel. Der Ozean sieht trotzdem jeden Tag anders aus, berichtet die Ozeanographin Marilena Oltmanns.

Der Blick in die Weite vermittelt ein Gefühl von Zeitlosigkeit. (Bild: Henrike Schmidt)

Der Blick in die Weite vermittelt ein Gefühl von Zeitlosigkeit. (Bild: H. Schmidt)

Ich bin als Postdoc vom GEOMAR mit an Bord und besonders auf die Verankerungsdaten in der zentralen Labrador-See und Irminger-See gespannt. In diesen Regionen tauschen Ozean und Atmosphäre beständig Wärme aus, was Folgen für beide Seiten hat. Wenn zum Beispiel ein kalter Wintersturm dem Ozean Wärme entzieht, wird das Oberflächenwasser kälter und dichter und kann in die Tiefe sinken.

Marilena Oltmanns vom GEOMAR ist auf die Verankerungsdaten aus der Labrador- und Irmingersee gespannt. (Bild: Henrike Schmidt)Umgekehrt wird die atmosphärische Zirkulation von der Oberflächentemperatur des Wassers beeinflusst, was zu komplexen Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre führen kann. In meiner Forschung untersuche ich hauptsächlich die oberste Wasserschicht, die als Brücke zwischen der Atmosphäre und der Tiefsee fungiert, und damit gleichzeitig eine Verbindung zwischen unserem Wetter und unserem Klima herstellt.

Raum und Zeit verschwimmen, genauso wie die Tage und Nächte an Bord. (Bild: Henrike Schmidt)Mitten in der Labrador-See, irgendwo in der Nähe von 56°N, 52°W beobachte ich, wie sich die Wellen um das Schiff herum brechen. Es sieht aus, als würden sich Wasser und Luft vermischen und ich stelle mir vor, wie sie während eines heftigen Wintersturms die Kälte des eisigen Windes mit sich in die Tiefe tragen.

Ausblick auf Eisberge bei 56°N, 52°W. (Bild: Arne Bendinger)An dieser Stelle, genau unter mir, ist der Ozean fast vier Kilometer tief. Soweit unten wird das Wasser lange brauchen, um wieder an die Oberfläche zu kommen. Vielleicht Jahrhunderte. Vielleicht irgendwo in der Nähe der Antarktis. Raum und Zeit verschwimmen hier, genauso wie die Tage und Nächte an Bord. Die Tiefe und Weite des Ozeans um mich herum vermitteln mir ein Gefühl von Zeitlosigkeit, und mitten darin komme ich mir ziemlich klein vor.

Ihre Marilena Oltmanns, Wissenschaftscrew MSM54


Blick vom Battery Park auf den Hafen von St. Johns. Im Vordergrund: li. die irische Celtic Explorer, re. die deutsche Maria S. Merian. (Bild: J. Karstensen) Für die Expedition MSM54 macht sich die Maria S. Merian auf den Weg in den Nordatlantik, bis hoch hinauf nach Kanada und Grönland. Das Ziel: Die Wasserbewegungen in der Labrador- und Irminger-See besser zu verstehen. Schließlich beeinflussen die Ströme mit ihrem Weg über die Weltkugel das Klima. Für planeterde berichten die Wissenschaftler um den Kieler Ozeanographen und Fahrtleiter Johannes Karstensen in einem Logbuch von ihrem Alltag an Bord.

Eine Kooperation mit dem GEOMAR Kiel.