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Fjordlogbuch #1: Was lange währt...

erstellt von eschick zuletzt verändert: 07.07.2016 10:27

... wird endlich gut. Nach drei Jahren intensiver Planungen und Vorarbeiten stechen die Forscher von Longyearbyen/Spitzbergen aus in See. Vor ihnen liegen rund drei Wochen mit Untersuchungsstationen in Fjorden von Spitzbergen, Grönland und Island. Bestes Wetter begleitet den Start der Expedition, wie Fahrtleiter Boris Koch vom Alfred-Wegener-Institut berichtet.

 

 


Die Merian bei der Einfahrt in die erste Probenregion: den Kongsfjord. (Video: B. Koch)

Endlich – es kann losgehen! Die 22 Expeditionsteilnehmer sind aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und den USA angereist – mitsamt Unmengen von wissenschaftlicher Ausrüstung. Nach drei Jahren Vorbereitungszeit war bei allen die Vorfreude auf diese Expedition groß. Während der Anreise zum Kongsfjord in Spitzbergen, unserer ersten Probenregion, wurden zahllose Geräte in den Labors installiert. Bereits am ersten Tag der Expedition MSM56 konnte an der Mündung des Fjordes die erste Teststation stattfinden. Eine solche Station ist immer wertvoll, um die geplanten Beprobungen und Abläufe an Bord aufeinander abzustimmen.

Der Kongsbreen-Gletscher im Kongsfjord an der Nordwestküste Spitzbergens. (Bild: B. Koch)


Der Kongsbreen-Gletscher im Kongsfjord an der Nordwestküste Spitzbergens. (Bild: B. Koch)

Was treibt uns in diese entlegenen Regionen der Erde? Die Erwärmung der Atmosphäre in der Arktis schreitet besonders schnell voran. Als Folge beobachten wir eine verstärkte Schmelze der Gletscher und des Grönländischen Eisschildes. Zurzeit schmelzen allein auf Grönland jedes Jahr 300 Kubikkilometer Eis.

Zur Verdeutlichung: man stelle sich einen 200 Meter breiten Eisblock auf der Strecke zwischen Bremen und Hamburg vor (eine Strecke von ca. 100 Kilometern). Bei 300 Kubikkilometern wäre dieser Eisblock 15 Kilometer hoch - ein Hindernis für jedes Verkehrsflugzeug. Jedes Jahr verschwindet auf Grönland ein solcher Eisblock. Mit unserer Expedition wollen wir verstehen, welchen Einfluss diese Änderungen auf die Ökologie und den Kreislauf des Kohlenstoffs in arktischen Fjorden und Küstengewässern hat.

Beste Bedingungen für die Forschung

 

Mündung des Kongsfjord zu Mitternacht. (Bild: B. Koch)

Mündung des Kongsfjord zu Mitternacht. (Bild: B. Koch)

Das Wetter zum Start unserer Expedition hätte nicht besser sein können: In dieser Zeit des Jahres, kurz nach der Sommersonnenwende, steht die Sonne nachts immer noch weit über dem Horizont. Während der nächtlichen Einfahrt in den Kongsfjord taucht sie die schnee- und eisbedeckten Berge Spitzbergens in ein atemberaubendes Licht. Ein erster Wal und Robben wurde auch gesichtet. Hier wird allen klar, dass eine Beprobung in dieser Region der Erde nicht nur viel Arbeit bedeutet, sondern auch ein großes Privileg ist.

Nach unserer Ankunft im inneren Teil des Fjords, direkt vor dem riesigen Kongsfjord-Gletscher (Kongsbreen) konnte unser intensives Arbeitsprogramm endlich losgehen, von dem wir im nächsten Beitrag berichten werden.

Boris Koch, Fahrtleiter MSM56

 


Grönlandmerian (thumb)Das Forschungsschiff Maria S. Merian begibt sich im Juli dorthin, wo der Klimawandel deutlich zutage tritt: in die Arktis. Im Rahmen der Ausfahrt MSM56 untersuchen Geowissenschaftler das Wasser in mehreren Fjorden, um die Auswirkungen steigender Temperaturen und des enormen Süßwassereintrags zu verstehen.

In Kooperation mit dem Alfred-Wegener-Institut berichten die Forscher um Fahrtleiter Boris Koch in einem Logbuch von der Ausfahrt.