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ANNA-Logbuch #2: Launen des Atlantiks

erstellt von eschick zuletzt verändert: 16.02.2016 12:49

Die zweite Expeditionswoche ist geprägt von den Launen des Atlantiks. Nach erfolgreichen Einsätzen von Schwerelot und Seismik wird der Seegang gegen Ende der Woche stärker, Tauchgänge werden abgesagt. Doch davon lassen sich die Wissenschaftler nicht die Laune verderben und arbeiten weiter auf Hochtouren.

Die Probe des Backengreifers wird nach lebenden Organismen durchsucht. (Bild: D. Hebbeln) Am ersten Tag der Woche stand das Geo-Team im Mittelpunkt des Tagesprogramms. Es wurden fünf Schwerelote mit einer Länge von 6 bis 12 Metern gefahren, um Korallen- und Sedimentkerne zu ziehen. Bei einem Schwereloteinsatz wird ein langes Stahlrohr mit einem knapp zwei Tonnen schweren Gewicht darüber an einem starken Draht runtergelassen, wo es sich einfach aufgrund seines Gewichtes in den Meeresboden hineindrückt. Beim Herausziehen bleibt dann das ausgestanzte Sediment im Rohr und kommt als Probe an Bord.
 

Faule Eier

Das Schwerelot macht sich auf den Weg zum Meeresgrund. (Bild: A. Freiwald)

Die Spannung war groß als das erste 6 Meter lange Schwerelot gefahren wurde, denn selbst nach ausführlichster Planung und Vorarbeit kann immer noch Unerwartetes passieren. Das Schwerelot könnte die oft kleinen Korallenhügel verfehlen oder es könnte auf einen der vielen Steine dort unten treffen. Das könnte dann auch zum Umkippen oder verbiegen des Rohres führen. Aber zum Glück war alles gut gegangen. Das erste Schwerelot brachte einen grünen, nach faulen Eiern riechenden Sedimentkern an Bord. Der Geruch, ausgelöst von eingelagertem organischem Material, hat für viel Spaß gesorgt, denn jeder der daran aus Versehen gerochen hat, hat sein Missfallen lautstark geäußert. Die größte Aufmerksamkeit hat dann aber das 12 Meter lange Schwerelot bekommen. Es wurde genau auf einem Korallenhügel abgesetzt und brachte tatsächlich auch einen über 10 Meter langen Sedimentkern an Bord. Da wir mit so einem langen Kern auch an tiefere und somit ältere Sedimentschichten herankommen, erhoffen wir uns, damit noch weiter in die Zeit zurück schauen zu können.

Eine Anemone, die jetzt im Aquarium im Kühlraum der METEOR lebt. (Bild: A. Freiwald)In der darauf folgenden Nacht hat das Seismik-Team eine lange Vermessung durchgeführt. Dabei haben sie Schallwellen ausgesendet, die von den einzelnen Schichten unter dem Meeresboden reflektiert werden. Diese reflektierten Schallwellen werden von einem 120 Meter langen Streamer, einem Schlauch aus Vollschaum, in dem eine ganze Reihe von Hydrophonen eingelassen ist, aufgefangen. Aus diesen Echos kann dann der Aufbau der Erdschichten unter dem Meeresboden abgebildet werden.

Greifer im Einsatz

Eine Bryozoe („Moostierchen“) wird mit dem Greifarm des ROV eingesammelt. (Bild: MARUM)

Nachdem sich das Seismik-Team nach durcharbeiteter Nacht schlafen gelegt hat, hat das Geo-Team wieder übernommen. An diesem Tag stand die direkte Beprobung der Sedimentoberfläche mit Kastengreifer und Backengreifer im Mittelpunkt. Jedes Mal, wenn ein Gerät an Bord kam, stürzten sich die Biologen und Paläontologen mit Pinzetten bewaffnet auf die Proben. Die einen wollten lebendes Material, wie beispielweise Krabben, Würmer oder andere Weichtiere einsammeln. Die anderen wollten dagegen die Gehäuse sämtlicher Kalkschaler inklusive der Korallen heraussammeln.

Gute Laune

Mitte der Woche war das ROV wieder im Einsatz. Von Morgens bis in den späten Nachmittag hat das Team den Meeresboden überflogen und zahlreiche Bilder und Videos aufgenommen, wobei diesmal auch ein Korallenhügel in gerade einmal 160 Metern Wassertiefe dokumentiert werden konnte. Im Anschluss daran, wurden auch heute wieder ein Schwerelot, Kasten- sowie Backengreifer gefahren. Das Material aus den letzteren beiden Geräten wurde dann geschlämmt, d.h. mit Wasser durch große Siebe gewaschen. Beim Schlämmen kommt immer Spaß auf, schließlich wird mit Wasser hantiert und den einen oder anderen Schwall bekommt man auch mal „aus Versehen“ ab. Das Wetter war super und die Laune an Bord ebenfalls. Über Nacht wurde mit der CTD/Rosette ein Profil vom tieferen Wasser (400 m) ins flachere Wasser (150 m) gefahren, um damit einen Überblick über Temperatur, Salzgehalt und Sauerstoffgehalt der gesamten Wassersäule zu erhalten.
 

Delfine statt Korallen

Ausgelassen tobende Delphine neben der METEOR. (Bild: D. Hebbeln)

Der darauffolgende Morgen fing ebenfalls mit einem ROV-Tauchgang an, um herauszufinden, ob nicht vielleicht im Süden unseres Arbeitsgebietes doch noch lebende Korallen zu finden sind. Diesmal gab es zwar sehr viele Fische zu sehen, aber lebende Korallen waren wieder nicht dabei. In der Nacht brieste dann der Wind auf und auch die Wellen wurden höher. Bei einer mehr als 3 Meter hohen Dünung konnte dann am folgenden Tag nicht – wie ursprünglich geplant – das ROV eingesetzt werden. Bei so einem Wellengang ist das zu gefährlich, da die Wellen das ROV gegen das Schiff drücken und beschädigen könnten. Also wurden den Tag über wieder eine Reihe von Sedimentproben gewonnen. Während der Beprobungen hatten die Hydroakustik-Vermesser, die eine bathymetrische Karte des Meeresbodens herstellen, schwer damit zu tun, die von den Wellen versursachten Störsignale aus den Daten der vorherigen Nacht zu entfernen. Allgemein machte uns der Seegang aber ziemlich viel Spaß. Die Schaukelei erschwerte einem das Laufen oder Stehen und auch das am PC arbeiten wurde deutlich komplizierter. Aber da merkte man wenigstens mal, dass man auf dem Wasser ist und sich den Launen des Atlantiks Anpassen muss. Es ist schwer zu beschreiben wie witzig es war, dass man nicht selbst entscheiden konnte ob man geradeaus oder in Schlangenlinien über die Gänge läuft.

Kapriolen

Der gerade aufgetauchte ALBEX-Lander ist entdeckt! (Bild: D. Hebbeln)

Allen Hoffnungen zum Trotz lies auch der nächste Morgen keinen Tauchgang zu, da die Dünung immer noch bei über 3 Meter lag. Das hatten wir auch die Nacht über gemerkt, in der man schon mal etwas unfreiwillig im Bett hin und her gerollt wurde. Trotzdem hatte der Tag sein Highlight – eigentlich sogar mehrere. Erstens konnten wir auf einem Korallenhügel einen weiteren 10 Meter langen Sedimentkern gewinnen! Zweitens tauchte am Nachmittag neben dem Schiff plötzlich eine riesige Schule Delphine auf, die – so schien es – aus lauter Übermut die wildesten Kapriolen in der Luft schlugen. Und drittens konnten am letzten Tag der Woche beide ALBEX-Lander unserer niederländischen Kollegen problemlos geborgen werden. Das ist bei Weitem nicht so trivial, wie es klingt: Nachdem diese vor einer Woche verankert worden waren, mussten sie jetzt mit akustischen Signalen durch das Wasser angepiept werden, damit sie sich von ihren Grundgewichten lösen konnten. Wenn das geklappt hat, tauchen sie auf. Aber dann ist der Ozean auf einmal unendlich groß, wenn es heißt ein paar kleine gelbe Kugeln zu entdecken. Aber heute hat es geklappt!


FS METEOR im Hafen von Walvis Bay, Namibia. (Bild: MARUM)Im Rahmen der Ausfahrt M122 suchen Meereswissenschaftler vor Angola und Namibia nach Korallenvorkommen. Sie wollen herausfinden, welchen Umweltbedingungen Kaltwasserkorallen ausgesetzt sind und wie sie in der Vergangenheit auf Klimaänderungen reagiert haben. Maren Bender, Studentin an der Universität Bremen, und Dierk Hebbeln, Expeditionsleiter vom MARUM, berichten im Logbuch auf planeterde von Bord. Mehr Informationen zur Ausfahrt finden Sie auf den Seiten des MARUM.