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ANNA-Logbuch #3: Neptuns Gnade

erstellt von eschick zuletzt verändert: 16.02.2016 11:48

Das Wetter klart endlich auf, sodass die Wissenschaftler ihre Geräte wieder zum Einsatz bringen können. Sie schicken ROV, CTD und Kastengreifer auf Tauchfahrt, das Fächerecholot vermisst den Boden. Welche verdächtigen Funde sie dabei machten, berichtet Dierk Hebbeln im dritten Teil des Logbuchs.

Wieder Besuch von jagenden Delfinen. (Bild: S. Floeter)Neptun war uns gnädig gestimmt und hatte die Wellen wieder ein wenig glatt gebügelt, so dass wir am Sonntag endlich wieder mit dem ROV tauchen konnten. Diesmal ging es ganz in den Norden des Arbeitsgebietes. Korallenschutt gab es hier auch, aber ansonsten eher noch weniger Organismen als an den anderen Stationen weiter im Süden. Aber alles was anders ist, erregt die Neugier der Wissenschaftler und so wurden an dem gerade übertauchten Korallenhügel auch noch drei Backengreifer genommen, um das Bodenleben genauer untersuchen zu können. Dafür gab es an der Meeresoberfläche wieder Spektakel, als eine jagende Schule Delfine an der METEOR vorbeizog.

Trends und Malwettbewerb

Ein Schwamm, der mit dem ROV geborgen wurde. (Bild: C. Rohleder)

Am nächsten Tag gab es dann das Kontrastprogramm: ein ROV-Tauchgang ganz im Süden. Hier „tobte“ das Leben – zumindest für hiesige Verhältnisse. Offensichtlich gibt es hier einen deutlichen Nord-Süd-Trend in der Artenvielfalt. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass aufgrund der geringen Sauerstoffgehalte im Bodenwasser, dieser Trend – vergleicht man das mit anderen Gebieten – lediglich von sehr artenarm bis artenarm reicht.

Die in 1000 m Wassertiefe komprimierten Styroporbecher (li.: Original). (Bild: Hebbeln)Am späten Abend gab es noch eine CTD-Station bei 1000 m. In so große Wassertiefen waren wir bisher ja noch nicht vorgedrungen und so wurde diese Station mit einem kleinen Malwettbewerb vorbereitet. Malwettbewerb? Jeder konnte einen Styroporbecher bemalen, die dann alle in einem Netz an die CTD gehängt wurden. Durch den großen Druck in 1000 m Wassertiefe wurde dann die Luft aus dem Styropor gedrückt und die Becher kamen in Miniaturformat zurück. Das Auspacken der Becher wurde dann zu einer großen Gaudi.

Neue Korallenhügel


Nachdem wir Dienstag und Mittwoch bei einem Ausflug nach Walvis Bay noch ein paar Ersatzteile abgeholt hatten, konnten wir dann am Donnerstag die Arbeiten in unserem Gebiet vor Namibia abschließen. Von da an ging es dann in einem leichten Zick-Zack Kurs Richtung Angola. Auf diesem Kurs versuchten wir immer so zwischen 200 und 500 Metern Wassertiefe zu bleiben, um dort mit der Fächerlotvermessung des Meeresbodens vielleicht noch ganz neue Korallenhügelvorkommen zu entdecken.

Nach Größe getrennte Proben aus dem Kasten- und Backengreifer. (Bild: D. Hebbeln)Das ist uns dann auch schon am nächsten Morgen geglückt: gleich nördlich des Walfischrückens, der hier auf See auch die Grenze zwischen Namibia und Angola bildet, haben wir in den Daten verdächtige Strukturen entdeckt. Und auch später konnten wir noch ähnlich verdächtige Sachen entdecken. Dieser Tag hat uns auch „endlich“ dahin gebracht, wo es warm ist: Mit Wasser- und Lufttemperaturen von über 25°C können lange Hosen und Jacken jetzt endgültig weggepackt werden. Zum Glück blieb auch immer mal Zeit, die Sonne, den blauen Himmel, die Delfine und das tropische Klima zu genießen.

Arbeitsreicher Transit


Sedimentkernbeprobung mit zwei Spritzenserien. (Bild: D. Hebbeln)Die Zeit auf dem Transit in unser nördliches Arbeitsgebiet vor Angola wurde für die unterschiedlichsten Arbeiten genutzt. Wenn man in die Labore der Biologen und Paläontologen ging, traf man dort auf allerhand Schnecken, Muscheln, fluoreszierende Schwämme und Korallenbruchstücke. Die stärkeren Mägen konnten sich auch an Würmern und anderen Weichtieren erfreuen. Während dort über 50 Arten bestimmt wurden, schlachteten die Geologen ihre Sedimentkerne. Das Wort „schlachten“ passt eigentlich nicht so gut zum Aufschneiden der Kerne, doch bei diesen Kernen war es wirklich die beste Beschreibung. Wasser, schlammiges Sediment, Muscheln, und Schnecken erforderten zum Teil schon recht rabiate Methoden beim Öffnen der Kerne. Waren sie dann aber erstmal der Länge nach aufgeschnitten, duftete es oft wieder nach faulen Eiern. Die geöffneten Kerne wurden dann fotografiert, die Sedimentfarbe wurde gescannt und es wurden Proben genommen – mit abgesägten Plastikspritzen. Damit kann man ganz gezielt immer die gleiche Menge Sediment (10 cm3) entnehmen, die dann später zuhause in den Laboren weiter untersucht wird.

Die Zeit rast an uns vorbei – schon haben wir die Hälfte unserer Expedition hinter uns. Das ist natürlich der perfekte Anlass, ein „Bergfest“ zu feiern. Im Laufe des Tages wurde schon mal alles vorbereitet und geschmückt und dann wurde abends der Grill angeheizt. So konnten alle bei leckerem Essen, schönstem Wetter und bei toller Livemusik mal einen Abend außerhalb der täglichen Routine genießen.


FS METEOR im Hafen von Walvis Bay, Namibia. (Bild: MARUM)Im Rahmen der Ausfahrt M122 suchen Meereswissenschaftler vor Angola und Namibia nach Korallenvorkommen. Sie wollen herausfinden, welchen Umweltbedingungen Kaltwasserkorallen ausgesetzt sind und wie sie in der Vergangenheit auf Klimaänderungen reagiert haben. Maren Bender, Studentin an der Universität Bremen, und Dierk Hebbeln, Expeditionsleiter vom MARUM, berichten im Logbuch auf planeterde von Bord. Mehr Informationen zur Ausfahrt finden Sie auf den Seiten des MARUM.