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ANNA-Logbuch #5: Letzte Station

erstellt von eschick zuletzt verändert: 01.02.2016 14:48

Die letzte Fahrtwoche bricht an und damit die letzten Tauchgänge in die faszinierende Unterwasserwelt vor Angolas Küste. Dann beginnt das große Räumen, Putzen und Packen, berichten Dierk Hebbeln und Maren Bender zum Abschluss ihres Logbuchs auf planeterde.

Eine große Kolonie von Madrepora oculata. (Bild: MARUM)Zunächst standen nochmals Tauchgänge an. In der Nacht von Samstag auf Sonntag fuhr das CTD-Team einen Transekt - in diesem Fall war das eine Abfolge neun Stationen in einer Linie - an denen jeweils mit der CTD die Temperatur und der Salzgehalt und weitere Werte des Wassers von der Meeresoberfläche bis zum Meeresboden in mehreren hundert Metern Tiefe gemessen wurde. Mit diesen Daten kann man dann genau den Aufbau der Wassersäule und die Verteilung der einzelnen Wassermassen bestimmen.

Kritisch beäugt: Die beim ROV-Tauchgang eingesammelten Proben. (Bild: C. Dullo)Nach dieser Nachtschicht fing der Sonntag wie so viele Tage mit einem ROV-Tauchgang an. Die Bilder, die das ROV aufs Schiff schickte, waren einfach wieder sensationell. Gerade wenn man bedenkt, dass nach dem bisherigen Stand des Wissens in diesen sauerstoffarmen Tiefengewässern gar keine Korallen sein sollten. Aber sie sind da! Die Unterwasserwelt, die wir zu sehen bekamen, verzauberte jeden auf dem Schiff – nicht nur, weil sie wissenschaftlich so spannend ist, sondern auch, weil sie einfach wunderschön ist.

Die „Beute“ des Schwereloteinsatzes in handliche Meterstücke zerschnitten auf dem Arbeitstisch. (Bild: C. Rohleder)Die letzte Woche unserer Reise war nun angebrochen. Und damit kam auch die Feststellung, dass nun alles „zum letzten Mal“ dran ist. An diesem Tag gab es den letzten Backengreifer, den letzten Kastengreifer und das letzte Schwerelot für diese Expedition und damit auch die letzten Proben, die geschlämmt werden mussten. Irgendwie lag dann einerseits eine erleichterte, aber andererseits auch eine melancholische Stimmung in der Luft. Für die ersten, die Geologen und die Seismiker, ging es nun auch schon langsam ans Abbauen und Einpacken.

Rote Variante von Lophelia pertusa, die wir häufig fanden. (Bild: A. Freiwald)Nach einem weiteren nächtlichen CTD-Transekt blieb uns am Dienstag nur noch, die drei immer noch verankerten Lander wieder aufzunehmen. Der Nervenkitzel, ob sie denn nun an die Oberfläche kommen, war wie immer zu spüren. Aber wie auch schon die Male davor, ging alles gut. Tja, und das war es dann auch mit unseren Arbeiten im Kaltwasserkorallengebiet vor Angola. Nach dem letzten Lander hieß es: Kurs Walvis Bay. Damit war die Arbeit aber noch lange nicht vorbei. In den Laboren wurden Kerne geschlachtet, Daten prozessiert, Muscheln bestimmt und auch schon mit dem Packen weiter gemacht.

Mitte der Woche haben wir dann aber doch noch einmal das Schiff gestoppt, denn sozusagen en route sind wir endlich an eine Stelle mit einer Wassertiefe von 2000 m gekommen. An dieser nun wirklich allerletzten Station durfte das ROV noch eine weitere Jungfernfahrt machen – diesmal bis auf 1997 m. Bei diesem Gerätetest ging es darum, zu sehen, ob das ROV auch den Druck in 2000 m aushält, wie es der Hersteller versprochen hat. Es hat! Einmal durfte auch die CTD noch „auf Tiefe“, denn hier konnten wir noch einmal Daten bis in viel größere Wassertiefen bekommen, als es vorher für uns möglich war. Dann hieß es: Stationsende! Und da das nun unwiderruflich die letzte Station war, haben wir das mit einem lachenden und einem weinenden Auge noch ein wenig gefeiert.

An diesem Logbuch wird ständig und überall gearbeitet. (Bild: A. Freiwald)Über die nächsten Tage kamen wir Walvis Bay langsam näher. Dabei spaltete sich die wissenschaftliche Crew in zwei Gruppen: die erste schrieb emsig am Fahrtbericht während für die zweite die große Packerei und Putzerei begann. Alles musste sorgfältig zurück in die zugehörigen Kisten und im Anschluss wurden alle Labore auf Hochglanz poliert, da die nächste Wissenschaftscrew, die am 2. Februar auf der METEOR einschifft, schließlich auch in sauberen Laboren arbeiten möchte.

Sonnenaufgang über dem Südost-Atlantik. (Bild: D. Hebbeln)Am Sonntagmorgen wird die METEOR in Walvis Bay einlaufen und wir alle gehen mit der Gewissheit von Bord, an einer sehr erfolgreichen Expedition teilgenommen zu haben. Das alles so gut gelaufen ist, wäre ohne die tolle Unterstützung von Kapitän Rainer Hammacher und der gesamten Besatzung der METEOR nicht möglich gewesen. Dafür möchten wir uns hier noch einmal ganz herzlich bedanken! Mit diesem Eintrag schließen wir das Logbuch zur METEOR-Expedition M122 und hoffen, dass wir ein bisschen von unserer Faszination, von unserer Begeisterung und von unserer Arbeit an Bord auf diesem Weg mit den Lesern teilen konnten.

Vielen Dank fürs treu bleiben und vielleicht bis zum nächsten Mal. Ahoi!


FS METEOR im Hafen von Walvis Bay, Namibia. (Bild: MARUM)Im Rahmen der Ausfahrt M122 suchten Meereswissenschaftler vor Angola und Namibia nach Korallenvorkommen. Sie wollten herausfinden, welchen Umweltbedingungen Kaltwasserkorallen ausgesetzt sind und wie sie in der Vergangenheit auf Klimaänderungen reagiert haben. Maren Bender, Studentin an der Universität Bremen, und Dierk Hebbeln, Expeditionsleiter vom MARUM, berichteten im Logbuch auf planeterde von Bord. Mehr Informationen zur Ausfahrt finden Sie auf den Seiten des MARUM.