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Lisas Log #1: Die ersten Tage

erstellt von eschick zuletzt verändert: 20.03.2014 11:37

Leinen los für die METEOR: Das Forschungsschiff hat den Hafen von São Vicente auf den Kapverden verlassen. Die Crew von Meeresforschern der Expedition 105 will der Frage nachgehen, wie sich Sauerstoff im Ozean verteilt und welche biogeochemischen Prozesse dabei ablaufen. Mit an Bord ist Lisa Eßer, die für planeterde vier Wochen lang von der Ausfahrt im tropischen Atlantik berichten wird.

Wir beziehen unser neues Zuhause: Die FS Meteor. (Bild: Elisabeth Eßer)Nach zwei mittellangen Flügen und einem kurzen Aufenthalt in Lissabon (mit Kurztrip in die Stadt, schon mal dem Atlantik „Hallo!“ sagen) kamen wir auf der Insel São Vicente auf den Kapverdischen Inseln an. Die Insel ist ziemlich vegetationsarm und karg, hat aber beeindruckende Berge und das Wasser ist so blau, wie man es sich vom tropischen Atlantik wünscht! Nach einer Übernachtung in einem Hotel unweit des Flughafens konnten wir dann endlich die FS Meteor im Hafen der kleinen Hafenstadt Mindelo liegen sehen. Begeistert bezogen wir unser Zuhause für die nächsten vier Wochen.

An Bord ging es nach einem kurzen Rundgang auch gleich an die Arbeit. Es galt, die vor Wochen aus Deutschland geschickten Container und Kisten auszupacken und die für die Experimente benötigten Gegenstände zu finden und aufzubauen. So liefen alle durcheinander und zu dem ganzen Chaos kamen noch eine Begrüßung durch den Kapitän, die Offiziere und den Bordarzt, eine Sicherheitseinweisung und diverse Mahlzeiten hinzu, so dass man das Gefühl hatte, nichts zu schaffen und dauernd zu essen. Abends war dann aber doch noch für manche Zeit, das letzte Mal für vier Wochen von Bord zu gehen und in der Stadt das einheimische Bier zu probieren.
 

17.6°N 24.3°W

Es geht los! Die METEOR 105 Expedition legt von den Kapverdischen Inseln ab. (Bild: Elisabeth Eßer) Am Montagmorgen den 17. März legten wir in Mindelo ab und fuhren gen Nord-Osten.  Hier liegt bei 17.6°N 24.3°W die Cape Verde Ocean Observatory (CVOO), eine Meeres-Monitoring-Stelle, die bei jeder Fahrt der Meteor um die Kapverdischen Inseln beprobt wird und bei der auch diesmal nach einem Test erste Wasserproben genommen werden sollten. Die Messung erfolgt hier meist mit der sogenannten CTD-Rosette, einem tollen Messgerät der Ozeanforschung. Hier werden in einem Gestell zahlreiche Sensoren und Wasserschöpfer bis auf mehrere tausend Meter im Meer hinuntergelassen, um Sauerstoff, Temperatur, Leitfähigkeit, Tiefe und andere Parameter zu messen und Wasserproben zu nehmen. In den eingestellten Tiefen schließen beim Heraufziehen die Schöpfer und bringen die Wasserproben mit an die Oberfläche, wo sie untersucht werden können.

Anlaufprobleme

Die CTD-Rosette auf Deck. (Bild: Elisabeth Eßer)Eine meiner Aufgaben ist zum Beispiel, die Proben zu filtrieren und den Gehalt an partikulärem organischen Kohlenstoff/Stickstoff/Phosphor, Nährstoffe, Ammonium und Chlorophyll-a-Gehalt zu messen. Das große Problem der letzten zwei Tage war nun aber, dass die nagelneue CTD-Rosette nicht das tat, was sie tun sollte, und die Sauerstoff-Sensoren beispielweise negative Sauerstoff-Werte anzeigten - was natürlich Quatsch ist, falls wir nicht den Anti-Sauerstoff entdeckt haben sollten ;). Daraufhin wurden mehrere CTDs erfolglos ausprobiert und eifrig nach der Fehlerursache geforscht. Bis wir annehmen mussten, dass der Container, in dem die Rosette geliefert wurde, bei der Lagerung auf den Kapverdischen Inseln zu heiß geworden ist, weil auch andere Gegenstände wie Chemikalienbehälter dabei kaputt gegangen sind. Bisher sind sowohl solch ein Lagerfehler sowie mehrere schiefgegangene CTDs am Stück wohl noch nie vorgekommen und der Stationsplan der Fahrt musste stündlich geändert werden.

So konnten wir an der Meeres-Monitoring-Stelle CVOO bisher noch keine Probe nehmen, was auf der Rückfahrt allerdings nachgeholt werden soll. Die CTD scheint nun mit den alten Ersatzsensoren doch endlich zu funktionieren und mein erster relevanter Einsatz wird planmäßig heute Nacht stattfinden. Jetzt sind wir erstmal unterwegs Richtung "eddy" (englisch für Wirbel). Als mehr oder weniger fachfremde Biologin fragte ich mich anfangs noch, wer dieser Eddi sei, bis ich erfuhr, dass es sich um einen Strömungswirbel handelt. Er ist besonders interessant für alle Wissenschaftler an Bord, weil man noch wenig über die Verhältnisse in einem eddy weiß und jeder dieser Wirbel variiert. Dabei interessieren uns insbesondere die noch noch wenig erforschten seitlichen und vertikalen Sauerstoffflüsse, ein wahrscheinlich sehr entscheidender Aspekt der Belüftung der Wassermassen in dieser Region.

Sonne, Wind und Pflaster

Lisa Eßer an Bord der FS METEOR. (Bild: Elisabeth Eßer)Das Wetter ist die ganze Zeit über recht schön. Es ist sonnig aber windig, so dass man nur im Windschatten draußen warm sitzen kann. Der Wind hat auch zur Folge, dass wir seit Auslaufen recht stark auf- und abschaukeln und sich bei manchen eine leichte Seekrankheit eingestellt hatte. Der Bordarzt hat tags zuvor an Interessierte kleine Pflaster verteilt, die man sich hinters Ohr kleben kann und die für 72 Stunden gegen seebedingte Übelkeit helfen sollen. Ich habe es wagemutig darauf ankommen lassen und habe nichts zu mir genommen, was ich nach Auslaufen für knappe vier Stunden bereuen sollte... Unter Deck und vor allem bei der konzentrierten Arbeit im Labor wurde ich erst müde, dann wurde mir schwindelig und ich fühlte mich elend. Nach dem Mittagessen ging es mir auf einmal schlagartig wieder gut und ich fühlte mich, als sei ich von einer Krankheit geheilt. Seitdem geht es wunderbar! Und im Bett ist es auch ganz famos, wenn man in den Schlaf gewiegt wird. Aufpassen muss man bei den Wellen nur bei losen Gegenständen, bei zu viel Suppe auf dem Teller oder einem Rüffel des 1. Stewards, weil man Porzellantassen aus der Messe hinausnimmt und dann auch noch ohne Antirutsch-Unterlage abstellt.

Ich freue mich auf die kommenden Wochen und bin sehr gespannt, was noch alles planmäßig und auch nicht planmäßig passieren wird! Das nächste mal mehr über unseren ausgesetzten Glider, Multinetze und das Leben an Bord.