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Lisas Log #2: Stippvisite

erstellt von eschick zuletzt verändert: 24.03.2014 16:24

Das erste Wochenende auf der METEOR war arbeitsreich für die Geowissenschaftler. Doch eine besondere Begegnung am Sonntag entlohnte sie für all ihre Mühen. Lisa Eßer berichtet für planeterde von frühen Weckrufen, Nachtschichten und einer doppelten Überraschung.

Die CTD kommt an Deck. (Bild: Elisabeth Eßer)Morgens um 4 Uhr klingelt das Kajüten-Telefon. Es ist die CTD-Schicht, die uns zu dieser frühen Stunde weckt. Sie teilt uns mit, dass die CTD-Rosette auf dem Weg ins Wasser ist und wir aufstehen und die Probenentnahme vorbereiten sollen. Mit dieser Sonde messen wir die Leitfähigkeit, Temperatur und Tiefe (engl. Conductivity, Temperature, Depth - kurz CTD). Zügig sind das Protokoll und alle Probenbehälter bereit, dann kann es schon losgehen.

Es ist noch dunkel draußen, aber man ist selbst zu solch nachtschlafender Zeit niemals allein am Arbeiten, was es einem motivationstechnisch ziemlich erleichtert. Ein freundliches „Moin!“ und einen Kaffee bekommt man hier immer. Kaum ist die CTD aus 1000 Metern Tiefe wieder an Deck, laufen alle zu den Wasserschöpfern und zapfen ihre Proben, eine nach der anderen, immer im Kreis. Für mich heißt es anschließend: Nährstoffe einfrieren, Filtration beginnen und Ammonium- und Chlorophyllgehalt messen.

 

Das Multinetz wird eingeholt. (Bild: Martin Visbeck, GEOMAR)Sauerstoffminimumzone im Blick

Wir haben nun weiter südlich unser Grid erreicht, in dem wir sehr regelmäßig CTDs fahren und außerdem zwei recht aufwändige Sinkstofffallen zu Wasser lassen und später wieder einsammeln werden. Mehrere Multinetze kamen ebenfalls in Einsatz, mit denen Zooplankton und andere Tiere gefangen und anschließend untersucht werden können. Das Grid liegt um die Ausbringstelle des Tracers, einer chemischen Markersubstanz, der vor 18 Monaten in diesem Gebiet ausgebracht wurde. Auf unserer Fahrt findet nun die zweite Kartierung statt, bei der die Verbreitung des Stoffes gemessen und dadurch Rückschlüsse auf Strömungen und Vermischung nahe der riesigen Sauerstoffminimumzone in dieser Region gezogen werden sollen.

Außerdem wurde ein sogenannter Glider per Schlauchboot eingefangen. Der etwa zwei Meter lange und 50 Kilogramm schwere autonome Messroboter war vor ein paar Wochen an dieser Stelle ausgesetzt worden. Er misst Meeresströmungen, Strömungsgeschwindigkeiten, Wassertemperatur und Salzgehalt und gleitet selbstständig durch das Wasser, indem er sich mit einer speziellen Tauchzelle schwerer und leichter machen kann.

Untersuchung der Entenmuscheln. (Foto: Martin Visbeck, GEOMAR)Der Roboter kann mithilfe kleiner Flügel an den Seiten das Auf und Ab in eine Vorwärtsbewegung umsetzen und bis zu 1000 Meter tief tauchen. Wenn er auftaucht, gibt er seine Messdaten per Satellit an uns weiter, so dass man stets weiß, wo sich der Glider sich befindet. Von der Brücke aus ließ sich gut beobachten, dass eine große Schildkröte sich an den zahlreichen Entenmuscheln gütlich tat, welche sich in den vergangenen Wochen auf den Glider gesetzt hatten und von hier aus das Wasser filtrieren. So interessant diese auch aussehen, verlangsamen sie doch den Messroboter messbar in seiner Fortbewegung. Während der Fahrt wird ein ganzer kleiner Schwarm dieser Gleiter ausgesetzt werden, um hochauflösende zeitliche und räumliche Veränderungen zu dokumentieren.

Die Stimmung und das Essen sind nach wie vor prima, Donnerstag abends wurden außerdem gleich zwei Geburtstage gefeiert - quasi aus dem ersten raus und in den Geburtstag unseres Fahrtleiters hinein. Hier war auch die Crew sehr gut vertreten und hat einige tolle Seemannsgeschichten über Äquatortaufen, kuriose Lebensläufe und andere schöne Dinge erzählt.

 

Treffen mit der POLARSTERN

Das Shuttle-Boot der POLARSTERN bringt Gäste zur METEOR. (Bild: E. Eßer)Nach einem sehr arbeitsreichen Wochenende mit vielen Nachtschichten kam Sonntagsnachmittags nun das absolute Highlight bis jetzt: Wir trafen doch tatsächlich bei etwa 10°00' N 21°00’ W auf den Forschungseisbrecher POLARSTERN, der momentan auf dem Weg von Kapstadt nach Bremerhaven ist. Alle Interessierten beider berühmter Forschungsschiffe durften per Schlauchboot-Transfer das jeweils andere Schiff besichtigen fahren!

An Bord der POLARSTERN bekamen wir vom dortigen Fahrtleiter Dr. Hartwig Deneke vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung eine Führung und gleiches geschah auf der METEOR für die POLARSTERN-Bewohner durch unseren Fahrtleiter Prof. Dr. Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Institut für Ozeanforschung Kiel. So hatten wir die einmalige Gelegenheit uns mitten auf dem Atlantik mit den anderen Wissenschaftlern und der Besatzung sehr nett auszutauschen. Wir konnten gegenseitig unsere Forschungsarbeiten und Geräte besichtigen und hatten auch großen Spaß an dem Shuttle von einem Schiff zum anderen.

Überraschung: Eine Gruppe Pilotwale nähert sich der METEOR. (Bild: E. Eßer)Als wäre dieser „Sonntagsausflug“ bei schönstem Wetter als willkommene Arbeitsunterbrechung nicht genug, kam zuvor eine Schule neugieriger Pilotwale (auch Grindwale genannt) direkt zur METEOR geschwommen und hielt sich mehrere Minuten dort auf, während am Horizont die POLARSTERN auftauchte und auf uns zu fuhr. Wir konnten uns kaum entscheiden, was in dem Moment spektakulärer war, und schossen tausende Fotos.


Lisa Eßer: Lisas Log

Als Teil der Wissenschafts-Crew verbringt die Biologie-Studentin Lisa Eßer vier Wochen an Bord der FS METEOR. Die Expedition M105 im tropischen Atlantik geht der Frage nach, wie sich Sauerstoff im Ozean verteilt und welche biogeochemischen Prozesse dabei ablaufen. Auf planeterde berichtet sie in Lisas Log über den Alltag und die Arbeit auf dem Schiff.