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Amundsenlog #1: Letzte Vorbereitungen

erstellt von Silvia Weber zuletzt verändert: 16.03.2017 12:49

Punta Arenas, die südlichste Stadt Chiles, gelegen an der Magellanstraße zwischen Patagonien und Feuerland, ist der Ausgangsort für die Expedition PS104 in das Amundsenmeer der Antarktis. Bis kurz vor der Ausfahrt aus dem Hafen von Punta Arenas blieb es spannend, ob das Team unter der Leitung von Karsten Gohl rechtzeitig wird ablegen können. Der Fahrtleiter berichtet von Bord.

Die ersten Eisberge rufen immer wieder Begeisterung hervor. (Bild: Thomas Ronge)Mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern, Technikern und Studenten trafen wir von unterschiedlichen Orten ein, um am 5. Februar an Bord der Polarstern zu gehen. Zuvor hatte bereits eine Vorausgruppe mitgeholfen, die nicht ganz einfache Beladung und Installation unseres wichtigsten Gerätes auf dieser Expedition, das MeBo-Bohrgerät, vorzubereiten. Der Hafen von Punta Arenas besitzt nur eine Pier, an der Schiffe mit großem Tiefgang anlegen können. Und in der Sommersaison ist diese Pier sehr stark nachgefragt von Kreuzfahrt- und Containerschiffen, die gegenüber anderen Schiffen von der Hafenbehörde Priorität bekommen. Der Polarstern wurden nur 2,5 Tage eingeräumt, bevor sie die Pier für ein Kreuzfahrtschiff verlassen musste. Das MeBo wird auf das Absatzgestell gehoben. (Bild: Thomas Ronge)Eine äußerst knappe Zeit, um die Ladearbeiten für unsere Container und vor allem die Vorbereitungen für den Aufbau an Deck und dann das Verladen des schweren MeBo-Bohrgeräts zu bewerkstelligen. Die Spannung stieg am Vormittag des 6. Februar. Können die Arbeiten bis 13 Uhr erledigt werden, oder werden wir mit 2-3 Tagen Verspätung auslaufen müssen? Um 12.40 Uhr hob der extra angeforderte mobile Schwergutkran das MeBo auf sein Absatzgestell, das auf dem Arbeitsdeck der Polarstern bereits installiert war. Um 13 Uhr legte das Schiff ab. Ein perfektes „Timing“ und eine Meisterleistung der Schiffsbesatzung, der Schiffskoordination und des MeBo-Teams. Wir lagen dann noch zwei Tage in der Bucht vor Punta Arenas auf Reede. In der Zeit wurde das MeBo weiter aufgebaut und die Funktionen geprüft. Erst nachdem ein Gerätetest mit dem knapp unter der Wasseroberfläche abgesenktem MeBo bestanden wurde, konnten wir am 8.2. bei schönstem Wetter auslaufen.

Logo der PS104. (Grafik: Alfred-Wegener-Institut)Die Fahrt durch die enge westliche Magellanstraße in Richtung Pazifik ist einfach ein landschaftlicher Genuss, den keiner der 50 wissenschaftlichen Teilnehmer und 44 Besatzungsmitglieder verpasst hat. In der Nacht erreichten wir den offenen Pazifik, der uns auch sofort mit einer kräftigen Brise und einem starkem Seegang empfing. 6 Tage dauert die Überfahrt bis in unser Forschungsgebiet durch eine Region, die für ihre häufigen Stürme bekannt ist. Wir können uns glücklich schätzen, dass uns diese Stürme – bis auf den ersten Tag im Pazifik – erspart geblieben sind. Wir erleben sogar seit zwei Tagen einen ungewöhnlich ruhigen Seegang mit zeitweiliger Windstille. In der Zwischenzeit sind alle Geräte und Messinstrumente aufgebaut, und wir erwarten mit Spannung die Ankunft im Forschungsgebiet, den Kontinentalschelf des Amundsenmeeres vor der Westantarktis. Erste Eisberge sind bereits gesichtet.

Fahrt durch die westliche Magellanstraße. (Bild: Thomas Ronge)Unsere Expedition geht in eine Region der Antarktis, von der vermutet wird, dass sie eine ganz entscheidende Rolle beim drohenden Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes spielt. Um besser zu verstehen, wie sich der Eisschild in einer zukünftigen weiteren globalen Erwärmung verhält, schauen wir in die geologische Vergangenheit, und zwar in Epochen, in denen wir ähnliche Klimaverhältnisse auf der Erde hatten, wie wir sie heute und in Zukunft erfahren. Dazu wollen wir in dem Hauptprojekt dieser Expedition Proben von Meeressedimenten an verschiedenen Stellen auf dem Kontinentalschelf des Amundsenmeeres mit dem MeBo-Bohrgerät erbohren. Wir werden in den nächsten Wochenberichten mehr über das Bohrgerät, das zum ersten Mal in der Antarktis eingesetzt wird, sowie über die Arbeitsmethoden, Forschungsziele und ersten Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen berichten.

Mit besten Grüßen und Wünschen von allen Fahrtteilnehmern
Karsten Gohl, Fahrtleiter
 


Maria S. Merian Im Rahmen der Ausfahrt PS104 begeben sich Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts unter der Leitung von Karsten Gohl in den Südlichen Ozean. Das Hauptarbeitsgebiet ihrer Expedition befindet sich im südlichen Amundsenmeer und der Pine-Island-Bucht. Dort erbohren sie Sedimentkerne, um Aufschluss über den westantarktischen Eisschild (WAIS), seine klimabedingten Veränderungen und die dadurch entstehenden Folgen zu erhalten. Die Geowissenschaftler berichten im Logbuch für planeterde direkt von Bord der Polarstern.

Eine Kooperation mit dem AWI.