Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Logbücher FS POSEIDON: Ägäis Ägäislog #2: Höhepunkte

Ägäislog #2: Höhepunkte

erstellt von eschick zuletzt verändert: 23.05.2017 12:05

Seit einer Woche kreuzt die Poseidon schon durch die Ägäis. Nach einem durchwachsenen Expeditionsbeginn gestalten sich die Bergungen mit dem Schwerelot nun erfolgreicher. Und Fahrtleiter Armin Freundt und die Kollegen an Bord machen Entdeckungen, mit denen zuvor niemand gerechnet hätte.


Nächtliche Impression während einer bathymetrischen Messkampagne. (Bild: Nico Augustin)

Nächtliche Impression während einer bathymetrischen Messkampagne. (Bild: N. Augustin)

Diese Woche erfassten wir die Region zwischen Santorini und Nisyros. Nach einer Studie am Morgen beendeten wir die Arbeit mit dem Großkastengreifer und verwendeten das Schwerlot wieder mithilfe eines Triggersystems, weil die jungen Sedimente am Meeresboden offensichtlich größtenteils zu dick sind, um gleichmäßig die knapp 400 Jahre alte Columbo-Tephra östlich von Santorini zu durchdringen. Sogar mit dem Schwerelot erhielten wir allerdings nur 60 bis 80 Zentimeter lange Kerne in 10 bis 20 Kilometer östlicher Entfernung von der Insel – das war größtenteils nicht genug, um den Boden der Columbo-Tephra zu durchdringen. Weiter östlich, hinter der Insel Anafi, bargen wir endlich längere Kerne von rund drei Metern.

 

Die minoische Tephra in dieser Region fehlt entweder gänzlich oder bildet jene wenigen, unscheinbaren und dünnen Ascheablagerungen, die wir nach der Fahrt analysieren werden. Trotzdem stießen wir hier zum ersten Mal auf eine Schicht schwarze, mafische, erbsen- bis nussgroße Pyroklasten, die sogenannten Lapilli. Verglichen mit dem einfachen Schwerelot macht das Absenken und Aufholen mit dem Schwerlot mit Triggersystem deutlich mehr Arbeit, aber die Crew hat sich schnell daran gewöhnt - sie haben sogar das Gestell zum Aufholen verbessert.

Die schwarzen Lapilli- (oben) und Asche-Schichten (oben) liegen in der gleichen Tiefe, aber 45 km entfernt. (Bild: A. Freundt/GEOMAR)

Die schwarzen Lapilli- (unten) und Asche-Schichten (oben) liegen in der gleichen Tiefe, aber 45 km entfernt. (Bild: A. Freundt/GEOMAR)

Später zog es uns Richtung Nordosten. Entlang dreier Stationen ging es in den Norden von Astipalea, einer Insel, die nach ihrer Schmetterlingsform benannt ist. Alle Kerne hier erreichten vier bis fünf Meter Länge. Aufgrund von hohen Sedimentationsraten erhielten wir aber hauptsächlich Proben der jungen Columbo- und Minoischen Tephra mit wenigen Spuren von Asche. Wir vervollständigten den Kreis um Astipalea, indem wir Richtung Südosten drehten zu drei weiteren Stationen, die 3,5 bis 4,5 Meter lange Kerne brachten. Etwa drei Meter unter dem Meeresboden fanden wir eine schwarze mafische Ascheschicht, die wir am nächsten Tag auch in anderen Kernen fanden und die wir vorläufig mit der zuvor geborgenen schwarzen Lapilli-Schicht in Entsprechung setzen. Wenn wir diese Korrelationen später verifizieren können, haben wir vielleicht den ersten "basaltischen" plinianischen Niederschlag in der Ägäis entdeckt. Dieser ist vermutlich auf Santorini ausgebrochen, die Richtung der Verdickung und Vergröberung dieser Schicht deuten darauf hin.

60 Kilometer weiter südlich, nahe dem nördlichen Rand des Tiefseebeckens nordöstlich von Kreta, bargen wir erfolgreich drei fünf bis sechs Meter lange Kerne. Wir fanden erneut die bekannten Schichten der minoischen und der schwarzen Asche, sowie ein älteres Aschebett, dem wir vermutlich am nächsten Tag in einer anderen Fazies begegneten. Die vier Stationen zwischen Syrna und Nisyros brachten Kerne von 3,2 bis 6,5 Metern Länge mit der gut ausgebildeten Minoischen Asche, die etwa 80 Zentimeter unter dem Meeresboden lagert. Ein Kern enthält eine ungewöhnlich grobe Lapillischicht, die vermutlich von Nisyros stammt. Das mögliche Äquivalent des tags zuvor geborgenen Aschebetts ist eine 40 Zentimeter dicke Masse aus etwa fünf Metern Tiefe unter dem Meeresboden. Diese Masse besteht aus Turbiditen, den häufigsten Sedimenten an Kontinentalhängen in der Tiefsee. Einen Höhepunkt brachte der letzte Kern: ein zehn Zentimeter dickes Aschebett gefüllt mit Akkretionslapilli - winzige aggregierte Aschebälle - die man zuvor nur vom Land kannte.

Bathymetrische Karte des Meeresbodens mit einer Verwerfung südlich von Anafi. (Bild: A. Freundt/GEOMAR)

Bathymetrische Karte des Meeresbodens mit einer Verwerfung südlich von Anafi. (Bild: A. Freundt/GEOMAR)

Die Nächte nutzten wir meist für bathymetrische Kartierungen. Wir ermittelten die Struktur von Inselfundamenten und die Verteilungen von Verwerfungen wie der Syrna-Verwerfungszone nahe der Inseln Astipalea, Zaphoras und Syrna. Aufgrund von starkem Wind und Seegang konnten wir unsere Kartierungen in der Nacht von Samstag auf Sonntag aber nicht fortsetzen und mussten auch die ersten Bohrungen am nächsten Morgen ausfallen lassen. Der Nachmittag im Schatten von Kos belohnte uns dafür mit einem 3,8 Meter-Kern, der zahlreiche dünne Ascheschichten aufweist. Dabei könnte es sich um Spuren kleinerer Nisyros-Nacheruptionen handeln. Im zweiten Kern, der östlich von Nisyros gewonnen wurde, fanden sich hingegen keine Aschespuren. Wir holten dann eine der Bohrstationen vom Morgen nach und bargen einen 4,2 Meter langen Kern mit zahlreichen Asche- und Lapilli-Vorkommen und einer beeindruckenden mehr als 60 Zentimeter dicken Lapilli-Ablagerung.

Früheren Warnungen zum Trotz, es stehe eine Militärübung nahe der griechisch-türkischen bevor, sind uns während der letzten Tage keinerlei Schiffe begegnet. Am Sonntag konnten wir die Umrundung der Insel Nisyros-Yali abschließen. Vier weitere geborgene Kerne mit verschiedenen  Ascheschichten stammen vermutlich von den Nisyros-Ausbrüchen.

Wir alle sind glücklich über der Forschritt unserer Arbeiten und die Stimmung an Bord ist entspannt. Wir sind uns sicher, dass wir mit dem aufklarenden Wetter unser Programm in den letzten verbleibenden Tagen erfolgreich zu Ende bringen können.


Die ganze Besatzung grüßt von Bord des FS Poseidon!

Armin Freundt
(Fahrtleiter der Expedition POS513)

 


nullIm Rahmen der Ausfahrt POS513 begeben sich Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel unter der Leitung des Geologen Armin Freundt in den Hellenischen Inselbogen. Dort wollen sie mithilfe eines Schwerelots Tiefseebohrungen durchführen, um zukünftige Vulkanausbrüche besser abschätzen zu können. Die Geowissenschaftler berichten im Logbuch auf planeterde direkt von Bord des FS Poseidon.
Eine Kooperation mit dem GEOMAR Kiel