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Indexlog #2: Sedimentkerne als Schaufenster

erstellt von eschick zuletzt verändert: 05.09.2017 10:06

Eine Woche hielt das Schiff Kurs Richtung Süden, unterbrochen von einer Handvoll kurzer Stopps, um Wasserproben zu nehmen. Eine Woche war die See voll wilder, grauer, zackiger Wellen. Sie bildeten tiefe Täler und hohe Kämme, ließen sich vom Wind scheinbar wahllos hin und her treiben. Doch nun hat sich das Blatt gewendet.


Das Wetter klart auf: Regenbogen über dem Indischen Ozean (Bild: BGR)

Das Wetter klart auf: Regenbogen über dem Indischen Ozean (Bild: BGR)

Die SONNE dümpelt in tiefblauem Meerwasser 150 Kilometer vor dem Explorationsgebiet im Zentralindischen Rücken "auf Station", wie die Seeleute sagen. Das heißt, es macht Halt. Auf dem Deck herrscht reges Treiben. Erstmals bei dieser Expedition wurde der "Multicorer" eingesetzt und wieder an Bord gehievt. In seinen transparenten Kunststoff-Röhren hat er zwölf Sedimentkerne mit je circa 15 Zentimeter Länge mit nach oben gebracht. Biologen, Chemiker und Geologen scharen sich um das Gerät. Eilig wird die kostbare, hellbraune, weiche Masse in andere Behälter umgefüllt und ins Labor getragen. Abends zuvor zapften sich die Forscher weitere frische Wasserproben aus der sogenannten CTD ab, welche während der letzten Woche regelmäßig zum Einsatz kam und Wasserproben von der Meeresoberfläche bis in über 5000 Metern Wassertiefe genommen hat. Die CTD misst direkt den Salzgehalt, die Temperatur und den Sauerstoffgehalt in den verschiedenen Wasserschichten. Weitere biologische und biogeochemische Analysen folgen dann im Labor.

Die Biologen Katharina Kniesz und Klaas Gerdes entnehmen Sedimentproben aus dem “Multicorer“. (Bild: BGR)

Die Biologen Katharina Kniesz und Klaas Gerdes entnehmen Sedimentproben aus dem “Multicorer“. (Bild: BGR)

Sedimentkerne und Wasserproben sind Schaufenster in die Unterwasserwelt

Sie geben Forschern Einblick in die physikalische und chemische Zusammensetzung und liefern Hinweise darauf, welche bzw. wie viele Tier- und Pflanzenarten wo im Wasser und am Meeresboden leben. Sie erlauben Rückschlüsse auf den Einfluss der Jahreszeiten auf die Lebewelt und die Sedimentation. Aus den Wasserproben kann sogar der Verlauf der Meeresströmungen nachvollzogen werden. "Im Indischen Ozean stoßen mehrere Wassermassen aufeinander, die teilweise ihren Ursprung im Arabischen Meer haben oder auch aus der Antarktis stammen", erläutert Dr. Niko Lahajnar von der Universität Hamburg.

Natalie Harms und Dr. Niko Lahajnar von der Universität Hamburg untersuchen Wasserproben im Schiffslabor. (Bild: BGR)

Natalie Harms und Dr. Niko Lahajnar von der Universität Hamburg untersuchen Wasserproben im Schiffslabor. (Bild: BGR)

Sollten die Erzvorkommen im Lizenzgebiet eines Tages abgebaut werden, könnte bei der Förderung der Erze eine Rest-Suspension übrig bleiben. Diese würde wieder in das Meer gepumpt werden. Wie und in welcher Tiefe dies der Umwelt den geringsten Schaden zufügt, wollen die Forscher mit ihren Daten herausfinden. "Fünfzig Prozent Umweltarbeiten sind vorgeschrieben, nicht nur für das Lizenzgebiet, sondern auch im weiteren Umfeld", betont Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera. Hierfür beauftragte die BGR gleich mehrere wissenschaftliche Institutionen und Spezialisten, die mit an Bord sind. Dazu gehören das Deutsche Zentrum für marine Biodiversitätsforschung Wilhelmshaven, das GEOMAR - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie die Universität Hamburg, HafenCity Universität Hamburg, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Universität Bremen sowie Vertreter der Internationalen Meeresbodenbehörde.

Das Schiff zeigt sich für unsere Arbeiten sehr gut präpariert und wir wurden sehr freundlich und entgegenkommend aufgenommen. Nach einer kurzen
Eingewöhnungsphase sind mittlerweile alle Teilnehmer wohlauf und sehen der weiteren Ausfahrt im Lizenzgebiet mit Spannung entgegen.

Viele Grüße von der Sonne,

Bettina Landsmann, BGR-Geologin
Ulrich Schwarz-Schampera, Fahrtleiter


Das neue Forschungsschiff SONNE trat seinen Dienst im Frühjahr 2014 an. (Bild: M. Hartig/Meyer Werft)Im Rahmen der Ausfahrt SO259 begibt sich ein Forschungsteam mit Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera (Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) in das deutsche Lizenzgebiet im Indischen Ozean. Dort wollen sie Metallsulfidvorkommen an Schwarzen Rauchern aufspüren.

Im Logbuch für planeterde berichtet das Team direkt von Bord der SONNE.

Eine Kooperation mit der BGR.