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LOGBUCH FS SONNE #7: Mit schwerem Gerät

erstellt von eschick zuletzt verändert: 12.12.2013 13:05

Mehrfach war der millionenteure Tauchroboter ROV Kiel 6000 während der Index2013-Expedition im Einsatz. Jetzt muss eine Wartungspause eingelegt werden, die man dazu nutzt, um mit einem TV-Greifer größere Mengen an Bodenproben zu gewinnen. Holger Kroker über den Einsatz des wenig filigranen Instruments.

Triefend und schwer beladen wird der TV-Greifer an Bord gehievt. (Bild: Holger Kroker)Heute bleibt das ROV an Deck. Nach fünf Tauchgängen muss ein Wartungstag eingelegt werden, um nachzusehen, ob sich Leckagen gebildet haben. Bei der letzten Tauchfahrt ist überdies die HD-Kamera ausgefallen - sie ist für die Funktionstüchtigkeit von Kiel-6000 zwar nicht notwendig, für seinen großen Erfolg bei Wissenschaftlern und Publikum dafür umso mehr. Da trifft es sich gut, dass die See ohnehin etwas rau für den Einsatz des millionenteuren Fahrzeugs ist. Südlich von uns ist ein Zyklon durchgezogen. Von dem Sturm haben wir zwar nichts mitbekommen, doch seine Ausläufer in Form von meterhoher Dünung treffen uns jetzt.

Das ist die Gelegenheit schwereres Gerät einzusetzen. Nach einer Wasserprobennahme mit dem Kranzwasserschöpfer wird der TV-Greifer klargemacht. Das ist eine mannshohe Baggerschaufel, die zwecks Beobachtung mit Kameras und diversen Sensoren ausgerüstet ist. Sie soll am Nordrand des Edmond-Feldes Bodenproben nehmen, und zwar nicht in so kleinen Mengen wie das ROV mit seinen Bohrkernstechern, sondern eine schöne Baggerschaufel voll.

Vorsichtig sichert Bootsmann Torsten Bierstedt den TV-Greifer auf dem Arbeitsdeck. (Bild: Kroker)Das Problem: Vom Schiff an der Wasseroberfläche aus kann man zwar sehen, was der TV-Greifer ansteuert, dirigieren kann man ihn aber nicht. "Das Ziel mag unbeweglich am Boden sein, aber das Gerät und das Schiff sind es leider nicht", meint Harold Gibson. Weil die Schaufel einfach an einem Kabel vom Schiff herabhängt und greift, was sich gerade anbietet, ist die Arbeit mit dem Greifer ein gutes Stück Glücksspiel.

Das Glück spielt an diesem Tag relativ brav mit. Erst sieht es so aus, als ob der TV-Greifer  nicht mehr als Sediment zu fassen bekommt. In eine Staubwolke gehüllt trifft er zum ersten Mal auf den Meeresboden. Im Geolab zeigt sich Enttäuschung auf den Gesichtern der Wissenschaftler, man hat mit einer großen Menge Gesteinsproben gerechnet. Doch das war nur der erste Versuch. Als sich das Wasser wieder geklärt hat, ist auf dem Bildschirm ein Turm zu sehen, ein erloschener Schwarzer Raucher. Dahin würden die Menschen an Bord der "Sonne" den Greifer gern lotsen, doch sie sind rund 3300 Meter vom Ort des Geschehens entfernt. Hier zeigt sich der Nachteil gegenüber dem ROV: Das hätte jetzt elegant Kurs auf den Schwarzen Raucher genommen und ihn beprobt. Der TV-Greifer pendelt dagegen hilflos an dem Turm vorbei, titscht an der Leine auf und ab wie ein Jojo, so stark ist der Seegang an der Oberfläche.

Terue Kihara, Senckenberg-Institut am Meer, und Ralf Freitag, BGR, sichern die Proben aus dem TV-Greifer. (Bild: Kroker)Schließlich aber findet sich doch noch ein lohnendes Ziel: Große dunkle Blöcke zeigen sich auf einmal im hellen Sediment. Da hinein läßt die "Sonne" ihre Baggerschaufel fallen und zieht sie langsam in die Höhe. Eine gute Stunde braucht es, um die Schaufel an Bord zu hieven. Rostbraunes Wasser-Schlammgemisch strömt aus den Löchern des Greifers, als er auf das Arbeitsdeck des Forschungsschiffes gehoben wird. Schon der erste Blick in die Schaufel zeigt, dass sich der Einsatz gelohnt hat. Ein riesiges Gesteinsstück ist zu erkennen und zahlreiche kleinere Fragmente, dazu Unmengen an rotbraunem Schlamm. Die beiden Biologen Terue Kihara und Klaas Gerdes warten auf ihn und haben dafür jedes nur erdenkliche Gefäß organisiert. In Eimern und Schüsseln wird der Schlamm ans Schiffsheck getragen und dort auf der Suche nach Lebewesen durchgesiebt. Den Brocken nimmt sich Ralf Freitag vor und zerlegt ihn mit einem Hammer in handlichere Teile.

Ralf Freitag, BGR, rückt dem großen Brocken mit dem Hammer zu Leibe. (Bild: Kroker)Ein zweites Mal wird der TV-Greifer hinuntergeschickt und kommt mit einer weiteren Schaufel voll zurück. Diesmal ist das Ergebnis nicht ganz so beeindruckend: Mehrere mittelgroße Stücke und ebenfalls viel Schlamm ergießen sich auf das Arbeitsdeck, als sich die Baggerschaufel öffnet. Die vorläufige Untersuchung ergibt, dass beide Proben sehr unterschiedlich sind. Der dicke Brocken hat einen hohen Kupfergehalt, während bei den Stücken aus der zweiten Probennahme Pyrit hervorsticht. Dass sich beides als Trümmer so lange in Anwesenheit von sauerstoffreichem Ozeanwasser halten konnte, ohne zu oxidieren, liegt nach Angaben von Uli Schwarz-Schampera an der Anwesenheit von Siliziumdioxid, das die Forscher an den Proben nachweisen konnten.

Siliziumdioxid puffert die Oxidation stark ab, so dass die Erze intakt bleiben. Und es deutet darauf hin, dass das Edmond-Hydrothermalfeld Zyklen von an- und abschwellender Aktivität erlebt hat und damit eigentlich genau dem entspricht, was sich die Geoforscher der BGR vorgestellt haben.

 


FS Sonne. (Foto: B. Grundmann, GEOMAR)

planeterde-Autor Holger Kroker ist mit dem Forschungsschiff SONNE in See gestochen. Gemeinsam mit Geowissenschaftlern der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe befindet er sich auf einer Expedition in den Indischen Ozean, um das Auftreten metallreicher Ablagerungen entlang ozeanischer Spreizungszonen zu untersuchen. Für planeterde berichtet Kroker im LOGBUCH FS SONNE über seine Zeit an Bord. Zu einem weiteren Fahrt-Tagebuch, betrieben von der BGR, geht es hier.