Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite News Bedrohung aus dem All?

Bedrohung aus dem All?

erstellt von kirsi zuletzt verändert: 23.08.2007 14:16

Am 6. Mai 2000 schreckten lautes Getöse und eine Feuerspur am Himmel die Menschen im tschechischen Morávka nahe der polnischen Grenze auf: Eine Szene wie aus dem Hollywoodspektakel "Deep Impact". Ein Meteorit raste auf die Erde zu.

Wissenschaftler schätzten später, dass der etwa 200 Kilo schwere Brocken eine Geschwindigkeit von 22,5 Kilometern pro Sekunde hatte. Zum Vergleich: Gewehrkugeln legen etwa 0,8 Kilometer pro Sekunde zurück. Allerdings zerbrach der Meteorit noch über dem Erdboden in viele Teile. An vier Stellen fand man insgesamt 870 Gramm des außerirdischen Gesteins - die restlichen 199 Kilo waren vermutlich verdampft. Der Morávka-Meteorit stammte wie 95% aller so genannten "Near Earth Objects" (NEOs) aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. NEOs sind Objekte, die auf ihrer Bahn um die Sonne die Bahn der Erde kreuzen, ihr also relativ nahe kommen können.

Schau mal wer da kommt Astronomische Netzwerke registrieren die Bahnen und Größen der NEOs. Die Datenbank NeoDys enthält zurzeit über 2.600 Asteroide mit Bahnen, die sie im astronomischen Sinn nahe an die Erde heranführen. Doch nur 569 Objekte größer als 150 Meter Durchmesser kommen näher als 7,5 Millionen Kilometer (etwa 20 Mal die Entfernung Erde - Mond) und werden daher von der NASA als potentielle Gefahr eingestuft. Je größer ein NEO ist, umso wahrscheinlicher ist er astronomisch erfasst. Man vermutet, dass alle potenziellen Projektile mit einem Durchmesser von mehr als vier Kilometern bekannt sind. Von den NEOs mit mindestens einem Kilometer Durchmesser kennt man 500, vermutlich die Hälfte aller vorhandenen.

Je größer, je schlimmer Die Folgen eines Einschlags für Mensch und Natur - sowohl kurz- als auch langfristig - hängen ganz davon ab, wo ein Einschlag erfolgt und wie groß der Meteorit ist. Wäre der so genannte Tunguska-Meteorit 1908 nicht über der menschenleeren Weite Sibiriens explodiert sondern z.B. über Berlin, hätte er die Geschichte verändert. In Sekunden hätte er weite Teile der Hauptstadt des deutschen Kaiserreiches in Schutt und Asche gelegt. Dabei war der Tunguska-Meteorit mit circa 50 Metern Durchmesser ein kleines Objekt. Schlägt ein vergleichbarer Meteorit in einen Ozean ein, so kann er gewaltige Flutwellen auslösen, die ähnlich den durch Seebeben entstandenen Riesenwellen, den Tsunamis, für weite Küstenstriche verheerende Folgen haben können. Meteorite mit über einem Kilometer Durchmesser lösen weltweite Katastrophen aus. Staub und Asche steigen in die Atmosphäre und tauchen die Erde auf Jahre in Dunkelheit und Kälte. Werden dabei große Mengen Schwefel freigesetzt, kann es zu ätzendem, sauren Regen führen. Der Einschlags-Schock kann Vulkanausbrüche auslösen.

Alles schon mal dagewesen In der Geschichte unserer Erde finden sich Spuren solcher Katastrophen. Mindestens zwei der großen Massensterben, bei denen ein Großteil der damals lebenden Arten von der Erde verschwand, wurden sehr wahrscheinlich durch Meteoriteneinschläge ausgelöst. Am 22. Januar flog übrigens der Asteroid 2004 BV18 in nur fünffacher Mondentfernung an der Erde vorbei. Gefahr bedeutete er trotz der Nähe nicht, denn seine Bahn führt ihn auch in Zukunft nicht auf Kollisionskurs. Der einzige Einschlagskandidat in den verschiedenen NEO-Datenbanken ist 1950 DA. Nach heutigem Wissen besteht eine Chance von 1:300, dass dieser 1.100 Meter große Asteroid am 16. März 2880 auf der Erde einschlägt. Aber bis dahin kennen wir seine Bahn so genau, dass wir notfalls auch Gegenmaßnahmen treffen könnten. Zum Glück sieht es daher so aus, als ob die Hits weiterhin nur aus Hollywood kommen: weitere Filme à la Deep Impact werden sicherlich folgen.

Informationen über Meteorite: http://www.net-lexikon.de/Meteorit.html

Auf dieser Seite der NASA, kann man sich die Umlaufbahnen aller 569 potentiell gefährlichen NEOs anschauen: http://neo.jpl.nasa.gov/orbits/

Quelle: Prof. Elmar K. Jessberger, Institut für Planetologie, Münster

Text: Kirsten Achenbach DFG-Forschungszentrum Ozeanränder