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25 Jahre Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:21

Am 15. Juli 2005 feiert das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung an seinem Hauptsitz in Bremerhaven sein 25-jähriges Bestehen.

Das Institut forscht seit 1980 in der Antarktis, der Arktis, der Nordsee und anderen Meeren der gemäßigten Breiten Das Spektrum der Forschungsaktivitäten des Instituts reicht heute von der Plattentektonik über Nahrungsnetze bis hin zu den Ursachen und Folgen klimatischer Veränderungen. Rund 800 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an vier Standorten in Deutschland, auf sechs Forschungsschiffen und fünf Polarstationen in der Antarktis und Arktis gehen heute ihren Forschungsaufgaben nach. Das wichtigste Instrument der Polarforschung ist der weltweit immer noch leistungsfähigste Forschungseisbrecher Polarstern. Er hat inzwischen über eine Million Seemeilen zurückgelegt und wurde dabei von rund 7000 Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland genutzt.


(c) H. Grobe, Alfred-Wegener-Institut
Der Forschungseisbrecher Polarstern ist unentbehrlich für die Forschung und die Versorgung der Polarstationen

System Erde verstehen

Im Mittelpunkt der Forschung steht die Bedeutung der Polargebiete für das weltweite Klima. Unser Ziel ist es zu verstehen, wie das System Erde funktioniert, wie Atmosphäre, Biosphäre, das Meer und die polaren Regionen zusammenwirken", begründet Professor Jörn Thiede, seit 1997 Direktor des Alfred-Wegener-Instituts und seit 2002 amtierender Präsident der internationalen Wissenschaftsorganisation SCAR (Scientific Committee on Antarctic Research), Sinn und Ziel polarer Klimaforschung. Ganz nach dem Vorbild des Namensgebers des Instituts, dem Meteorologen, Polarforscher und Begründer der Theorie der Kontinentalverschiebung Alfred Wegener, arbeiten alle naturwissenschaftlichen Fachdisziplinen gemeinsam an der umfangreichen Aufgabe.

Klimaarchive entziffern

Mit Erfolg: Unter Führung des Alfred-Wegener-Instituts wurde im Rahmen des EPICA Projekts aus über 3200 Metern Tiefe ein Eiskern erbohrt, der unsere Kenntnis der Geschichte der antarktischen Klimaentwicklung auf fast 800.000 Jahre verdoppelt. Die Analyse der in winzigen Bläschen im Eis eingeschlossenen Atmosphäre zeigt, dass die heutige Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre den höchsten Wert der letzten 500.000 Jahre erreicht hat. Vergleichbare Analysen führt das Alfred-Wegener-Institut in internationaler Zusammenarbeit im grönländischen Eisschild oder in den Permafrostböden der sibirischen Tundra durch und weist damit auch global eine ähnliche Entwicklung nach. Neben den historischen Daten sammeln die Wissenschaftler aktuelle Klimadaten und nutzen dabei neben der Polarstern auch die institutseigenen Polarflugzeuge und modernste Technik. Diese Messungen und die historischen Daten sind Grundlage für Computermodellierungen, mit deren Hilfe komplexe Zusammenhänge besser verstanden und Klimaprognosen optimiert werden.Die Biologen des Instituts interessieren die Auswirkungen veränderter Temperatur und erhöhter UV-Einstrahlung auf marine Lebensgemeinschaften.


(c) AWI Archiv
Koldewey Station

Europäische Polarforschung ausbauen

Auf viele Fragen fehlen allerdings noch die Antworten. Ein weiterer Ausbau der Forschungskapazität ist notwendig, um hier die Wissenslücken zu schließen. Mit dem für September 2005 vorgesehenen Start des europäischen Forschungssatelliten "CryoSat" soll eine kontinuierliche Überwachung der polaren Eisschilde ermöglicht werden. In der Antarktis werden die Arbeiten ab 2008 in der neuen Forschungsstation "Neumayer III" fortgeführt, die anders als ihre Vorgängerinnen durch ein System hydraulischer Stelzen dauerhaft auf der Schneeoberfläche gehalten wird. Ein Teil dieser Vorhaben gehört zu den Vorbereitungen für das Internationale Polarjahr 2007/2008. Durch Bündelung der Forschungskapazitäten vieler Länder und Institute sollen Großprojekte in den Polargebieten möglich werden, zu deren Gelingen das Alfred-Wegener-Institut mit seinen logistischen Ressourcen und seiner wissenschaftlichen Erfahrung einen wichtigen Beitrag liefern wird.