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Datenbank für südamerikanische Fischer

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:21

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts sammeln Informationen über das küstennahe Ökosystem vor Südamerika, um Prognosen über die Verfügbarkeit mariner Ressourcen sicherer zu machen. Daraus entwickeln sie Handlungsvorschläge für Politiker und Fischereigenossenschaften. So sollen die hat meist katastrophalen Auswirkungen des dort periodisch auftretenden El Niño-Phänomens auf Fischerei und Wirtschaft gemildert werden. Dieses vom Alfred-Wegener-Institut koordinierte Projekt CENSOR wird von der Europäischen Union gefördert. Rund ein Jahr nach Beginn umfasst die Datenbank bereits 1000 Datensätze.

CENSOR

CENSOR ist die englische Abkürzung für "Klimavariabilität und El Niño-Oszillation der Südhalbkugel: Auswirkungen auf natürliche Küstenressourcen und Management". Eines der Hauptziele des Projektes ist die Zugänglichkeit von wissenschaftlichen Daten für Forscher und andere Nutzergruppen zu verbessern. "Die so genannte graue Literatur ist eine der wichtigsten Quellen naturwissenschaftlichen Wissens und eine nicht zu vernachlässigende Grundlage für Management-Strategien in Ländern der dritten Welt", erklärt Dr. Jürgen Laudien vom Alfred-Wegener-Institut. "Dazu zählen Semester- und Diplomarbeiten, Notizbücher und andere nicht veröffentlichte Texte aus universitärem Umfeld, die oft wichtige Daten beinhalten." CENSOR sammelt diese Daten, sichtet sie und bringt sie in ein einheitliches Format. Sie werden dann im Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften (WDC-MARE) archiviert und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der älteste Datensatz stammt aus dem Jahr 1953.

Gigantische Datenmengen

Das Weltdatenzentrum für marine Umweltwissenschaften ist ein virtuelles Institut und wird vom Alfred-Wegener-Institut und dem Zentrum für marine Umweltwissenschaften betrieben. Es steht Wissenschaftlern für Datenerfassung, -veröffentlichung und -zugriff zur Verfügung. Technisch werden die Daten im Informationssystem PANGAEA (Publishing Network for Geoscientific & Environmental Data) wie in einer elektronischen Bibliothek gespeichert. Das System kann im Internet eingesehen werden und ist eines der weltweit umfassendsten Archive dieser Art. Mit zurzeit einigen Tausend Zugriffen pro Tag wird es intensiv in der Meeresforschung genutzt und ist eine wichtige Quelle für die Betrachtung und Interpretation von Zusammenhängen. Dies ist für das Verständnis der komplizierten Prozesse, die sich während und nach El Nino abspielen von Bedeutung.


(c) Prof. Wolf Arntz, AWI

El Niño

Das Projekt soll genutzt werden, um Fischer an der südamerikanischen Pazifikküste frühzeitig vor den negativen Auswirkungen des El Niño zu warnen und positive Effekte besser zu nutzen. El Niño ist weltweit die stärkste, immer wiederkehrende natürliche Klimaschwankung, die zwischen einer Warmphase und einer Kaltphase wechselt. Die warme Phase (El Niño) tritt über eine Periode von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren auf und beeinflusst die Wettersituation im gesamten Pazifikraum und darüber hinaus. Das Hochdruckgebiet vor der südamerikanischen Küste ändert sich in ein Tief und bringt Regen in die sonst trockenen Wüstengebiete. Die Passatwinde werden schwächer, der im Westpazifik angestaute Wasserberg schwappt zurück, die Strömungssysteme kehren sich um, und warme Wassermassen erreichen die südamerikanische Küste. Das marine Kaltwasser-Ökosystem Humboldtstrom - eines der produktivsten Systeme weltweit - wird durch diese Veränderungen stark getroffen: planktische Algen sterben ab, Fische finden keine Nahrung, die Seevögel und Robben keine Fische mehr. Der Zusammenbruch des Nahrungsnetzes in El Niño-Zeiten führt zu einem deutlichen Rückgang der Nutzfischbestände und schließlich zum Zusammenbruch der Fischerei.


(c) Prof. Wolf Arntz, AWI

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Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts, Bremerhaven, Dezember 2005