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Eiskalte Ozonkiller: Bremer Umweltphysiker loesen Raetsel um Brom-Explosionen in Arktis und Antarktis

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:23

Die Entdeckung der Ozonzerstoerung in der unteren Atmosphaere ueberraschte Ende der 80er Jahre die Wissenschaft. Die Verursacher konnten in den freien Brom-Radikalen festgemacht werden, nur - deren Quelle blieb bis heute raetselhaft. Den Umweltphysikern von der Universitaet Bremen ist es nun erstmals gelungen, die Quelle des Broms zu identifizieren.

Die Entdeckung der Ozonzerstoerung in der unteren Atmosphaere - Troposphaere - ueberraschte zum Ende der 80er Jahre die Wissenschaft. Nur einige Jahre zuvor hatte die Entdeckung der Ozonzerstoerung in den oberen Atmosphaerenschichten - Stratosphaere - den Einfluss des Menschen deutlich gemacht. Die Verursacher fuer den stratosphaerischen Ozonabbau, die industriell produzierten FCKWs, wurden schnell identifiziert. Dagegen konnten die Verursacher fuer die unteren Schichten, die troposphaerische Ozonzerstoerung, in den freien Brom-Radikale festgemacht werden, nur - deren Quelle blieb bis heute raetselhaft.

Den Umweltphysikern vom Institut fuer Umweltphysik der Universitaet Bremen ist es nun erstmals gelungen, die Quelle des Broms mittels Satellitendaten und Modellanalysen zu identifizieren.


(c) Foto: Pilzverein Augsburg-Königsbrunn

Brom ist im Meersalz zu einem geringen Anteil vorhanden. In den Polargebieten gefriert das Meerwasser zu Meereis. Dabei entsteht eine konzentrierte Salzlake an der Eisoberflaeche. Auf dieser Oberflaeche wachsen Eiskristalle - sogenannte "Frost Flowers" - von etwa 2 cm Groesse, welche das Salz und damit auch das Brom aufsaugen. Durch eine photochemische Kettenreaktion wird das Brom aus den Eiskristallen herausgeloest und zerstoert dabei das bodennahe Ozon. Bei diesem Prozess entsteht Bromoxid, welches durch Satelliten-Spektrometer ueber dem Meereis nachgewiesen wurde.

Die Studie zeigt die grosse Bedeutung des Meereises fuer das Klimasystem der Erde aus voellig neuer Perspektive. Bisher standen die physikalischen Eigenschaften des Meereises fuer das Klimasystem im Vordergrund der internationalen Forschung. Nun wird das Interesse auf ein sehr junges Forschungsgebiet gelenkt, der physikalisch-chemischen Wechselwirkung zwischen dem Meereis, dem Ozean und der Atmosphaere. In diesem interdisziplinaeren Forschungsgebiet bietet das Bremer Institut fuer Umweltphysik die besten Arbeitsbedingungen, da es Meereis- und Atmosphaerenforschung unter einem Dach vereinigt.

Pressemitteilung der Universitaet Bremen, 27.09.2004