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Eiskern-Tiefbohrung in der Antarktis erfolgreich beendet

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:25

Ein internationales Team von Wissenschaftlern und Technikern hat am 17. Januar 2006 unter Federführung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung die Eiskern-Tiefbohrung an der Kohnen-Station des Alfred-Wegener-Instituts in Dronning Maud Land/Antarktis in einer Tiefe von 2774 Metern erfolgreich abgeschlossen. Erste Untersuchungen des Eiskerns vor Ort lassen vermuten, dass in den untersten 200 Metern sehr altes Eis erbohrt werden konnte.




Das 26-köpfige Team aus Technikern und Wissenschaftlern nach Beendigung der Bohrarbeiten. Am Bohrturm in der Mitte des Bildes hängt eine völlig vereiste Bohrlochsonde, mit der unter anderem der Temperaturverlauf im Bohrloch vermessen wurde.
© Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven


Klimadaten aus den letzten 900.000 Jahren Die Arbeiten erfolgten im Rahmen des EPICA­Programms (European Program for Ice Coring in Antarctica) und hatten das Ziel, detaillierte Informationen über das Klima der Vergangenheit zu erhalten. Von den Daten erwarten die Wissenschaftler entscheidende Verbesserungen zum Verständnis des globalen Klimageschehens. Nach der detaillierten Auswertung in den heimischen Laboren werden zeitlich sehr hoch aufgelöste Klimadaten aus den oberen 2400 Metern der Bohrung, die den letzten Eiszeitzyklus umfassen, vorliegen. Die gewonnenen Bohrkerne aus größeren Tiefen sind vermutlich bis zu 900.000 Jahre alt. Diese Einblicke in die ferne Klimageschichte der Antarktis ermöglichen ein tieferes Verständnis der Bedeutung der Polarregionen für das globale Klimageschehen damals und auch heute.


Blick in die Halle aus Schnee und Eis in der die Bohrarbeiten ablaufen. Rechts im Vordergrund ist ein Kernrohr zu sehen, in dessen Innerem die einzelnen Eiskerne nach oben kommen.
© Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven


Fünf Jahre Tiefbohrung in der Antarktis Eiskern-Tiefbohrprojekte sind langfristig angelegte Forschungsprogramme. Die Arbeiten für EPICA im Dronning Maud Land begannen 1996 mit einer Vorerkundungsphase zur Bestimmung eines geeigneten Bohrpunktes. Sie umfassten umfangreiche geophysikalische und eiskundliche Untersuchungen aus der Luft und am Boden in einem bislang unerforschten Gebiet der Antarktis. Nach der Bestimmung des Bohrpunktes wurde 1999 mit dem Bau der Sommerstation Kohnen bei 75°Süd und 0° 4¹ Ost in einer Meereshöhe von 2900 Metern begonnen. Bereits bei Fertigstellung der Station 2001 wurde mit der Einrichtung der Bohrstelle begonnen. Nach Beginn der Tiefbohrung 2001/2002 wurde in vier Bohrsaisons die Bohrung abgeteuft. Über die gesamte Tiefe konnten Eiskerne mit hervorragender Qualität gewonnen werden.

Extreme Belastung für Mensch und Gerät Feldarbeiten in der Antarktis bieten nicht nur in wissenschaftlicher Hinsicht große Herausforderungen. Die Arbeitsbedingungen für die Menschen und das technische Gerät sind extrem: An der Kohnen-Station herrschen während der Sommermonate Dezember und Januar Temperaturen zwischen minus 35°C und minus 20°C vor, zu Beginn der jetzigen Feldsaison im November 2005 wurden Temperaturen unter minus 50°C gemessen.

Internationale Kooperation Im EPICA-Projekt arbeitet ein Konsortium von Forschergruppen aus zehn europäischen Ländern (Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden, Schweiz) zusammen. EPICA wird über die European Science Foundation (ESF) koordiniert und aus nationalen Beiträgen und Fördermitteln der EU finanziert. Gegenwärtig liegt die Federführung bei Professor Heinrich Miller vom Alfred-Wegener-Institut. Bereits im Dezember 2004 wurde die erste Tiefbohrung des Projekts an der Station Dome Concordia auf dem Inlandeisplateau der Ostantarktis fünf Meter oberhalb des Felsuntergrunds in einer Tiefe von 3270 Metern beendet. Somit stehen nach Auswertung der Bohrung an der Kohnen-Station zwei Datensätze zum Vergleich zur Verfügung, was eine deutlich bessere Interpretation der Messwerte ermöglicht.


Pressemitteilung
Alfred-Wegener-Institut, Bremerhaven
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Andreas Wohltmann, 20.01.2006