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Elbe-Hochwasser - verschiedene Jahrhunderte auf einen Mausklick

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:25

Die Nutzungen von Siedlungs- und Verkehrsflaechen sowie Land- und Forstwirtschaftsflaechen veraendern sich an vielen Orten gleichzeitig und ueber lange Zeitraeume. Sie werden jedoch gerade dadurch selten in ihrer Tragweite wahrgenommen. Das Leibniz-Institut fuer oekologische Raumentwicklung (IOeR) beobachtet mittels Langzeitanalysen unter Einbeziehung von Satelliten- und Luftbilddaten sowie historischen Kartenwerken diese Prozesse.

Bei der Frage, wie Hochwasserereignisse entstehen, faellt der Blick zwangslaeufig auf die Siedlungs- und Landnutzungsstruktur. Die Wirkungen von Einzelhandlungen - wie z. B. die Bebauung von potenziellen Ueberschwemmungsgebieten - muessen fuer sich betrachtet nicht unbedingt "umwelterheblich" oder "raumbedeutsam" sein. Bei einer Ueberflutung fehlen diese Flaechen jedoch als natuerliche Stauraeume bei einem gleichzeitigen Anstieg der Schadenspotenziale.


(c) Leibniz-Institut für Ökologische Raumentwicklung e.V.

Das Fruehjahrshochwasser von 1845 ueberflutete innerhalb des heutigen Dresdner Stadtgebiets 3093 ha (nach IOeR-Berechnung). Der damalige Pegelhoechststand an der Augustusbruecke wurde am 31.03.1845 mit 8,77 m erreicht. Am 17.08.2002 lag der Pegelhoechststand an der Augustusbruecke mit 9,40 m um 63 cm hoeher. Die Durchflussmenge als entscheidender Parameter eines Hochwasserereignisses lag jedoch 1845 signifikant hoeher (um ca. 570 m3 / s) als 2002 (4680 m3 / s). So wurde im Jahr 2002 auf Grund der Aufschuettungen, die im Zuge der Stadtentwicklung und -bebauung, des Elbausbaus im 19. Jh. sowie der Ablagerung von Truemmerschutt nach dem zweiten Weltkrieg entstanden waren, rund 20 % weniger Flaeche im Stadtgebiet ueberflutet - 2481 ha (ebenfalls nach IOeR-Berechnung). Dennoch war der Schaden im Jahr 2002 wesentlich hoeher. Wo liegen die Ursachen?

Innerhalb des jeweiligen Ueberschwemmungsgebiets betrug 1845 der Anteil der ueberschwemmten Siedlungsflaeche 10,5 %, der Freiflaeche jedoch 89,5 %. Zwar wurde eine groessere Flaeche ueberflutet, jedoch blieb der Schaden an Gebaeuden und Infrastruktur im Verhaeltnis gering. 107 Jahre spaeter sah die Situation bei dem Sommerhochwasser der Elbe im Jahr 2002 vollkommen anders aus. Der Anteil der ueberfluteten Siedlungsflaeche im Verhaeltnis zu der Gesamtueberflutungsflaeche war durch Bebauung der Ueberschwemmungsflaechen und Veraenderungen der Gewaesserstrukturen auf 50,1 % gestiegen. Entsprechend groesser war auch das Schadenspotenzial (Grafik im IDW-Ticker abrufbar). Als eine Konsequenz bestimmte die Landeshauptstadt Dresden mit Unterstuetzung des IOeR innerhalb weniger Monate neue Ueberschwemmungsgebiete. Diese wurden rechtlich verbindlich im Januar 2003 ausgewiesen, mit dem Ziel eine weitere Bebauung der Elbtalauen zu verhindern.


(c) Institut für Ökologische Raumentwicklung e.V.

Kumulative Umweltwirkungen, also die Anhaeufung meist schleichender negativer Umweltveraenderungen durch Flaechennutzungsaenderungen bilden einen Forschungsschwerpunkt des IOeR. Dabei werden vorrangig ihre Auswirkungen auf das Schutzgut Boden und die Landschaftsstruktur fuer die Siedlungs-, Verkehrs- und Umweltentwicklung bei besonderer Betrachtung staedtischer Raeume auch im europaeischen Vergleich untersucht.

Die Diagnose - insbesondere von Fehlentwicklungen in der Vergangenheit - ermoeglicht Schlussfolgerungen im Sinne einer nachhaltigen Raumentwicklung fuer die Zukunft. Die Karten informieren anschaulich die breite Oeffentlichkeit und unterstuetzen Planungs- und Entscheidungstraeger bspw. bei der Siedlungs-, Verkehrs- und Umweltplanung.

Pressemitteilung des Leibniz-Instituts fuer oekologische Raumentwicklung e. V., 17.08.2004