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Innovative Bohranlage für Forschungsbohrungen und industrielle Anwendungen

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:27

Das GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) entwickelt - finanziert über die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren - zusammen mit dem Unternehmen Herrenknecht ein völlig neues Bohranlagenkonzept für wissenschaftliche Tiefbohrungen. Die modular aufgebaute Bohranlage soll mobil sein, den unterschiedlichsten Anforderungen bei Forschungsbohrungen und industriellen Anwendungen genügen, kostengünstiger als herkömmliche Anlagen arbeiten und gleichzeitig hohe Sicherheits- und Umweltstandards erfüllen. An der Gesamtentwicklung beteiligt sich auch das Bundesumweltministerium im Rahmen des Energieforschungsprogramms der Bundesregierung, wobei der Förderschwerpunkt hier vor allem auf der Gewährleistung einer späteren umweltverträglichen Betriebsführung liegt. Zur Realisierung der Anlage haben die Herrenknecht Vertical GmbH und die H. Anger's Söhne Bohr- und Brunnenbaugesellschaft mbH ein "Joint Venture" mit dem Namen GeoForschungsBohrGesellschaft mbH (GFBG) gegründet. In Zusammenarbeit mit der GFBG soll danach ab Dezember 2005 nach Vorgaben des GFZ Potsdam ein Bohranlagenkonzept entwickelt werden, das die Anforderungen für wissenschaftliche Bohrungen, insbesondere auch Geothermiebohrungen erfüllen kann. Nach Abschluss der FuE-Phase soll ab April 2006 die Anlage gebaut und Ende 2006 geliefert werden. Der langfristige Betrieb der Anlage - für mindestens 15 Jahre - soll dann ab 2007 durch die GFBG erfolgen. "Das GFZ Potsdam bekommt damit von der GFBG alle Leistungen aus einer Hand," erläutert Professor Rolf Emmermann, Vorstandsvorsitzender des GeoForschungsZentrums diese Konstruktion. "Die GFBG bedient sich bei Entwicklung, Bau und Lieferung sowie späterer Wartung und Instandhaltung des Know How der Herrenknecht Vertical GmbH, einer Tochter der Herrenknecht AG. Die H. Anger's Söhne Bohr- und Brunnenbaugesellschaft mbH wird die Tiefbohranlage im Auftrag der GFBG betreiben."

Weltneuheit im Bohrbetrieb
Das GFZ Potsdam verfügt über langjährige Erfahrungen in der Durchführung wissenschaftlicher Bohrungen, Professor Emmermann koordiniert das global operierende International Continental Scientific Drilling Program ICDP. Die im GFZ Potsdam gesammelten Erfahrungen mit Forschungsbohrungen weltweit haben gezeigt, dass es auf dem Markt keine Bohranlagen gibt, die über alle technischen Ausrüstungen verfügen, um die unterschiedlichen Anforderungen geowissenschaftlicher und geotechnischer Projekte zu erfüllen. Häufig sind die verwendeten Bohranlagen modifizierte Geräte aus der konventionellen Bohrindustrie Die jetzt geplante Anlage soll ermöglichen, geowissenschaftliche und geotechnische Projekte, die den Einsatz von Bohrungen bis zu 5000 Metern erfordern, kostengünstig zu realisieren. Die bohrtechnische Anlagenkonzeption wird dabei insbesondere durch die operationellen und wissenschaftlichen Anforderungen der am GeoForschungsZentrum bearbeiteten Programme bestimmt. Diese sind zum Beispiel die Weiterentwicklung und Anwendung neuer Bohrtechnologien für wissenschaftliche Forschungsbohrungen, die Entwicklung neuer Technologien zur Untergrundspeicherung von Kohlendioxid und zur Gewinnung geothermischer Energie.


(c) Herrenknecht Vertical

Forschungsbohrungen zum Verständnis des Systems Erde Forschungsbohrungen sind ein unverzichtbares Instrument der modernen Geowissenschaften. Sie stellen ein "Fenster" in den unmittelbaren Untergrund unseres Lebensraums dar und sind die einzige Möglichkeit, Direktinformationen über die Eigenschaften und Zustandsbedingungen der oberen Erdkruste sowie die dort ablaufenden Prozesse zu erhalten. Sie ermöglichen eine Kalibrierung der indirekten Verfahren der geophysikalischen Tiefensondierung, erlauben die Überprüfung von Hypothesen und Modellvorstellungen und lassen sich als "Tiefenlabor" zur Durchführung von geologischen Experimenten und Tests sowie als "Tiefenobservatorium" für Langzeitbeobachtungen von Vorgängen im Untergrund nutzen. Die durch Bohrungen zu gewinnenden Informationen sind essentiell für das Verständnis der im "System Erde" ablaufenden Prozesse und von hoher Anwendungsrelevanz bei der Lösung einer Reihe von drängenden sozioökonomischen Fragestellungen wie z.B. der Sicherstellung zukünftiger Wasser- und Energieversorgung, Exploration von Rohstoffen und der Nutzung des unterirdischen Raums.

Franz Ossing, 12/2005
Pressemitteilung des GeoForschungsZentrum Potsdam