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Nordthüringen - Funde aus dem Pleistozän

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:28

Auf der Steinrinne bei Bilzingsleben (Nordthüringen) haben sich Ablagerungen einer Warmzeit des mittleren Pleistozäns (Eiszeit) erhalten. Diese Schichten sind seit längerer Zeit bekannt. Hier wurden in Ausgrabungen von 1969-2002 umfangreiche Tier- und Pflanzenreste zu einer international anerkannten paläontologischen Sammlung der etwa 500.000-300.000 Jahre alten Warmzeit aufgebaut.


(c) FSU
Detail der Fundschicht mit großem, in Sanden "schwimmendem" Geröll

Die Jenaer Forscher haben bei den jüngsten Grabungen festgestellt, dass auf der Steinrinne eine 40-100 cm dicke, fundführende Schicht aus Schluffen und Sanden auftritt. Dort wurden vor allem zahlreiche kleine Travertingerölle sowie kleinste Knochen- und Feuersteinsplitter gefunden. Daneben gibt es bis zu 40 cm lange Knochen und verschiedene Gesteine bis zu 50 cm Durchmesser. Die dreidimensionale Einmessung jedes Funds zeigt, dass sowohl kleine als auch große Fundobjekte in dieser Schicht "schwimmen" - die Funde sind also nicht auf ein bestimmtes Niveau beschränkt, sondern unabhängig von ihrer Größe in allen Höhenlagen chaotisch verteilt. Gleichzeitig zeigen die einzelnen Funde jedoch eine typische Einregelung ihrer Längsachsen. Das lässt auf die Richtung schließen, in die die Funde geschüttet wurden.

Die wenigen, 2003 durch Untersuchungen mit Laser- Rasterelektronenmikroskopie nachgewiesenen Knochen mit Schnittspuren belegen aber auch, dass der Mensch Hand an einige dieser Knochen legte. Dass in eiszeitlichen Schichten mit zahlreichen Tierknochen auch Menschenknochen vorkommen, ist nicht außergewöhnlich, wie zahlreiche andere Fundorte belegen. Wahrscheinlich waren auch Menschenknochen natürlicher Bestandteil von eiszeitlichen Landoberflächen.


(c) FSU
Fachstudenten bei der aktuellen Ausgrabung in fundführenden Schichten von Bilzingsleben

Auch unter den 2004 ausgegrabenen und im Frühjahr 2005 restaurierten Knochen befinden sich menschliche Knochen. Von den Wissenschaftlern waren solche Funde fast immer erwartet worden. Sie sind zumeist außergewöhnlichen Erhaltungsbedingungen, exakterer naturwissenschaftlicher Datierung, besonderen Bergungsmitteln oder allein der Hartnäckigkeit der Forscher zu verdanken. "In der Realität findet Archäologie aber zu 90 % in einer Bibliothek oder einem Labor statt: Erst nach der Ausgrabung beginnt die spannende, detektivische Arbeit mit allen Funden und deren Kontext, die für Bilzingsleben sicher noch Jahre der Forschung in Anspruch nehmen wird."