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Montreal und die Forschung zum globalen Umweltwandel

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:29

In Montreal wurde die Fortsetzung des Kyoto-Protokolls für die Industrienationen über 2012 hinaus festgeschrieben. Die Tatsache, dass der globale Klimawandel die Ärmsten am härtesten trifft, wurde offiziell anerkannt, und ein die Industrienationen in die Pflicht nehmender Fünfjahresplan zur Anpassung an die veränderten Verhältnisse verabschiedet. IHDP's Kernforschungsprojekte zum globalen Umweltwandel (Institutions, Human Security, Industrial Transformation, Land-Use and Land-Cover Change, Urbanization and Coastal Zones) sowie seine weiteren Projekte, u.a. zum CO2-Zyklus, können wichtige Erkenntnisse zum politischen Entscheidungsprozess beitragen, und haben dies in der Vergangenheit bereits getan. IHDP ist das "International Human Dimensions Programme on Global Environmental Change Research", ein globales Forschungsprogramm mit Sitz in Bonn. Im Oktober 2005 fand in Bonn die sehr erfolgreiche internationale Open Science Conference ("The Bonn Open Meeting") des IHDP mit über 900 Teilnehmern statt.

Nur ein langsamer Fortschritt: die Fortsetzung des internationalen Klimaschutzregimes in Montreal

Die Frage des Timing und der Geschwindigkeit ist sicherlich eine der entscheidenden bei den internationalen Klimaverhandlungen. Reicht die simple Forschreibung des Kyoto-Protokolls (der generelle Beschluss der Umweltminister am 10.12. in Montreal), ergebnisoffene Gespräche über weitere Schritte zum Klimaschutz und zur Verlängerung des Kyoto- Protokolls über 2012 hinaus zu führen? Die Antwort heisst nein - das Kyoto-Protokoll verpflichtet zur Zeit nur die rund 40 Industriestaaten zu einer signifikanten CO2-Reduktion, die das Protokoll Anfang 2005 ratifiziert haben. Die USA, laut UNFCCC verantwortlich für ein Drittel aller Treibhausgasemissionen weltweit, ist nach wie vor nicht dabei. Die internationale Gemeinschaft reagiert zu langsam auf den immer schneller werdenden Klimawandel.

Unter dem Strich bleibt dennoch ein positives Gefühl, denn noch nie wurden die Klimaverhandlungen mit einem solchen Nachdruck - und entgegen der Interessen der Bush-Administration - vorangetrieben. Neben der weiteren Verpflichtung der betreffenden Regierungen gab es eine Anpassung und Verbesserung des Clean Development Mechanism, der den Entwicklungsländern zugute kommen soll. Offiziell wurde anerkant, dass der globale Klimawandel die Ärmsten dieser Welt am härtesten trifft, und ein Fünfjahresplan zur Anpassung (Adaptation) an die Verhältnisse wurde verabschiedet. Die Industrieländer haben eine ethische, politische, rechtliche und finanzielle Verantwortung zur Hilfe.

Globale Erwärmung beschleunigt sich

Um gefährliche Klimaveränderungen zu vermeiden, müssen die globalen Emissionen bis zum Jahr 2050 halbiert werden. Dies schreibt auch das Kyoto-Protokoll vor. In den vergangenen Jahren stieg die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre allerdings noch schneller an als in den 90er Jahren. Und die Auswirkungen des Klimawandels sind in den letzten Jahren sehr deutlich geworden. Dabei gilt 2005 voraussichtlich als das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 150 Jahren, mit einer noch nie dagewesenen Anhäufung von Hurrikanen der stärksten Kategorie.

Sofortiger Handlungsbedarf trotz schleppender Verhandlungen

Auch wenn offiziellen Verhandlungen mit den Entwicklungsländern nicht zugestimmt wurde, ist klar, dass schnell gehandelt werden muss. Vor allem die großen Schwellenländer China, Indien und Brasilien müssen für weitläufige Umwelt- und Technologiepartnerschaften gewonnen werden. Forschung zum globalen Umweltwandel sowie Technologieentwicklung von Energieeffizienz, erneuerbaren Energien, und Energiesparen müssen wieder ganz groß geschrieben werden. Umweltverträglicher Konsum sowie ein bescheidenerer Lebensstil ist auf lokaler und nationaler Ebene wichtig, zum einen, um das vorgegebene Ziel zu erreichen, zum anderen aber auch, um gegenüber den Schwellen- und Entwicklungsländern glaubwürdig zu werden.

Globale Umweltforschung kann entscheidend zu Verbesserungen beitragen

Das International Human Dimensions Programme on Global Environmental Change (IHDP), ein internationales Forschungsprogramm mit Sitz in Bonn, steuert durch seine Forschungsprojekte wichtige Erkenntnisse bei und sieht es als seine Aufgabe, den "Post-Kyoto"-Prozess in einer wünschenswerten Richtung hin zu mehr Nachhaltigkeit und zu weniger Emissionen zu beeinflussen. IHDP-Forschungsprojekte beschäftigen sich mit den Themen des globalen Umweltwandels, und stellen dabei die Gesellschaft bzw. die Menschen - als Verursachende, Leidtragende, aber auch als aktiv Gestaltende hin zu mehr Nachhaltigkeit - in den Mittelpunkt.

Politische Handlungsmechanismen, und wie erfolgreich sie sind

So beschäftigt sich ein IHDP-Projekt mit Institutionen und ihrer Rolle hinsichtlich des globalen Umweltwandels - inwieweit tragen sie zum Problem bei, wo haben sie bereits Verbesserungen erzielen können, und vor allem: wie müssen Institutionen verändert werden, um der globalen Problematik gewachsen zu sein? Dabei werden auch diejenigen Massnahmen unter die Lupe genommen, die das Klimaproblem angehen sollen, also das Kyoto Protokoll mit seinen internationalen Maßnahmen wie Emissionshandel (ET), Mechanismus für saubere Entwicklung (CDM) und gemeinsame Umsetzung (JI).

Immer zahlreicher werden auch die Rufe nach einer effektiveren Weltumweltorganisation, einer global agierenden Ökobank und einem gut augestatteten Weltklimafonds. Die institutionellen Herausforderungen sind in der Tat groß, schnelle Lösungen bzw. Verbesserungen der Mechanismen sind dringend erforderlich - hier kann das Forschungsprojekt zu Institutionen (IDGEC) bereits viel beitragen. Mitglieder des IDGEC-Wissenschaftsbeirates Leslie King (Kanada), Agus Sari (Indonesien) und Yatsuko Matsumoto (Japan) haben ihre Forschungsergebnisse zum Thema in Montreal vorgestellt.

Gesellschaftliche Wandlungsprozesse, und: was können wir alle, aber auch die Ärmsten, zur Verbesserung beitragen?

Auch alle anderen IHDP-Kernprojekte haben wichtiges zum Prozess beizusteuern. Das "Industrial Transformation"-Projekt (IT) beschäftigt sich mit gesellschaftlichen Wandlungsprozessen und der Möglichkeit der Steuerung dieser Prozesse hin zu mehr Nachhaltigkeit. Das "Human Security"-Projekt (GECHS) untersucht, inwieweit und in welcher Form globaler Klimawandel für einzelne Bevölkerungsgruppen zu einer konkreten Bedrohung wird, welche Rolle dabei Faktoren wie soziale Herkunft und Situation, Bildung, Geschlecht spielen, und wie die Menschen aktiv zu einer Verbesserung ihrer Situation beitragen können.

Das Projekt über Landnutzung und die Veränderung der Landoberfläche (LUCC), das seine Forschung nach 10 Jahren erfolgreich abgeschlossen hat, hat in den vergangenen Jahren bereits sehr viel Wissen über Erdoberflächen, Verwüstung, Verstädterung, Rodung, Wiederaufforstung in den politischen Prozess mit einbringen können. Die Forschungsprojekte LOICZ und UGEC konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf die Veränderungen in den Küstenregionen bzw. auf die anhaltenden Urbanisierungsprozesse unserer Erde.

CO2-Forschung von grundsätzlicher Wichtigkeit

IHDP hat darüberhinaus auch gemeinsame Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit den drei anderen Forschungsprogrammen zum globalen Umweltwandel - DIVERSITAS, das Programm zur Biodiversiät, das Weltklimaprogramm (WCRP), sowie das Internationale Geosphären- Biosphären- Programm (IGBP). Zur Zeit wird in den Bereichen Ernährungssysteme, Wasser und Kohlenstoff geforscht. Insbesondere die Forschung des "Global Carbon"-Projektes (GCP) kann im "Post- Kyoto"-Prozess der raschen Entscheidungsfindung und der Anpassung der CO2-Ziele in Bezug auf die Entwicklungsländer dienen. Erkenntnisse über weltweite und regionale Karbonzyklen sowie über Möglicheiten ihrer Kontrolle sind auch beim Emissionshandel wichtig.

Dezember 2005, Ula Löw, IHDP - International Human Dimensions Programme on Global Environmental Change