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Schlammfluten machen Inselregion unbewohnbar

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:30

Stinkender Vulkanschlamm raubt seit Mai 2006 tausenden Einwohnern der indonesischen Insel Java ihre Existenz. Jetzt zeigt eine Untersuchung: Die Region um den Vulkan herum wird noch lange unbewohnbar sein. Der Kampf gegen die braune Masse scheint aussichtslos.

Seit dem plötzlichen Ausbruch des Schlammvulkans Lusi am 29. Mai 2006 im Landkreis Sidoarjo, der im Nordostzipfel der indonesischen Insel Java liegt, wächst die Befürchtung, dass dort ein Krater entsteht. Dieser würde die Umgebung für immer unbewohnbar machen. Satellitenbilder zeigen, dass um die Öffnung des weiterhin schlammspuckenden Vulkans herum der Untergrund jeden Monat um drei Zentimeter weiter absackt. Seit letztem Sommer speit Lusi unerschöpflich über 100° Celsius heißen Matsch aus 3.000 Metern Tiefe in bis zu 15 Meter hohen Auswurfhügeln an die Oberfläche. Letztes Jahr waren es noch Mengen von 50.000 Kubikmetern, heute wird bereits die dreifache Menge gemessen. Die mit dem Schlamm austretenden Gase enthalten zwar nur wenige Schadstoffe und sind nicht giftig, besitzen jedoch einen unerträglichen Schwefelgestank, der bei den Anwohnern zu Kopfschmerzen und Ausschlag führt.

Die Ursache des Ausbruchs ist bisher nicht eindeutig geklärt. Forscher vermuten, dass einer der größten Konzerne Indonesiens, die PT Lapindo Brantas, den Ausbruch durch eine 150 Meter entfernte Gas-Probebohrung verursacht hat. Wie der britische Wissenschaftler Richard Davies von der Durham University erst kürzlich berichtete, sei das Bohrloch nicht ausreichend vor eindringendem Wasser geschützt gewesen. Der Ausbruch kann jedoch auch die Folge eines Erdbebens sein, das zwei Tage zuvor 300 Kilometer entfernt die Erde erschütterte und 6.000 Tote forderte.

Die Umgebung ist durch den Ausbruch bis heute stark in Mitleidenschaft gezogen, und nach Untersuchungen von Davies' Team wird sie noch jahrelang unbewohnbar bleiben. Eine Fläche von über 600 Fußballfeldern ist bisher vom Schlamm bedeckt, mehrere Dörfer und Fabriken, tausende Häuser und Felder wurden von der Schlammwelle überflutet und verdreckt. Mehr als 13.000 Menschen mussten evakuiert werden und verloren ihre Existenz, die Gegend um Sidoarjo ist von der Infrastruktur abgeschnitten. Die Schlammflut hat alle Strom- und Versorgungsnetze, Straßen und Leitungen mitgerissen und zerstört.

Die Schlammmassen aufzuhalten, scheint aussichtslos. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono rechnet mit Kosten in Höhe von 140 Millionen US-Dollar. Die verzweifelten Einwohner versuchten bereits auf eigene Faust, den Schlamm zu stoppen. Mit Schaufel und Spitzhacke zogen sie Gräben oder schütteten Erdwälle auf. Mehrere hundert LKW's transportierten über 2.000.000 Kubikmeter Erde an, damit Barrieren gebaut werden konnten; doch nichts konnte der Matschflut bisher standhalten.

Eine im August von den Behörden ins Leben gerufene Organisation arbeitet fieberhaft an möglichen Lösungen. So sollen Pumpen installiert werden, um den Schlamm durch eine Pipeline in den nahegelegenen Porong-Fluss zu leiten, der die stinkende Masse schließlich mit ins Meer reißen soll. Allerdings fürchtet die Umweltgruppe Greenpeace eine Kontamination des Grundwassers und irreparable Schäden für das Ökosystem als Folge. Weitere Hoffnung wird in eine Rettungsbohrung gesetzt, bei der in einen 15.000 Meter tiefen Schacht die chemische Substanz "Micromax" in das aufsteigende Wasser gegeben werden soll. Die Substanz besitzt eine sehr hohe Dichte und soll das Wasser schwerer machen, damit seinen Aufstieg verlangsamen und schließlich stoppen.

SB, iserundschmidt 02/2007