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SO178-KOMEX Expedition - Erstmalig deutsches Forschungsschiff im Ochotskischen Meer

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:30

Zum allerersten Mal hat ein nicht-russisches Forschungsschiff die Genehmigung fuer eine wissenschaftliche Expedition in die russischen Hoheitsgewaesser des Ochotskischen Meeres - ehemals militaerisches Sperrgebiet - erhalten.

Die Expedition auf dem deutschen Forschungsschiff Sonne wird vom Kieler Leibniz-Institut fuer Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) durchgefuehrt. Vom 22.07. - 15.09.04 wird die FS Sonne im Ochotskischen Meer und am Kurilen Inselbogen unterwegs sein und dabei - auch dies eine Premiere fuer ein auslaendisches Forschungsschiff - den Hafen von Wladiwostok anlaufen. Teilnehmen werden elf Wissenschaftler des IFM-GEOMAR in Kiel und des Alfred-Wegener-Institutes in Bremerhaven sowie dreizehn russische Wissenschaftler des P.P.Schirschow-Institutes fuer Ozeanologie der russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau und des Pazifischen Ozeanologischen Institutes der russischen Akademie der Wissenschaften in Wladiwostok. Auf dem Expeditionsplan stehen umfangreiche ozeanographische, biologische, geologische und vulkanologische Untersuchungen, die im Rahmen des Forschungsprojekts KOMEX durchgefuehrt werden sollen.


(c) RF Forschungsschiffahrt GmbH, Bremen

KOMEX (Kurilen Ochotskisches Meer Experiment)ist ein gross angelegtes Forschungsprojekt, koordiniert wird es vom IFM-GEOMAR in Kiel und vom P.P. Schirschow-Institut fuer Ozeanologie der russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Neben den genannten sind eine Reihe weiterer russischer Institute in Moskau, St. Petersburg, Wladiwostok und Petropawlowsk-Kamtschatskij an dem Projekt beteiligt. In einem interdisziplinaeren Forschungsansatz untersucht das KOMEX-Team die Funktionsweise des Systems 'Ochotskisches Meer'. Das Bundesministerium fuer Bildung und Wissenschaft (BMBF) der Bundesrepublik Deutschland und das Ministerium fuer Industrie, Wissenschaft und Technologie der Russischen Foederation unterstuetzen das Projekt schon seit dem 01.01.1998.


(c) Leibniz-Institut fuer Meereswissenschaften IFM-GEOMAR

Die Daten und die Proben die auf der SO178 KOMEX Expedition gewonnen werden, bilden die Grundlage fuer zahlreiche Diplom- und Doktorarbeiten, die in Russland und Deutschland geschrieben werden. Damit wird nicht zuletzt ein ganz wesentlicher Beitrag zur Foerderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowohl in Russland als auch in Deutschland geleistet.

Wissenschaftlicher Hintergrund:
Das Ochotskische Meer ist mit einer Flaeche, die Nord- und Ostsee etwa gemeinsam einnehmen, nach dem Suedchinesischen Meer das zweitgroesste Randmeer des Pazifischen Ozeans. Es wird im Osten und Sueden durch die Halbinsel Kamtschatka und den Kurilen-Inselbogen begrenzt. Im Ochotskischen Meer treffen eine Vielzahl geologischer Phaenomene aufeinander, die es zu einem einzigartigen Forschungsgebiet macht.

Die Erdkruste unter dem Ochotskischen Meer ist seismisch besonders aktiv, da dort die Pazifische Platte unter dem Kurilen-Inselbogen versinkt und sich entlang von Sachalin die Ochotskische- und die Amur-Platte aneinander reiben. Eine Folge dessen sind zahlreiche Erdbeben und Vulkanausbrueche in der Region.

Eine weitere Folge der tektonischen Prozesse ist das Sprudeln unzaehliger Methanquellen am Meeresboden. Das Ochotskische Meer ist somit eine bedeutende Quellenregion fuer den Eintrag klimarelevanter Gase in die Atmosphaere (z.B. CH4, CO2), durch Methanquellen am Meeresboden sowie durch Vulkanausbrueche. Zudem weist es die hoechste potentielle Methanproduktionsrate in der noerdlichen Hemisphaere auf und besitzt ein grosses Vorkommen an Gashydraten. Seine saisonale Eisbedeckung reguliert in besonderer Weise den Gasaustausch mit der Atmosphaere. Andererseits produziert das Ochotskische Meer waehrend der Warmzeiten grosse Mengen an Plankton und stellt somit eine Hochproduktionszone dar. Dies ist besonders interessant, da in Hochproduktionsgebieten der Atmosphaere CO2 entzogen wird. Vor allem im Hinblick auf den juengsten anthropogen verursachten CO2-Anstieg und Treibhauseffekt ist die Abschaetzung der Moeglichkeit eines natuerlichen Abbaus von CO2 von grosser Bedeutung. Damit besitzt das Ochotskischen Meer eine Schluesselrolle fuer die Entwicklung des globalen Klimas.

Weiterhin hat das Ochotskische Meer, aehnlich wie die Norwegisch-Groenlaendische See fuer den Atlantik, eine herausragende Bedeutung als moegliche Quelle fuer die Bildung von Tiefenwasser im Pazifischen Ozean. Ihm kaeme damit eine Steuerungs- und Kontrollfunktion fuer die Wassermassenzirkulation und Naehrstoffverteilung im Pazifik zu. Eine weitere Besonderheit des Ochotskischen Meeres ist das ungewoehnlich haeufige Auftreten der Radiolarienart Cycladophora davisiana. Radiolarien sind einzellige Lebewesen, die in unterschiedlichen Wassertiefen leben und sich von organischem Material ernaehren. Cycladophora davisiana wurde in solchen Groessenordnungen wie im Ochotskischen Meer bisher nur in eiszeitlichen Sedimenten gefunden.

All diese Besonderheiten deuten darauf hin, dass die heutigen Verhaeltnisse im Ochotskischen Meer denen eines eiszeitlichen Ozeans sehr aehneln koennten. Doch die KOMEX-Untersuchungen koennen nicht nur helfen, die Vergangenheit besser zu verstehen, sie liefern auch wichtige Daten fuer die Modellierung der heutigen Klimaentwicklung.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Leibniz-Institut fuer Meereswissenschaften IFM-GEOMAR, 29.06.2004