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Das Forschungsschiff "Maria S. Merian" ist getauft

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:32

Mit den Worten "Und ich taufe dich auf den Namen Maria S. Merian", übergab die Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn am 26. Juli 2005 als Taufpatin das weltweit modernste Forschungsschiff in den Dienst der Meeres- und Klimaforschung. Nach einem alten Seemannsbrauch werden Schiff und Taufpatin eng verbunden. Dazu wurde der Ministerin von der Werft eine symbolische Ankerkette überreicht. Ein Bild der Ministerin in der Messe des Schiffes wird die Maria S. Merian auf allen ihren Expeditionen begleiten. Mit diesem Schiff werden die Wissenschaftler in den kommenden Jahren vor allem den Einfluss der Ozeane auf das Klimageschehen untersuchen.

Die Maria S. Merian ist mit 94 m Länge und 18 m Breite ein mittelgroßes Exemplar der deutschen Forschungsschiff-Flotte. Die Maria S. Merian wird hauptsächlich in Nordsee, Ostsee und dem Nordatlantik bis zur Eisgrenze unterwegs sein. Sie ist eisrandfähig, das heißt sie kann auf Expeditionen bis zum nördlichen Golfstrom und an die Eisgrenze von Arktis und Antarktis vordringen. 21 Mann Besatzung sorgen für den technischen Betrieb des Schiffes, der höchste Anforderungen erfüllt. Zum Beispiel erfüllt das Schiff die "clean ship" -Standards und kann in empfindlichen marinen Ökosystemen bis zu 48 Stunden emissionsfrei unterwegs sein. Um das Schiff gegen heftigen Wind zu stabilisieren, verzichtete man auf hohe Aufbauten. Alle technischen Anforderungen an ein modernes Forschungsschiff wie z B. bei meterhohen Wellen und Seitenwind auf der Stelle zu stehen, wurden von den Schiffsbauern nach dem neuesten Stand der Technik gelöst. Angetrieben wird die Maria S. Merian durch zwei Pod-Antriebe, die wie in einer Gondel schwenkbar am Rumpf des Schiffes angebracht sind. So kann das Schiff in alle Richtungen sehr gut manövriert werden und auch über einen langen Zeitraum sehr langsam über Grund fahren.


(c) PTJ
Steffen Kaiser, Gewinner des Wettbewerbs Schiff sucht Namen auf der Brücke der Maria S. Merian

All dies dient dazu, für die 22 Wissenschaftler an Bord beste Arbeitsbedingungen zu schaffen. Das Schiff soll für Meeresbiologen, Geologen, Seismologen und Geophysiker optimale Arbeitsbedingungen bieten. Dieser Spagat ist bestens geglückt wie die Arbeitsgruppe aus Meereswissenschaftlern und Schiffsbauern der Rendsburger Kröger Werft versichert. Der mittlere Teil des Schiffes ist der neue Arbeitsplatz der Forscher. Von hier aus können z.B. 24 Meter lange Borkerne aus dem Meeresboden geborgen, in Laborräumern voruntersucht und in den Kühlräumen gelagert werden. Mit einem hochsensiblen Echolotsystem können die Wissenschaftler unter anderem Bodenstrukturen bis in 10 000 Metern Tiefe erkennen. Von Bord können auch Sonden ausgefahren und Proben entnommen werden. Mit tonnenschweren Tiefseewinden und Kabeln können die Wissenschaftler Mess- und Arbeitsgerät bis zu 6000 Meter Tiefe herunterlassen.

Ihre erste Expedition wird die Maria S. Merian zum finnischen Meerbusen führen. Bis dahin sind Testfahrten in Nord- und Ostsee geplant, um die Funktion der wissenschaftlichen und technischen Systeme zu überprüfen. Heimathafen der Maria S. Merian ist Warnemünde. Das in Warnemünde ansässige Institut für Ostseeforschung wird den Einsatz der Maria S. Merian koordinieren, die allen deutschen Meeresforschern und ihren ausländischen Partnern zur Verfügung stehen wird. Finanziert wurde die 56,4 Millionen Euro teure Maria S. Merian zu 75 Prozent vom Bund. Die restlichen Kosten teilen sich die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Die Maria S. Merian ersetzt die außer Dienst gestellten mittelgroßen Forschungsschiffe Valdivia, Victor Hensen und Alexander von Humboldt.

Mit der Taufe des Schiffs auf den Namen Maria S Merian entschied man sich gegen eine alte Tradition der Seefahrt, nach der die Nachfolgerin eines Schiffes den Namen ihrer Vorgängerin weiterführt. Der Name Maria S. Merian überzeugte die Juroren des 2002 im Jahr der Geowissenschaften ausgelobten Wettbewerbs "Schiff sucht Namen". Steffen Kaiser aus Lorch (Baden-Württemberg), heute 12 Jahre alt, reichte den Vorschlag ein und durfte sich das Schiff bei seiner Taufe aus nächster Nähe ansehen und die Ministerin bei der Zeremonie begleiten.


(c) iserundschmidt
Die Maria S.Merian auf der Werft in Schacht-Audorf. Der Storch auf dem Bug ist das Familienwappen der Familie Merian


(c)Lürssen Rendsburg - Kröger Werft
Die Maria S.Merian ist getauft

Maria Sybilla Merian (1647-1717), Malerin und Entdeckungsreisende ist die Namenspatronin des Forschungsschiffs. Sie steht für exakte Beobachtung und Klassifizierung der Natur und brach - auch das war eine Pionierleistung - 1699 zu einer Forschungsreise über den Ozean nach Südamerika auf. Am Bug des Schiffes prangt ein bunter Storch, das Wappentier der Familie Merian. Auch wenn die zukünftige Fahrtroute die M. S Merian in die entgegengesetzte Richtung Norden führen wird, bieten die exzellenten Forschungsbedingungen auf der Maria S. Merian ausgesprochen gute Rahmenbedingungen, die in den nächsten 20 - 30 Jahren ebensolche Pionierleistungen auf dem Gebiet der Meeresforschung erwarten lassen. Auch dazu wünschte die Ministerin der Maria S. Merian auf der Werft in Schacht-Audorf "allzeit gute Fahrt und stets mehr als eine Fußbreit Wasser unter dem Kiel"

Bilder von der Schiffstaufe finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Flotte der Forschungsschiffe des BMBF finden Sie hier

Zum Erfahrungsbericht von Steffen Kaiser...

GG, iserundschmidt 07/2005