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Klimawandel ganz praktisch: Norddeutsches Klimabüro eröffnet

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:33

Kaum eine Nachrichtensendung in den letzten Tagen, die sich nicht mit dem Klimawandel beschäftigt. Wie können wir ihn bremsen? Welche Maßnahmen zur Vermeidung sind notwendig? Wenig Beachtung findet dabei aber die Frage, wie gehen wir mit den Veränderungen um, die jetzt schon spürbar sind und sich auch für die Zukunft, selbst mit stark vermindertem Treibhausgasausstoß, nicht mehr vermeiden lassen. Diese Lücke will das Norddeutsche Klimabüro am GKSS Forschungszentrum Geesthacht schließen.

"Wir wollen die Schnittstelle sein zwischen denen, die der Klimawandel konkret betrifft bzw. künftig betreffen wird, und der Klimaforschung, die ja bisher eher abstrakte und globale Aussagen macht", fasst Dr. Insa Meinke, Leiterin des Klimabüros den Anspruch zusammen. "Ein Landwirt verzeichnet z. B. sinkende Erträge bei seinen Apfelbäumen und will wissen, welche Sorten besser mit den veränderten Umständen zurechtkommen." Ganz konkreter Hintergrund sind Untersuchungen der Obstbauversuchsanstalt in Jork: Die Sorte Holsteiner Cox kann schon bei einer Erwärmung um ein Grad nicht mehr wirtschaftlich angebaut werden. "Wir entwickeln aus solch praktischen Anliegen Forschungsfragen um Klimaszenarien unter praxisrelevanten Schwerpunkten neu auszuwerten. Für das Beispiel Holsteiner Cox bedeutet dies, dass diese Sorte in Norddeutschland schon in etwa 20 Jahren möglicherweise nicht mehr gedeihen wird. So kommen Ergebnisse zustande, die sofort in die Praxis umgesetzt werden können." Auf den Klimawandel reagieren heißt nicht nur, energiesparende Maßnahmen einzuleiten, klimaschonend zu handeln. "Dies schmälert nicht die Notwendigkeit klimaschonender Maßnahmen", betont Dr. Insa Meinke, Leiterin des Klimabüros, "aber wir müssen realisieren, dass der Klimawandel schon längst stattfindet." Zum Beispiel wandern immer mehr südliche Arten nach Norden und bringen dabei Krankheiten oder Probleme mit sich. Bestes Beispiel Zecken, die die Bakterienkrankheit Lyme-Borreliose oder den Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen. Sie treten zunehmend auch in Norddeutschland auf.

Ein gutes Beispiel, wie das Norddeutsche Klimabüro helfen kann, konkrete Handlungen anzustoßen ist die Deichsicherheit in Norddeutschland. Wie lange halten die Deiche noch? Ein steigender Meeresspiegel zusammen mit höher auflaufenden Sturmfluten kann neue Überlegungen im Küstenschutz notwendig machen. "Hier sind wir schon seit längerer Zeit in engem Kontakt mit Küstenbauingenieuren der verschiedenen Ämter, Behörden und Institute. Bisher wurden wir effektiv vor Sturmfluten geschützt, Jedoch muss die Sturmflutgefährdung Hand in Hand mit neusten Forschungsergebnissen fortlaufend neu bewertet werden. Das Norddeutsche Klimabüro greift als Einrichtung des Instituts für Küstenforschung des GKSS-Forschungszentrums auf aktuelle Forschungsergebnisse zu. Bezogen auf die Sturmfluten müssen wir damit rechnen, dass diese bis zum Ende dieses Jahrhunderts etwa 60 cm höher auflaufen.

"Wissen schafft nutzen" lautet das Motto des GKSS-Forschungszentrums und dies wird im Klimabüro deutlich. Nicht Forschung für den Elfenbeinturm, sondern Kontakt zwischen Landwirten, Stadtplanern, Rückversicherern, Katastrophenschützern draußen und den Wissenschaftlern drinnen. Dieses Ziel gelingt natürlich nur, wenn Betroffene Vertrauen in die Kraft der Wissenschaft haben, Lösungen zu erarbeiten. Die Arbeit des Klimabüros stützt sich in großem Maße auf Daten für Norddeutschland, die in dem Datenpool coastDat aufgearbeitet und zusammengefasst werden und der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich gemacht werden. In dieser Datenbank finden sich Daten wie Wellenhöhen, Windstärken, Luft- und Wassertemperaturen, mit denen sich das Küstenklima der Vergangenheit für die Zukunft analysieren lässt.

Kirsten Achenbach, MARUM - Forschungszentrum Ozeanränder, Universität Bremen