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Hoehere Wassertemperaturen und geringere Eisbedeckung im Nordpolarmeer

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:33

An Bord des Forschungsschiffes "Polarstern" vom Alfred-Wegener-Institut fuer Polar- und Meeresforschung haben Wissenschaftler in den vergangenen sechs Wochen in der Framstrasse zwischen Spitzbergen und Groenland sowie noerdlich davon Veraenderungen in der Temperatur des Ozeans und in der Eisbedeckung untersucht.

In diesem Bereich findet der wesentliche Austausch von Wassermassen zwischen dem Nordpolarmeer und dem Nordatlantik statt. Mit der globalen Erwaermung der vergangenen Jahre haben sich auch die Verhaeltnisse in der Fram Strasse und im Nordpolarmeer geaendert.

Temperaturmessungen in verschiedenen Meerestiefen in der Fram Strasse zeigen seit 1990 eine Erhoehung der Temperatur im Westspitzbergen-Strom, der warmes Atlantikwasser in das Nordpolarmeer fuehrt. Die aktuellen Messungen der Ozeanografen auf "Polarstern" deuten auf einen weiteren Erwaermungstrend hin. Im Vergleich zum Vorjahr sind die oberen 500 Meter zu 0,6°C waermer, und die Erwaermung zeigt sich bis in Tiefen von 2000 Metern. Fuer ozeanische Verhaeltnisse ist dies ein ausgesprochen deutliches Signal. Mit dem Einstrom waermeren Wassers in das Nordpolarmeer aendert sich auch die Meereisdecke. Satellitenaufnahmen zeigen in diesem Jahr einen deutlichen Rueckgang der Meereisausdehnung im Bereich der Fram Strasse und der Barentssee im Vergleich zu den beiden Vorjahren.


(c) Alfred-Wegener-Institut

Im Klimageschehen ist aber nicht nur die Ausdehnung des Meereises wichtig, sondern auch die Dicke. Um die Dicke des Eises zu bestimmen, hat die Meereisgruppe des Alfred-Wegener-Instituts in den vergangenen Jahren einen Flugkoerper mit einem Eisdickensensor entwickelt. Dieser wird von einem Hubschrauber in etwa dreissig Metern Hoehe innerhalb einer Stunde ueber Strecken von bis zu hundert Kilometern geschleppt. Nur damit laesst sich ein repraesentatives Bild der Meereisdicke ermitteln. Fuer die Validierung des Eisdickensensors wurden an verschiedenen Orten viele Loecher auf einer laengeren Strecke durch eine Eisscholle gebohrt und mit der Hubschraubersonde ueberflogen. Die mit der Sonde gemessenen Werte werden mit denen aus den Bohrungen verglichen. So kann die Genauigkeit des Sensors bestaetigt werden.


(c) Alfred-Wegener-Institut

Eine besondere Art der Vergleichsmessung fand am Mittwoch vor der groenlaendischen Ostkueste statt, wo "Polarstern" mit dem britischen Forschungseisbrecher "James Clark Ross" zusammen traf, um zum ersten Mal in der Geschichte der Meereisforschung die Topographie des Meereises von oben und unten zu messen. Dazu hat das britische autonome Unterwasservehikel AUV - Autonomous Underwater Vehicle - mit einem Sonar die Unterseite des Meereises abgetastet, waehrend die Meereisphysiker des Alfred-Wegener-Instituts mit dem vom Hubschrauber getragenen Eisdickensensor die Oberseite und die Eisdicke vermessen haben.

Diese Arbeiten galten der Vorbereitung fuer die Validierung des Satelliten "CryoSat". "CryoSat" soll die Meereisdicke in beiden Polargebieten ab Maerz 2005 kontinuierlich aus 700 Kilometern Hoehe bestimmen. Die Bestimmung der Meereisdicke und ihre Veraenderung sind in der internationalen Klimaforschung von grosser Bedeutung. Das Meereis spielt im Klimasystem eine wichtige Rolle und gilt als sensibler Indikator fuer Klimaschwankungen. Ob diese regional beobachteten Veraenderungen als Folge der globalen Erwaermung in allen Bereichen der Polargebiete auftreten, soll mit "CryoSat" untersucht werden.


(c) Institut für Zoologie, Universität Salzburg

"Polarstern" befindet sich zurzeit auf ihrer zwanzigsten Arktisexpedition. Seit dem 16. Juli fuehren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts fuer Polar- und Meeresforschung innerhalb eines internationalen Teams an Bord Luftmessungen durch, erheben Daten im Ozean und vom Meereis und sammeln Gesteinsproben vom Meeresboden. Am Sonntag laeuft "Polarstern" in Tromso ein.

Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts fuer Polar- und Meeresforschung, 27.08.2004