Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite News Erster Parlamentarischer Abend der deutschen "Erdsystemforschung"

Erster Parlamentarischer Abend der deutschen "Erdsystemforschung"

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:35

Am 24. November 2004 fand im Haus der Bundespressekonferenz der erste gemeinsame Parlamentarische Abend von GEOTECHNOLOGIEN, GeoUnion und dem Konsortium Deutsche Meeresforschung statt.

Es war ein Gipfeltreffen der besonderen Art. Moderiert von Ingolf Baur versammelte das Podium zum Auftakt des parlamentarischen Abends führende Köpfe aus den deutschen Meeres- und Geowissenschaften, aus Politik und Industrie: Prof. Dr. Dr. h.c. Emmermann, Präsident der GeoUnion, Prof. Dr. Volker Mosbrugger, Vorsitzender des Koordinierungsausschuss GEOTECHNOLOGIEN, Prof. Dr. Peter Herzig, Vorsitzender des Konsortiums Deutsche Meeresforschung, Prof. Manfred Fuchs, Vorstand Raumfahrt der OHB-Technology AG und schließlich Ulrich Kasparick, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Allein diese Runde bedeutete ein politisches Signal. Sie demonstrierte nicht weniger als das Zusammenwachsen der vielen geo- und meereswissenschaftlichen Einzeldisziplinen zu einem neuen disziplinübergreifenden Forschungsgebiet: Der Erdsystemforschung.


"Auf dem Weg zu einem Erdsystemmanagement" - so lautete folgerichtig das Thema des Abends. Und dieser Titel war programmatisch gemeint. Er brachte auf den Punkt, worüber sich die hochgradig diversifizierte Wissenschaft seit langem im Klaren ist: Neben der Erforschung einzelner Teilbereiche des Erdsystems spielt die Kenntnis ihres Zusammenwirkens eine entscheidende Rolle bei der Lösung drängender globaler Herausforderungen - von der nachhaltigen Energieversorgung bis zur Bedrohung durch den Klimawandel. Nötig ist eine neue Form der Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen. "Punktuelle, lokale Eingriffe in das Erdsystem haben oft Auswirkungen globaler Natur. Diese Mechanismen kann nur eine weit gefasste Erdsystemforschung entschlüsseln", fasste Prof. Mosbrugger den Konsens zusammen. Diese Erdsystemforschung soll zu einem besseren Verständnis auch der menschlichen Einflussnahme beitragen und so schließlich als Erdsystemmanagement den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Erde ermöglichen. Wie weit die Wissenschaft auf diesem Weg bereits gekommen ist, belegte die Runde durch zahlreiche Beispiele aus Forschung und Industrie. Die Satelliten CHAMP und seine Abkömmlinge im GRACE-Projekt etwa, die mit Spitzentechnologie aus Deutschland völlig neuartige Erkenntnisse über das System Erde liefern.

Um gesellschaftliche und politische Implikationen erweitert wurde diese Reise durch die Forschungslandschaft im Anschluss an die Talkrunde, als vier parlamentarische Paten die Bühne betraten: Mit Heinz Schmitt (SPD), Vera Dominke (CDU), Hans-Josef Fell (B90/Grüne) und Cornelia Pieper (FDP) hatten sich Vertreter der vier großen Parteien bereit gefunden, jeweils ihr geo- bzw. meereswissenschaftliches Lieblingsprojekt vorzustellen. "Erschließung des Untergrunds", "globaler Wasserhaushalt", "Gashydratforschung" und "Nullemissionskraftwerk" lauteten die Themen - und die Parlamentarier legten sie ihren Kolleginnen und Kollegen im Publikum mit Engagement und Ideenreichtum ans politische Herz. So griff etwa Cornelia Pieper mit dem Bestseller "Der Schwarm" auf eine in diesem Rahmen unerwartete, aber umso wirkungsvollere Argumentationshilfe zurück.



Weniger episch, doch mit ebenso viel Faszination an der Sache präsentierten im Atrium der Bundespressekonferenz Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf vier Themeninseln ihre Projekte. Hier lockten schweres Gerät und lodernde Flammen die Besucher: Die Kieler Meeresforscher vom IFM-GEOMAR hatten einen "Lander", ein über mannshohes und mehrere hundert Kilogramm schweres, tauchfähiges Tiefseelaboratorium, in der Halle zusammenbebaut und demonstrierten mit tiefgekühlte Methanhydratproben vom Meeresgrund, dass auch scheinbar alltägliche Eisklumpen lichterloh brennen können.

Der Funke sprang über, auch an den übrigen Ausstellungsständen. Hier wurden seismische Messgeräte, Satellitenmodelle, Bohrkerne und weitere Exponate aus der Welt der Erdsystemforschung vorgeführt und erklärt. Und hier endete schließlich das offizielle Programm mit einem gemeinsamen Rundgang - und der Abend klang bei gutem Essen und intensiven Gesprächen bis in die Nacht hinein aus.