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Wenn aus dem Treibhausgasschlucker Wald ein -spucker wird

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:37

Wer gehofft hatte, die ausgedehnten Waldgebiete der Erde könnten die von der Menschheit ausgestoßenen Treibhausgase reduzieren helfen und einige Länder von der lästigen Pflicht befreien, die Emission von Kohlendioxid oder Methan zu senken, wird von den Forschungsergebnissen des Klimaforschungsprojekt SIBERIA-II an der Universität Jena enttäuscht.


(c) Ruhr Universität Bochum

"Die Hypothese, dass große Waldgebiete wie die sibirische Taiga als riesige Kohlenstoffsenken fungieren und maßgeblich helfen, Treibhausgase aus der Luft zu ziehen, konnten wir nicht bestätigen", sagte Prof. Dr. Christiane Schmullius. Die Fernerkundungsexpertin der Universität Jena koordiniert das EU- finanzierte SIBERIA-II-Projekt zur Treibhausgasbilanzierung in Sibirien. Mit Hilfe von Satellitendaten wurde das Zusammenspiel zwischen globaler Erwärmung, Kohlenstoffkreislauf und Vegetation erforscht.

Klimafaktoren quantifizieren

Noch vor fünf Jahren zu Beginn des Projektes war es den Wissenschaftlern nicht möglich, zuverlässige Angaben über die Änderungen der Vegetation und den damit zusammenhängenden Verbleib der Treibhausgase zu machen, schon gar nicht für ein zwei Millionen Quadratkilometer großes Gebiet, wie die Taiga. "Bislang beruhten unsere Klimamodelle auf zu vielen Hypothesen, es fehlte an exakten Daten", so Prof. Schmullius. "Wir wussten, dass z. B. Laubwald mehr Kohlendioxid bindet als Moose und Gräser, aber wir wussten nicht wie viel. Außerdem war unklar, wie viel Prozent des Gebietes von Wald oder Sumpf bedeckt waren", nennt sie ein Beispiel. Es war bekannt, dass die meisten Pflanzen im Winter keine Photosynthese betreiben und in dieser Zeit keine Kohlenstoffgase aus der Luft verbrauchen. Auch dass die Schneeoberfläche im Winter mehr Sonnenlicht reflektiert und somit zusätzlich die Atmosphäre aufheizt, war kein Geheimnis. Doch wie viel länger der Winter in der Taiga vor zehn Jahren gedauert hatte und welchen Einfluss die globale Erwärmung auf die jahreszeitlichen Prozesse hat, wussten die Forscher nicht.

Satellitenbilder zeigen Veränderungen

"Solche Veränderungen lassen sich nur auf zu unterschiedlichen Zeiten aufgenommenen Satellitenbildern erkennen", erklärt die Fernerkundungsexpertin. In einem ersten Schritt wurden daher mit Hilfe von Radar- und Wärmebildern per Satellit Landnutzungs- und Vegetationskarten generiert. "Zwar lassen sich die Treibhausgase selbst nicht direkt vom Satelliten detektieren, aber ihre Entstehung, ihre Ausdehnung konnten die SIBERIA-Forscher erst präzise berechnen, als die maßgeblichen Umweltfaktoren wie Beginn der Tauperiode oder der Schneebedeckungsgrad bekannt waren", erläutert die Geoinformatikerin. Unter ihrer Leitung wurden die Daten von zwölf Satelliten zusammengeführt und archiviert, die nun nicht nur den SIBERIA-Partnern, sondern Wissenschaftlern weltweit für verschiedene Fragestellungen zur Verfügung stehen. Die Daten wurden dann in Klimamodelle integriert und an der sibirischen Wirklichkeit getestet.

Klima-Hot-Spot Sibirien

Der Klima-Hot-Spot Sibirien macht seinem Namen alle Ehre. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur im Gebiet ist seit 1960 um drei Grad gestiegen. Mit der Folge, dass die Tau- und Wachstumsperiode früher einsetzt. Doch was danach klingt, als würden eifrig sprießende Pflanzen nun mehr Treibhausgase aufnehmen, verkehrt sich auf lange Sicht gesehen in sein Gegenteil. Die Pflanzen wachsen besser, aber die Zersetzung des organischen Kohlenstoffs im Boden wird stärker, mit der Folge, dass mehr Kohlenstoff freigesetzt als aufgenommen wird. Entstehen im Frühjahr während der Schneeschmelze große Überschwemmungsgebiete, so sorgen Mikroorganismen unter Luftabschluss für eine ungewöhnlich hohe Methangasproduktion, auch Methan ist ein Treibhausgas. Da die Schneeschmelze jetzt früher einsetzt und größere Gebiete umfasst, wird ein Emissionsanstieg der Treibhausgase prognostiziert. "Das alles trägt mit dazu bei, dass die Taiga insgesamt weniger Treibhausgase speichert, als wir bisher angenommen haben", erklärt Schmullius. Dass ein verstärktes Wachstum der Wälder nicht die alleinige Lösung des Klimaproblems ist, steht damit fest.