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Startschuss fuer Geoforschungsprojekt - Erstmals deutsches Schiff am georgischen Kontinentalrand

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:38

Am 16. Oktober 2004 startete das Forschungsschiff Poseidon von Istanbul ins oestliche Schwarze Meer auf, um dort Methanvorkommen zu untersuchen. Damit ist es das erste deutsche Schiff, das vor Georgien arbeiten darf.


(c) IFM Geomar

Die Expedition markiert den Start des vierjaehrigen Verbundprojektes METRO, welches das Bundesforschungsministerium innerhalb des Programms GEOTECHNOLOGIEN "Methan im Geo-/Biosystem" finanziert. Im Rahmen des mit 2,6 Millionen Euro gefoerderten Projektes erforschen deutsche, tuerkische, russische, ukrainische und georgische Geowissenschaftler unter Leitung der Universitaet Bremen Methanvorkommen und deren Austauschprozesse zwischen Wasser und Atmosphaere.

Am Grund des Schwarzen Meeres lagern grosse Mengen an Methanhydrat - ein gefrorenes Gemisch aus Wasser und Methangas. Methan ist von Interesse, da es als Treibhausgas zwanzigmal wirksamer ist als Kohlendioxid und damit moeglicherweise eine grosse Rolle fuer unser Klima spielt. Wie viel Methanhydrat weltweit am Meeresboden lagert, wissen wir nicht. Aber Experten schaetzen, dass die Methanhydrate zusammen etwa 10.000 Gigatonnen Kohlenstoff enthalten. Diese Schaetzungen zu praezisieren, ist eine der Aufgaben des METRO-Projektes.


(c) DFG Forschungszentrum Ozeanränder

Insgesamt fuehren die Forscher drei Fahrten im Schwarzen Meer durch. Die Poseidon fungiert dabei sozusagen als Voraustrupp des Projektes, erklaert der Bremer Fahrtleiter der Expedition Dr. Heiko Sahling: "Um waehrend der beiden Hauptexpeditionen des Projektes gezielt und effizient arbeiten zu koennen, muessen wir wissen, wo es sich besonders lohnt, unsere Geraete einzusetzen. Daher erkunden wir waehrend der naechsten drei Wochen mit der Poseidon u.a. mit Seitensichtsonar-Echoloten den relativ unbekannten oestlichen Teil des Schwarzen Meeres." Diese Stellen untersuchen dann die Forschungsschiffe Professor Logachev im Juni 2005 und Meteor im Fruehjahr 2007 mit modernsten Geraeten besonders genau. Dabei helfen so genannte Autoklavgeraete, die Proben unter dem am Meeresboden herrschenden Druck an die Oberflaeche bringen koennen. Die Druck-Behaelter werden dann mitsamt der Probe mit einem Computer-Tomographen gescannt. Nur so koennen die Wissenschaftler sicher sein, dass sie wirklich alles Methanhydrat aus einer Probe erfassen, da es nur unter bestimmten Druck- und Temperaturbedingungen stabil ist. Ausserdem kommt auf dem Forschungsschiff Meteor auch der Bremer Tieftauchroboter QUEST zum Einsatz.


(c) DFG Forschungszentrum Ozeanränder

Am Grund des Schwarzen Meeres treten grosse Mengen Methan aus verschiedenartigen Quellen aus. Da nur wenig Sauerstoff vorhanden ist, kann das Gas nur langsam abgebaut werden. Im Schwarzen Meer ist Methan deutlich hoeher konzentriert als in anderen Ozeanen. Bis zu 1.000-fach hoehere Werte sind keine Seltenheit. "Vor der Kueste des georgischen Ochamchira steigt so viel Methan auf, dass die Luft ueber dem Meer zeitweise zu brennen beginnt", erklaert Projektkoordinator Prof. Gerhard Bohrmann. "Gerade das oestliche Schwarze Meer, das vom Kaukasus begrenzt wird, ist geologisch sehr aktiv. Daher ist auch die Moeglichkeit vor der georgischen Kueste arbeiten zu duerfen, so wichtig fuer uns." Hier bieten sich ideale Bedingungen, um herauszufinden, wie Methan vom Meeresboden in die Atmosphaere gelangt und so unser Klima beeinflusst.

Im Jahre 1971 hatten russische Wissenschaftler im Schwarzen Meer erstmals so genannte Methanhydrate geborgen und damit ihre bis dahin nur vermute Existenz im Meeresboden nachgewiesen. Mittlerweile haben Forscher auf der ganzen Welt Methanhydrate gefunden. Doch noch immer ist das Schwarze Meer eine der ersten Adressen, wenn es um die Erforschung der Prozesse geht, die zu Bildung, Abbau und Verteilung von Methan und Methanhydraten geht.

Am Verbundprojekt METRO, das von der Universitaet Bremen koordiniert wird, sind auch das IFM-GEOMAR Leibniz Institut fuer Meereswissenschaften in Kiel, das Alfred-Wegener-Institut fuer Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, sowie Universitaeten in Berlin, Hamburg und Goettingen beteiligt.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Pressemitteilung des Forschungszentrums Ozeanraender, 21.10.2004