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Von Tyndalls Eiswüste bis zur Welt in Angst - Klimawandel im Gespräch

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:39

"Die Wärme unserer Felder und Gärten müsste unaufhaltsam ins Weltall entweichen, und die Sonne würde über einer Insel aufgehen, die fest im eisernen Griff des Frostes gehalten wird" - was wie eine finstere Prophezeiung klingt, beschreibt in Wahrheit die Auswirkungen atmosphärischer Änderungen auf unser Klima. Der Text ist annähernd 150 Jahre alt und entstammt der Feder des britischen Physikers John Tyndall (1820-1893), der als einer der ersten den natürlichen Treibhauseffekt der Erde erkannt und in seinen wichtigsten Phasen wissenschaftlich beschrieben hat. Er identifiziert in der zitierten Arbeit Wasserdampf als überlebenswichtigen Bestandteil der Atmosphäre und malt eindrucksvoll ein Britannien aus, dass bloß für eine Sommernacht ohne diesen Schutz bestehen müsste.

Tyndalls Arbeit war wegweisend für die moderne Klimaforschung. Was diese heute vorrangig beschäftigt, ist jedoch der gegenteilige Effekt: Durch Anreicherung von CO2 und anderen "Treibhausgasen" in der Atmosphäre schwillt der natürliche und notwendige Schutzmantel gegen die Eiseskälte des Weltalls an und verdichtet sich zur erstickenden Wärmefalle. So kann immer weniger durch Sonneneinstrahlung entstandene Wärme ans Weltall abgegeben werden, und die Temperatur steigt weltweit an - mit bislang kaum absehbaren Folgen. Dieser Klimawandel durch anthropogenen - menschengemachten - Treibhauseffekt, ist eine reale Bedrohung der Welt, wie wir sie kennen. Um 1970 mithilfe einer Computersimulation erstmals vorhergesehen von Syukuro Manabe, bestimmt er heute die öffentliche Diskussion.

Ein sicheres Zeichen dafür ist die Verwertung des Themas in der Unterhaltungskultur. Michael Crichtons Thriller Welt in Angst behandelt es ebenso wie Roland Emmerichs "Klimaschocker" The Day After Tomorrow. Und die Unterhaltungskünstler haben drastische Bilder gefunden, die Auswirkungen eines globalen Klimawandels zu veranschaulichen. Sie ähneln dem oben zitierten Szenario von Tyndall. Und unabhängig von ihrem wissenschaftlichen Gehalt verfehlen sie ihre Wirkung auf die Bevölkerung nicht: Eine Studie des Postdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) aus dem Jahr 2004 belegt eine Sensibilisierung für die "Verwundbarkeit des Weltklimas" bei den deutschen Zuschauern von The Day After Tomorrow. Erstaunlicherweise scheinen die Endzeit-Visionen des Films sogar positive Aufbruchsstimmung zu erzeugen: 82 Prozent der Befragten Zuschauer wählten nach dem Film die Botschaft "Wir müssen den Klimawandel unbedingt aufhalten", nur knapp 10 Prozent resignierten mit "Wir können ohnehin nichts tun". Amerikanische Forscher attestierten in ähnlichen Studien dem Film sogar politische Macht: Wer ihn gesehen habe, sei deutlich stärker bereit gewesen, John Kerry zu wählen als George W. Bush.

Von John Tyndall bis Hollywood und Washington - die Klimaforschung hat eine erstaunliche Karriere hinter sich. Im Rahmen der traditionellen Queen's Lecture lässt der britische Klimaforscher Prof. Mike Hulme unter dem Titel "Discovering Climate Change: from Tyndall to Hollywood" die wichtigsten Stationen Revue passieren. Die Veranstaltung findet am 1. Dezember 2005 im Audimax der TU Berlin statt. Die Queens Lecture wird in englischer Sprache gehalten. Der Eintritt ist frei.

Der Geowissenschaftler als Actionheld? - Zu Emmerichs Day After Tomorrow

Double Impact: PIK Studie zur Wirkung des Kinofilms Day After Tomorrow

Who was John Tyndall - Tyndall Centre for Climate Change Research"

Veranstaltungshinweis zur Queen's Lecture 2005

Zur Queen's Lecture an der TU-Berlin

RB, iserundschmidt 11/2005