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Die "Lehre vom alten Leben" im Zeichen des Klimawandels - Paläontologen tagen erstmals an ihrem Gründungsort in Greifswald

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:39

Anlässlich des diesjährigen 550-jährigen Jubiläums der Universität Greifswald veranstaltet der Arbeitskreis Wirbeltierpaläontologie der Paläontologischen Gesellschaft das 33. Treffen zum Thema "Paläoökologie und die Rekonstruktion von Paläo-Lebensräumen" in der Universitäts- und Hansestadt (siehe Hintergrund). Vom 10. bis 12. März 2006 wollen Wissenschaftler und Experten wissenschaftlicher Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet gemeinsam den steten Wandel von Lebensräumen anhand der Rekonstruktion von Fossilgemeinschaften diskutieren. Die jährlich stattfindende Tagung ist das Forum der Wirbeltierpaläontologie im deutschsprachigen Raum und findet in diesem Jahr zum ersten Mal seit ihrem Bestehen am Gründungsort der Gesellschaft in Greifswald statt.

In Anwesenheit des Oberbürgermeisters der Universitäts- und Hansestadt Greifswald, Dr. Arthur König, und der Vizepräsidentin der Paläontologischen Gesellschaft, Dr. Angelika Hesse, wollen die Experten Zusammenhänge von Umwelt, Klima und nicht zuletzt menschlichen Einflüssen näher beleuchten. Anhand der Analyse der Umwelt- und Klimaveränderungen der Vergangenheit und unter der Einbeziehung fossiler erdgeschichtlicher "Zeitzeugen" soll der Wandel von Lebensräumen nachgezeichnet werden. Ziel ist es unter anderem zu erörtern, wie sich die Umwelt in den vergangenen Jahrmillionen entwickelt hat, um daraus Rückschlüsse für die Beurteilung zukünftiger Klima-, Landschafts- und Vegetationsentwicklungen ziehen zu können. Diese insbesondere in Zeiten des raschen Klimawandels hochaktuelle Problematik greift die Tagung in themenspezifischen Vorträgen auf.

Die Paläontologische Gesellschaft ist eine internationale Vereinigung von Paläontologen im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 1912 auf Initiative des Paläontologen Prof. Dr. Otto Jaekel (1863-1929) in Greifswald begründet. Die Paläontologie sollte durch die Gesellschaft als eigenständiges, biologisch ausgerichtetes Fach an Bedeutung gewinnen, ohne ihre Herkunft aus der Geologie zu vernachlässigen. Im Vordergrund steht heute die Förderung des akademischen Austauschs zwischen Paläontologen, Geowissenschaftlern und interessierten Laien aller Länder sowie das Interesse, die Paläontologie in der Öffentlichkeit besser verständlich zu machen. Der seit 1974 existierende Arbeitskreis Wirbeltierpaläontologie ist eine Teilgruppe der Paläontologischen Gesellschaft und vereinigt die Wirbeltierpaläontologen im deutschsprachigen Raum und in den angrenzenden Nachbarländern.

Hintergrund
Paläontologie (griech. palaios = alt, ontos = Sein, Leben, logos = Lehre) bedeutet wörtlich übersetzt "Lehre vom alten Leben". Die Paläontologie erforscht Fossilien, die erdgeschichtlichen Zeugen der Evolution von Leben (Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen). Gegenstand der Forschung sind nicht nur die vielfältigen Lebensformen vergangener Erdzeitalter, sondern auch die Wechselwirkungen zwischen Organismen und ihrer Umwelt. So hat der Wandel von Lebensräumen den Verlauf der Evolution maßgeblich beeinflusst und umgekehrt beeinflussen Organismen mit ihren vielfältigen Lebensäußerungen ihren eigenen Lebensraum, das System Erde. Die Paläontologie hat den Schlüssel in der Hand, um dieses Puzzle von Lebensformen in einem dynamischen System zu rekonstruieren und die Mechanismen des Zusammenspiels zu identifizieren. Sie liefert damit wichtige Werkzeuge für die Prognose zukünftiger Entwicklungen.


TAGUNGSPROGRAMM des 33. Treffens Arbeitskreis Wirbeltierpaläontologie der Paläontologischen Gesellschaft zum Thema "Paläoökologie und die Rekonstruktion von Paläo-Lebensräumen" vom 10. bis 12. März 2006

Tagungsort: Maritimes Jugenddorf Wieck, Yachtweg 3, 17493 Greifswald/Wieck

Freitag, 10. März 2006 18.00 Uhr
Abendessen und Get together
Maritimes Jugenddorf Wieck

Samstag, 11. März 2006
09.00 Uhr
Begrüßung und Eröffnung
Begrüßung durch PD Dr. Thomas M. Kaiser
Grußwort des Oberbürgermeisters der Hansestadt Greifswald, Dr. Arthur König
Grußwort der Vizepräsidentin der Paläontologischen Gesellschaft, Dr. Angelika Hesse
09.25 Uhr
Faunenanalyse und -interpretation am Beispiel zweier pleistozäner Fundstellen Südostasiens
Dr. Christine Hertler, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
09.50 Uhr
Ökologie großer Carnivoren des Pleistozäns Südostasiens
Rebekka Volmer, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
10.45 Uhr
Ökomorphologie südostasiatischer Viverriden (Schleichkatzen) - Spezialisierungen im Gebiss aufgrund von Ernährungspräferenzen
Ulrike Anders, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
11.10 Uhr
Rekonstruktion der Ernährung der Equiden von Wallertheim, Bockstein, Villa Seckendorff und Vogelherd
Ellen Schulz, Universität Hamburg
11.35 Uhr
Diet in late Pleistocene and early Holocene ungulates from Alaska through combined mesowear and microwear analyses
Dr. Florent Rivals, Universität Hamburg, Mihlbacher, C., Solounias, N.

14.00 Uhr
Die Insectivoren von Rudabanya. Was sagen sie über die damalige Umwelt?
Dr. Reinhard Ziegler, Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
14.25 Uhr
Systematische Aspekte der Osteodermen-Histologie von Gürteltieren, Pampatherien und Glyptodonten
Dominik Wolf, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
14.50 Uhr
Die geographische und stratigraphische Verbreitung der Chalicotheriidae im Miozän Deutschlands und Österreichs
Julia Fahlke, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
15.15 Uhr
Anatomische Unterschiede von Knochen und Muskulatur zwischen Mustela putorius, M. erminea und Martes foina (Mustelidae, Carnivora)
Klaudia Reuther & Dr. Clara Stefen, Museum für Tierkunde Dresden
16.10 Uhr
Oberdevonische Placodermen Marokkos: Taphonomie, Phylogenie und paläogeographische Relevanz
Martin Rücklin, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe
16.35 Uhr
Lebensräume oberjurassischer Haifische
Stefanie Klug, Museum für Naturkunde Berlin
17.00 Uhr
Taphonmie und Systematik oberjurassischer Meerengel.
Dr. Jürgen Kriwet, Museum für Naturkunde Berlin
17.25 Uhr
Die Phylogenie der basalen Eureptilia
Dr. Johannes Müller, Museum für Naturkunde Berlin
17.50 Uhr
Die Schwarzschiefer der Xiawa-Formation (Karn) in Guizhou (China): eine ungewöhnliche Lagerstätte mariner Reptilien
Dr. Martin Sander, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

20.00 Uhr
Allgemeine Talkrunde "Aktuelles aus der Paläontologischen Gesellschaft"


Sonntag, 12. März 2006 09.00 Uhr
Evolution des Beschuppungsmusters bei Temnospondylen
Dr. Florian Witzmann, Museum für Naturkunde Berlin
09.25 Uhr
Evolution des Schultergürtels bei prosauropoden Saurischiern (Dinosauria)
Kristian Remes, Museum für Naturkunde Berlin
09.50 Uhr
Die Diversität von Ichthyosauriern in der deutschen Kreide - Revision von Platypterygius hercynicus KUHN, 1946 (Ichthyosauria: Ophthalmosauridae)
Christian Kolb, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
10.40 Uhr
Aktueller Stand der Dinosaurierfährtengrabung in der niedersächsischen Unterkreide (Münchehagen)
Dr. Annette Broschinski Niedersächsisches Landesmuseum Hannover
11.05 Uhr
Funde von Halitherium (Sirenia) aus dem Unteroligozän des Ruhr-Gebietes Manja Voss, Museum für Naturkunde Berlin
11.30 Uhr
Fossilien-Katalog der Lokalität Mauer - eine neue Grundlage in der Erforschung der Mittelpleistozänen Säugetierfundstelle
Dieter Schreiber, Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe
11.55 Uhr
Verabschiedung und Abschluss der Tagung durch PD Dr. Thomas M. Kaiser


Weitere Informationen unter...


Pressemitteilung
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Constanze Steinke, 09.03.2006