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Ein Computerprogramm ersetzt keinen (Geographie-)Lehrer - Geographiedidaktiker erhält Dissertationspreis 2005

erstellt von redaktion zuletzt verändert: 23.08.2007 14:40

Jena (20.12.05) E-Learning als Zukunft des Unterrichts. Der Computer ersetzt den traditionellen Lehrkörper und dessen Unterweisungen. Das sind "Horror"-Visionen, die das gewohnte Schulsystem auf den Kopf stellen würden. Jedes schulpflichtige Kind - aber auch jeder weiterbildungswillige Erwachsene - könnte sich zu Hause per Computer Geschichte, Englisch oder Geographie beibringen lassen. Dass das nicht stimmt, hat Dr. Detlef Kanwischer von der Universität Jena in seiner Dissertation über "Selbstgesteuertes Lernen, E-Learning und Geographiedidaktik. Grundlagen, Lehrerrolle und Praxis im empirischen Vergleich" belegt. Dafür ist der wissenschaftliche Mitarbeiter des Geographiedidaktikers Prof. Dr. Tilman Rhode-Jüchtern vom Hochschulverband für Geographie und ihre Didaktik mit dem Dissertationspreis 2005 ausgezeichnet worden. Den mit 1.500 Euro dotierten Preis teilt sich der Jenaer Wissenschaftler, der derzeit eine Professur für Anthropogeographie an der Universität Flensburg vertritt, mit Dr. Christiane Meyer aus Trier.


Dr. Detlef Kanwischer
(c) Privat

Die Rolle des Lehrers, mit der sich Dr. Kanwischer in seiner ausgezeichneten Arbeit besonders auseinander setzt, sowie die soziale Komponente im täglichen Schulbesuch stellen nach wie vor wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Wissensaneignung dar. "Selbstgesteuertes Lernen sowie E-Learning bieten jedoch ein gewisses Potenzial für die Didaktik, gerade im Hinblick darauf, dass von jedermann gefordert wird, lebenslang und selbstständig zu lernen sowie sich beruflich weiterzubilden", erklärt Kanwischer. Er betont, dass E-Learning keinesfalls den normalen Präsensunterricht ersetzen kann und wird. Neben den hohen Anforderungen an die technische Ausstattung ist ein Problem des neuen Lernmediums zum Beispiel, dass aufgrund der fehlenden computertechnischen Sozialisation weite Teile der Lehrerschaft nicht in der Lage sind, mit diesem umzugehen, erklärt Kanwischer in seiner Arbeit. "Trotzdem hat sich E-Learning in den letzten Jahren einen festen Platz im pädagogischen Alltagsgeschäft erobert", ist sich der Jenaer Wissenschaftler sicher.

Obwohl E-Learning und selbstgesteuertes Lernen bereits seit geraumer Zeit von Didaktikern, Politikern und Anwendern diskutiert wird, sei die Entwicklung dieser Lernmethoden keinesfalls ausgereift. Man ist sich vor allem uneinig darüber, wie Lernerfolg und Arrangement beim E-Learning zusammenhängen. Diesen Fragen geht Dr. Kanwischer nach, belegt und diskutiert Perspektiven und Grenzen dieser Konzepte, verliert dabei aber nie den Bezug zur traditionellen Gestaltungsweise der Lehr- und Lernmethoden. "In der Zukunft muss auch weiterhin stark auf die soziale Komponente, auf das Miteinander von Schülern und Lehrern beim Lernen geachtet werden", resümiert der Preisträger.

Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Friederike Enke, Dezember 2005