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Afrika für den Klimawandel wappnen

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 25.06.2014 11:45

Klimaexperten gehen davon aus, dass der Klimawandel die Landwirtschaft in Afrika besonders hart treffen wird. Wie man darauf am besten reagieren kann, wird im Forschungsprojekt WASCAL untersucht. Dabei spielt auch die Ausbildung afrikanischer Nachwuchswissenschaftler eine große Rolle.

Forschen in Afrika (von links): Katharina Stein, Jean-Bosco Benewinde Zoungrana, Gerald Forkuor und Michael Thiel. (Foto: Robert Emmerich)Ende Mai ist Jean-Bosco Benewindé Zoungrana (28) aus Burkina Faso in Würzburg angekommen. Der Geograph von der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi (Ghana) bleibt drei Monate hier, um seine Doktorarbeit weiter voranzubringen: Er beschäftigt sich am Lehrstuhl für Fernerkundung mit Satellitendaten und ihrer Verarbeitung zu hoch aufgelösten Landkarten, auf denen sich die Landnutzung in Westafrika detailliert erkennen lässt.

Zoungranas Projekt ist im afrikanisch-deutschen Forschungsverbund WASCAL (West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use) angesiedelt, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Der Verbund befasst sich seit 2012 mit der Frage, wie sich die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und die Ökosysteme in Westafrika abfedern lassen.

Fruchtbare Savannen in Gefahr

Hintergrund: In den Savannen Westafrikas sind Böden und Klima bislang so gut, dass dort Hirse, Mais, und andere wichtige Nutzpflanzen meist gut gedeihen. Doch ausgerechnet für diese Gebiete sagen die Klimaprognosen größere Schwankungen der Niederschläge voraus – ein Risiko für die Versorgung der Menschen mit Grundnahrungsmitteln und für ihren Lebensunterhalt. Wie lassen sich die Existenzgrundlagen in Westafrika nachhaltig sichern? Wie kann man Ackerbau und Ökologie in Einklang bringen? Solchen Fragen gehen die WASCAL-Projekte nach.

Was wächst wo in Westafrika: Mit ihren Karten können die Würzburger Geographen die Landnutzung sehr kleinräumig beschreiben. (Karte: Gerald Forkuor)Zehn westafrikanische Länder sind in WASCAL eingebunden, die Projektkoordination liegt beim Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn. Von der Universität Würzburg sind Teams der Professoren Stefan Dech (Lehrstuhl für Fernerkundung / Geographie) und Karl Eduard Linsenmair (Tierökologie und Tropenbiologie / Biozentrum) beteiligt. Beide Gruppen erforschen seit vielen Jahren die Landnutzung und die Biodiversität in Westafrika.

Wie werden die westafrikanischen Savannen überhaupt genutzt? Wo wird Ackerbau betrieben, wo gibt es Baumbestände? Welche Feldfrüchte wachsen wo? Und wie verändert sich die Situation über die Jahre hinweg? Solche grundlegenden Fragen klären die Würzburger Geographen unter Leitung von Dr. Michael Thiel mit Hilfe von Satellitendaten und immer besseren Landnutzungskarten.

Für 2013 haben die Forscher ihre Karten weiter verfeinert. „Wir haben erstmals Radardaten mit einfließen lassen, so dass wir seitdem auch wetterunabhängige Informationen verarbeiten“, sagt Thiel. Wichtig ist das besonders in der Regenzeit. Dann hängt eine dicke Wolkendecke über Westafrika, und die Satelliten können keine Fotos von der Erdoberfläche liefern.

Die Geographen wollen aber noch besser werden. Derzeit prüfen sie, ob sie weitere Erkenntnisse über die westafrikanische Landwirtschaft bekommen, wenn sie zusätzlich Daten vom Satelliten „Landsat“ verwenden, der die Erde mit unterschiedlichen Sensoren beobachtet. Genau bei diesem Projekt macht auch Doktorand Jean-Bosco Benewindé Zoungrana mit, der bis Ende August in Würzburg bleibt.

Capacity Building mit hohem Stellenwert

Das Beispiel des Doktoranden aus Burkina Faso macht deutlich: WASCAL räumt dem „Capacity Building“, also der Ausbildung afrikanischer Nachwuchswissenschaftler, einen sehr großen Stellenwert ein. Das Projekt beinhaltet gleich mehrere Graduiertenschulen für junge Forscher aus den zehn beteiligten Ländern.

Ein anderer Doktorand im Projekt ist Gerald Forkuor aus Ghana, der dauerhaft in der Würzburger Geographie arbeitet. Ausschließlich afrikanische Doktoranden sind im Biodiversitäts-Team von Professor Karl Eduard Linsenmair dabei. „Zwei sind von der Universität Ouagadougou, einer von der Universität in Abidjan“, sagt Projektmitarbeiterin Dr. Katharina Stein.

Grasland in Kenia. Auch im Osten Afrikas finden sich fruchtbare Savannengebiete. (Bild: Christopher T Cooper, Wikimedia Commons)Die Würzburger Tropenbiologen erforschen unter anderem, wie in den Savannen die Landschaft beschaffen sein muss, damit Bauern bestmöglich von den „natürlichen Dienstleistungen“ der Ökosysteme profitieren können – etwa von der Bestäubung ihrer Nutzpflanzen durch Insekten oder Fledermäuse. Katharina Stein konzentriert sich dabei auf den Anbau von Baumwolle und Sesam im Süden von Burkina Faso. „Diese Feldfrüchte sind dort echte ‚cash crops‘, also die Einkommensquellen schlechthin“, sagt sie.

Die Biologin und ihr Team befassen sich derzeit mit der Bestäubung von Baumwollpflanzen. Welche Bienenarten erledigen diese wichtige Arbeit? Welche Wildpflanzen müssen rund um die Felder vorhanden sein, damit es den Bienen gut geht? Das ist eine wichtige Frage, denn Baumwolle blüht nur sechs Wochen lang, so dass die Bienen in der restlichen Zeit ihre Nahrung aus anderen Quellen holen müssen.

Am Ende wissen die Biologen vielleicht, ob bestimmte Bäume unbedingt in der Savanne stehen bleiben und eben nicht abgeholzt werden sollten. Letzteres nämlich geschieht in großem Stil: Laut Stein werden nur im Umfeld der 50.000-Einwohner-Stadt Dano jedes Jahr rund 38.000 Tonnen Feuerholz verbraucht – allein für die Herstellung des traditionellen Dolo-Biers.


Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Juni 2014