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Forscher suchen nach Spuren für die Entstehung der Antarktis

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 16.12.2009 11:10

Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus Hannover brechen Mitte Dezember für zwei Monate zu einer Forschungsreise in die Antarktis auf. Ziel der Expedition ist das Transantarktische Gebirge im nördlichen Viktorialand sowie die Küstengebiete am Rossmeer.

Dort wollen die BGR-Forscher zusammen mit weiteren deutschen und australischen Wissenschaftlern im Rahmen von „GANOVEX X“, der zehnten „German Antarctic North Victoria Land Expedition“, neue Erkenntnisse über die geodynamischen Prozesse gewinnen, die zur Entwicklung des heutigen antarktischen Kontinents geführt haben.

Die Forschungsreise baut direkt auf den Ergebnissen der beiden Vorgängerexpeditionen „GANOVEX VIII“ (1999/2000) und „GANOVEX IX“ (2005/06) auf. „Von GANOVEX X erhoffen wir uns noch detailliertere Informationen zur geologischen Geschichte der Antarktis. Erkenntnisse, die uns helfen, auch heutige Prozesse, wie die weiterhin andauernden Veränderungen der antarktischen Platte, besser verstehen zu lernen“, erklärt Dr. Andreas Läufer, einer der beiden Expeditionsleiter der BGR. So suchen die Forscher geologische Spuren, mit denen sich die Entstehung und der Zerfall des einstigen Superkontinents Gondwana, zu dem die Antarktis bis vor ca. 180 Millionen Jahren gehörte, zurückverfolgen lassen. „Damals begann Gondwana auseinander zu brechen, begleitet durch die Eruption riesiger basaltischer Lavamengen“, erläutert Geologe Läufer. „Afrika, Indien, Australien und schließlich Südamerika lösten sich von Antarktika ab. Das führte nicht nur zu dessen isolierter Position am Südpol, sondern auch zu den heutigen Ozeanströmungen, die um die Antarktis zirkulieren und einen entscheidenden Einfluss auf das globale Klimasystem haben“, so Läufer.

Insgesamt 18 Wissenschaftler sowie Techniker und Logistikkräfte sind an der Expedition beteiligt. Bei der Untersuchung der eis- und schneebedeckten Gebiete werden geologische und geophysikalische Arbeitensmethoden kombiniert. Zum Programm gehören Einzelprojekte aus den Bereichen Sedimentologie, Geobiologie, Geochemie, Petrologie und Strukturgeologie sowie aerogeophysikalische Arbeiten und gravimetrische Messungen.

Für die aeromagnetischen Messflüge wird ein Expeditionshubschrauber mit einer Messsonde und Geräten zur Datenerfassung eingesetzt. „Um gezielt geologische Feinstrukturen bestimmen zu können, werden wir den Fluglinienabstand diesmal auf 500 Meter reduzieren“, erklärt Dr. Detlef Damaske, neben Läufer zweiter Expeditionsleiter der BGR. „Mit Hilfe dieses engmaschigen Messnetzes können wir Gesteinsschichten und Störungszonen unter dem Eis ausmachen“, so der Geophysiker.

Hauptbasis der Expedition ist die Gondwana-Station der BGR. Etwa 300 km weiter nördlich im Bereich des zentralen Rennick-Gletschers, des zweitgrößten Gletschers der Erde, bearbeiten die Sedimentologen von kleinen Zeltlagern aus etwa 300 bis 200 Millionen Jahre alte Sandsteinfolgen. Diese entstanden in einer Zeit, als die Antarktis schon einmal in Südpolnähe lag und von einem massiven Eispanzer bedeckt war, der aufgrund einer nachfolgenden globalen Erwärmung wieder vollständig abgeschmolzen ist.

Die Geophysik operiert hauptsächlich von einem größeren Basislager in der Mesa Range, nur etwa 150 Kilometer nördlich der Gondwana-Station. Daneben werden strukturgeologisch-petrologisch-thermochronologische Arbeiten von der Gondwana-Station und vom Expeditionsschiff „M/V Italica“ aus im Inland und entlang der Rossmeer-Küste  durchgeführt. Das Forschungsschiff wurde gemeinsam mit dem italienischen Antarktisprogramm gechartert.

Das GANOVEX-Programm der BGR wird seit 1979 mit dem Beitritt der Bundesrepublik zum Antarktisvertrag im nördlichen Viktorialand und im Rossmeer-Sektor der Antarktis durchgeführt. Die Polarexpeditionen der BGR werden in Kooperation mit deutschen und ausländischen Universitäten und Forschungseinrichtungen durchgeführt. So gehören zum Forscherteam von GANOVEX X auch Wissenschaftler der Universitäten Bremen, Jena, München, Düsseldorf, Newcastle (Australien) sowie vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Weitere Informationen zu diesem Thema findet ihr hier.


(Pressemitteilung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Dezember 2009)
Verweise
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