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Dem Megabeben auf der Spur

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 29.02.2012 16:47

Vor knapp einem Jahr, am 11. März 2011, ereignete sich vor der japanischen Küste das große Tohoku-Beben, das einen verheerenden Tsunami auslöste. In der Region des Epizentrums unternehmen deutsche und japanische Wissenschaftler jetzt eine Expedition mit dem Forschungsschiff SONNE. Vom 8. März bis zum 6. April 2012 untersuchen sie mit Hilfe moderner Tauchfahrzeuge, welche Spuren das Megabeben am Meeresboden hinterlassen hat. Das BMBF fördert diese Forschungsfahrt mit 1,5 Mio. €. Weitere beträchtliche Fördermittel stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Aussicht.

Ziel der Reise, die von Prof. Gerold Wefer, dem Direktor des MARUM, geleitet wird, ist es u.a., moderne Messinstrumente im Meeresgrund zu installieren, mit denen sich Entstehung und Verlauf solch großer Beben besser verstehen lassen. Die Expedition wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert. Bundesministerin Schavan kündigte die Hilfe der deutschen Wissenschaft zur Auswertung auch der Folgen des Bebens unmittelbar nach der Katastrophe an.

Der Tauchroboter MARUM-QUEST (Foto: MARUM, Universität Bremen)Auf zwei Fahrtabschnitten werden 33 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zunächst mit dem Tauchroboter MARUM-QUEST zwei Meeresboden-Observatorien in bereits früher abgeteuften Bohrlöchern installieren. Die Seismometer sollen zukünftige Erdbeben genau registrieren. Danach setzen sie das autonome Tauchfahrzeug MARUM-SEAL ein, das den Meeresboden mit seinem Fächerecholot in mehr als 2.000 Meter Wassertiefe hochgenau kartiert. Zudem wird das Forschungsschiff SONNE mehrere Messprofile in der Region des Epizentrums abfahren, die bereits 2004 und 1999 von japanischen Forschern genau vermessen wurden. So lassen sich die durch das große Beben 2011 verursachten Veränderungen am Meeresboden sehr präzise erfassen.

Auf dem zweiten Fahrtabschnitt ist das Wissenschaftlerteam u.a. im Japan-Graben aktiv: Dort beprobt es in über 7.000 Meter Wassertiefe den Meeresboden. Die Analyse der Meeresablagerungen gibt Aufschlüsse darüber, in welchen Mengen Sedimente durch das Erdbeben in den Tiefsee-Graben rutschten.

Zur Erinnerung: 150 lange Sekunden bebte die Erde am Nachmittag des 11. März 2011. Im Epizentrum rund 130 Kilometer vor der Küste der Insel Honshu entluden sich gewaltige Energien. Dort, am untermeerischen Japan-Graben, taucht die Pazifische Platte unter der Eurasischen ab. Das Beben erreichte die Stärke 9, weil an den ineinander verkeilten Plattengrenzen Energien freigesetzt wurden, die sich seit dem letzten Megabeben im Jahre 869 aufgestaut hatten.

Das Forschungsschiff SONNE (Foto: RF Forschungsschiffahrt GmbH, Bremen)Als Folge der Erschütterungen riss die Erdkruste in wenigen Minuten auf einer Länge von 400 Kilometern auf. Teile der Honshu-Küste wurden ruckartig um bis zu fünf Meter Richtung Osten versetzt. Am Rand des Japan-Grabens betrug der Versatz von Teilen der Erdkruste sogar über 50 Meter. Die plötzliche Platten-bewegung hob den Meeresboden auf einer Fläche von der Größe Schleswig-Holsteins um bis zu fünf Meter an. Untermeerische Rutschungen verfrachteten große Gesteinsmassen in den Japan-Graben.

„Ich bin dem BMBF und der DFG dankbar, das wir die Möglichkeit bekommen, gemeinsam mit unseren japanischen Kollegen die Auswirkungen des Megabebens auf Morphologie und Sedimenteigenschaften des Kontinentalhangs vor Honshu zu untersuchen“, sagt Prof. Wefer. „Die Expedition wird die Kooperation mit Japan in den Meereswissenschaften befruchten und als Grundlage für gemeinsame neue Projekte dienen.“

Am 6. April wird das deutsche Forschungsschiff SONNE wieder in Yokohama zurück erwartet, wo es gut einen Monat zuvor im Rahmen eines Empfangs der Deutschen Botschaft verabschiedet werden wird. Die Expedition kann in einem Online-Logbuch verfolgt werden.


Quelle: MARUM Bremen, Februar 2012