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Der direkte Draht in den arktischen Permafrost

erstellt von egoernert zuletzt verändert: 20.10.2015 09:15

Wie warm ist es derzeit im arktischen Permafrost auf Spitzbergen? Die Antwort ist nur einen Klick entfernt. Im Jahr 2012 schlossen AWI-Wissenschaftler der Forschungsstelle Potsdam die Langzeitmessstation Bayelva an das Datennetz des Instituts an. Die Temperatur des gefrorenen Bodens ist seitdem tagesaktuell abrufbar, auch Tausende Kilometer südlich der arktischen Inselgruppe. Unablässig misst die Bodenstation die Temperatur und die Bodenfeuchte des Permafrosts in verschiedenen Tiefen - bis zum Grund des zehn Meter tiefen Bohrlochs.

Ny-Ålesund aus der Vogelperspektive. (Foto: Joe Haschek)Seit Beginn der Messungen nahe der Forschersiedlung Ny-Ålesund im Jahr 1998 beobachten Wissenschaftler einen starken Tauprozess des Bodens. "Die Auftauschicht hat sich über die vergangenen 17 Jahre um 50 Zentimeter ausgedehnt", erklärt Dr. Julia Boike, Permafrostforscherin am Alfred-Wegener-Institut. Als Auftauschicht bezeichnet sie dabei jenen Teil des Bodens, der nicht dauerhaft gefroren ist und im Sommer auftaut. Inzwischen liegt dieser in den Sommermonaten bei bis zu 1,5 Metern Tiefe.

„Eigentlich befinden wir uns in Ny-Ålesund in einem Gebiet kontinuierlichen Permafrosts. Das heißt, in einer Region in der mindestens 90 Prozent des Bodens dauerhaft gefroren ist. Aber die Temperatur ist vergleichsweise warm. Während wir im Bayelva-Messfeld bei 10 Metern Tiefe eine Temperatur von minus 2,5 Grad Messen, liegt die Temperatur in derselben Tiefe in Sibirien bei minus zehn Grad Celsius“, erzählt Dr. Julia Boike.

Auf Grund seiner relativ warmen Temperatur, befindet sich der Permafrost auf Spitzbergen schon in einem so genannten Phasenwechsel. Das heißt, dass weniger Energie notwendig ist, um den gefrorenen Boden aufzutauen. Zudem befinden sich im Boden keine massiven Eisablagerungen, wie dies beispielsweise in Sibirien der Fall ist. „Tatsächlich zeigen unsere Messungen an verschiedenen Stellen an der Bodenoberfläche, dass es auf Spitzbergen bereits Flächen gibt, die im Jahresmittel über null Grad Celsius liegen und damit per Definition kein Permafrost mehr sind“, erläutert die Permafrost-Forscherin.


Quelle: AWI, Potsdam, Oktober 2015