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Deutschland vor dem Umbruch

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 31.08.2007 15:31

Deutschland ist eigentlich ein Land, dessen Waldbrandprobleme vergleichsweise gering sind. Nicht nur das Wetter, sondern auch die starke Kultivierung der Landschaft, ihre dichte Besiedlung und ein insgesamt hohes Umweltbewusstsein auf dem Lande sorgen dafür, dass Feuer selten auftreten und sich nicht zu stark ausbreiten können. Dennoch deuten sich hierzulande Probleme an, die in den Mittelmeerländern bereits Realität sind.

Worunter Spanien, Portugal, Italien oder Griechenland schon seit langem leiden, das dürfte in Deutschland noch kommen. Wandel von Klima und Gesellschaft werden dabei zusammenspielen. Die wichtigsten gesellschaftlichen Trends sind der Rückzug der Landwirtschaft und die Tendenz, vom Land in die Stadt zu ziehen. "Wir haben in Südeuropa zwar eine wesentlich stärkere Landflucht, aber in Deutschland gibt es auch das Höfesterben", warnt der Feuerökologe Johann Georg Goldammer vom Max-Planck-Institut für Chemie in Freiburg.

Weil die Wälder wesentlich schlechter bewirtschaftet werden als noch vor 20 oder 30 Jahren, verbuschen sie, es bilden sich große Mengen von Unterholz, das früher als Brennholz aus dem Wald geschafft wurde, jetzt dort bleibt und im Sommer die Nahrung für Waldbrände darstellt. Zwischen den nach wie vor vergleichsweise kleinen Waldstücken bilden aufgegebene landwirtschaftliche Flächen "Feuerbrücken", die das Feuer weitertragen können. Goldammer: "Diese Situation ist schon jetzt in den südeuropäischen Ländern besonders ausgeprägt und einer der Gründe dafür, dass es dort in diesen Jahren zunehmend intensiv und unkontrollierbar brennt." Besonders kritisch sieht der Experte die Gefahr, dass so genannte Offenlandschaften, also nur locker mit Bäumen und Büschen bestandene Gebiete wie Heiden oder Weiden vom Wald zurückerobert werden. Das führt nicht nur zum Verlust von wertvollen Ökosystemen, sondern erhöht auch die Brandgefahr.

Trotz der steigenden Gefahr befürchtet der Experte, dass es schwieriger werden wird, einen entstandenen Brand zu bekämpfen. "Das Rückgrat der Brandbekämpfung im ländlichen Raum sind ja immer noch die freiwilligen Feuerwehren", so Goldammer, "und viele haben Nachwuchsprobleme." Zudem werden immer mehr Wehren zu größeren Einheiten zusammengelegt, die einen entsprechend weiteren Anfahrtsweg haben. "Das kann unter dem Strich dazu führen", warnt der Feuerökologe, "dass die Feuerwehren in Zukunft vielleicht nicht mehr so schnell reagieren und vor Ort sein können."

Berücksichtigt man dann noch die Prognosen der Klimaexperten über die Konsequenzen des globalen Klimawandels für Deutschland, wird das Bild noch ein Stück düsterer. Häufigere Trockenzeiten, häufigere Starkregen und stärkere Winde setzen die Wälder unter erhöhten Stress. Manche Baumarten werden den nicht aushalten und an vielen Stellen, an denen sie heute noch vorkommen, eingehen. "Wir sehen das ja jetzt schon in den letzten Jahren, dass der 'Brotbaum' der Forstwirtschaft in Deutschland, die Fichte, durch die Trockenheit und anschließend auch durch den Borkenkäfer ausgefallen ist", erklärt Goldammer. Das geschah etwa auf trockenen Standorten am Oberrhein oder auf Südhanglagen in der Vorbergzone des Schwarzwalds. Wie der Fichte wird es auch einigen anderen Arten gehen, die allerdings im Gegensatz zu dem Nadelbaum als Paradebeispiele für naturgemäße Waldwirtschaft gelten - beispielsweise die Buchen und Eichen. Die Waldbrandgefahr wird durch diesen Umbruch ebenfalls erhöht, denn schließlich bleiben die abgestorbenen Bäume erst einmal im Wald und stellen zusätzliche Nahrung für das Feuer dar.