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Ein weiterer Wächter ist im All

erstellt von eschick zuletzt verändert: 08.03.2017 10:21

Die Erde fest im Blick: Der Satellit Sentinel-2B des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus ist erfolgreich gestartet. Zusammen mit seinem "Zwillingssatelliten" Sentinel-2A verdoppelt der neue Umweltwächter die Aufnahmefrequenz. Jeder Punkt der Erde wird alle fünf Tage erfasst und Veränderungen der Oberfläche kontinuierlich und langfristig dokumentiert. Eine hochauflösende optische Kamera ermöglicht es dem Satelliten, wichtige Informationen für die weltweite Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, aber auch für die Raumplanung und die Katastrophenhilfe zu liefern. Mission zeigt konkreten Beitrag der Raumfahrt zur Lösung globaler Herausforderungen.


Start von Vega mit Sentinel-2B. (Bild: DLR)

Start von Vega mit Sentinel-2B. (Bild: DLR)

Knapp zwei Jahre nach seinem "Zwillingssatelliten" ist am 7. März 2017 um 2.49 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (6. März, 22.49 Uhr Ortszeit) der europäische Erdbeobachtungssatellit Sentinel-2B an Bord einer Vega-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof der ESA in Kourou (Französisch-Guyana/Südamerika) zu seiner Mission gestartet. Der zirka 1,1 Tonnen schwere Satellit soll aus 786 Kilometern Höhe von einem sonnensynchronen Orbit unsere Erde beobachten und vor allem Veränderungen der Landoberfläche und der Vegetation zwischen 84 Grad nördlicher und 56 Grad südlicher Breite dokumentieren: Reicht die Ernte für die Bevölkerung aus? Wie intensiv sollten Bauern düngen? Wie gesund sind unsere Wälder? Sentinel-2B beobachtet alle Landflächen der Erde außer der Antarktis, einschließlich aller Inseln, die zur EU gehören und allen weiteren Inseln, die größer als 100 Quadratkilometer sind; aber auch Küstenzonen, sämtliche Binnengewässer, das Mittelmeer und weitere abgeschlossene Meere.

Der ESA-Weltraumbahnhof in Kourou, Südamerika. (Bild: DLR)

Der ESA-Weltraumbahnhof in Kourou, Südamerika. (Bild: DLR)

Mit seiner hochauflösenden optischen Kamera ist Sentinel-2B in der Lage, Tag für Tag wichtige Informationen für die weltweite Land-, Forst- und Wasserwirtschaft, aber auch für die Raumplanung und die Katastrophenhilfe zu liefern. Hier zeigt sich einmal mehr, welchen wichtigen Beitrag die Raumfahrt zur Lösung globaler Herausforderungen leistet", verdeutlicht Dr. Gerd Gruppe, Vorstand des DLR-Raumfahrtmanagements. "Die Kombination aus insgesamt 13 hochauflösenden Spektralkanälen, einem mit 290 Kilometern sehr großen Sichtfeld und einer regelmäßigen weltweiten Abdeckung alle fünf Tage macht die Zwillingssatelliten Sentinel-2A und -B so interessant für neue Anwendungen. Damit setzt das Programm neue Standards für moderne Umweltmissionen im optischen und nahen Infrarotbereich."

Die Sentinel-Satelliten sind Teil des Copernicus-Programms der Europäischen Kommission. Es dient der Sammlung und Auswertung von Fernerkundungsdaten der Erde. Die Daten werden Behörden, Unternehmen, der Wissenschaft und allen interessierten Bürgern seit Beginn des Programms 2014 kostenlos zur Verfügung gestellt. Die ESA hat im Auftrag der Europäischen Kommission für die Entwicklung der beiden Sentinel-2-Satelliten 339 Millionen Euro investiert. Deutschland ist mit gut 32 Prozent an diesen Entwicklungen beteiligt - das DLR-Raumfahrtmanagement betreut im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) die entsprechenden ESA-Programme. Insgesamt gehören vier optische Setinel-2-Satelliten zur am Ende 20-köpfigen Copernicus-Satellitenfamilie. Sentinel-2A ist seit dem 23. Juni 2015 im All, Sentinel-2C und -D sollen ab 2022 folgen. Sentinel-2B verdoppelt zusammen mit Sentinel-2A sowohl Aufnahmefrequenz - jeder Punkt der Erde wird nun alle fünf Tage erfasst - als auch die Ausfallsicherheit, beides zentrale Anforderungen der Nutzer von Copernicus.

Die Ötztaler Alpen: Derart hochauflösende Aufnahme gelingen mit Sentinel-2A und dem neuen Satelliten. (Bild: DLR)

Die Ötztaler Alpen: hochauflösende Aufnahme von Sentinel-2A. (Bild: DLR)

Das "Auge" der Sentinel-2-Satelliten - der so genannte multispektrale Imager (MSI) - kann hochauflösende optische Bilder im sichtbaren, nahen und kurzwelligen Infrarotbereich generieren. Der MSI liefert Aufnahmen in einem 290 Kilometer breiten Abtaststreifen - das ist deutlich mehr als andere Erdbeobachtungssatelliten schaffen. "Die Sentinel-2-Satelliten nehmen dabei nicht nur die für das Auge sichtbaren Farben auf, sondern auch den Nah-Infrarotbereich, der uns Aufschlüsse über den Gesundheitszustand und das Wachstum der Pflanzen liefert. Dies ermöglicht zum Beispiel einen gezielteren Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft sowie eine Verbesserung der Ernteprognosen und letztlich auch der weltweiten Ernährungssicherheit. Sentinel-2 wird zudem Informationen zum Zustand der Wälder und Binnengewässer liefern - wichtige Grundlagen, um zum Beispiel auch dem weltweiten Druck auf die natürlichen Ressourcen entgegenzuwirken", veranschaulicht Dr. Jörn Hoffmann, der Copernicus-Programmleiter im DLR-Raumfahrtmanagement. Das Konzept der Sentinel-Missionen sieht vor, jeweils zwei operative Satelliten einer Serie zu betreiben. Mit Sentinel-2B ist jetzt der zweite Satellit gestartet. Dies sichert die Datenkontinuität und soll eine langfristige Versorgung mit Erdbeobachtungsdaten bis in die 2030er Jahre gewährleisten.


Quelle: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt Bonn, März 2017