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Ende einer Ära

erstellt von holgerkroker zuletzt verändert: 09.02.2012 12:42

Die Isolation des Wostoksees ist durchbrochen, denn die russische Bohrung hat die Seeoberfläche erreicht. Das Institut für arktische und antarktische Forschung in Moskau bestätigte offiziell, was bereits seit einigen Tagen kursierte: Das Bohrteam hat Sonntagnachmittag, 17:25 Uhr mitteleuropäischer Zeit die letzte Eisschicht über dem größten subantarktischen See überwunden.

Der Wostoksee vom US-Satelliten Radarsat gesehen (© Nasa/GSFC).Wie erwartet schoss das unter Druck stehende Seewasser das Bohrloch empor und verschloss es sofort wieder mit einem 30 bis 40 Meter starken Eispfropfen. Ob die Russen auch schon Proben dieses Wassers gezogen haben, blieb unklar. Das Antarktis-Institut in Moskau sprach in seiner ausschließlich auf Russisch verbreiteten Pressemitteilung nur davon, dass man im kommenden antarktischen Sommer 2012/13 zurückkehren und Proben nehmen wolle. Bereits am Samstag war der Bohrkopf bei einer Tiefe von 3763,6 Meter auf flüssiges Wasser gestoßen, doch dabei scheint es sich um eine Wasserlinse knapp oberhalb der eigentlichen Seeoberfläche gehandelt zu haben. Das Team bohrte jedenfalls noch einige Meter weiter und traf dann auf den tatsächlichen See. Aus der Fachwelt kamen vor allem Gratulationen. "Ich beglückwünsche das russische Team für das erfolgreiche Ende dieser Phase", schrieb etwa Martin Siegert, Professor an der Universität Edinburgh und Leiter des Bohrprojektes in den Ellsworth-See, "wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den russischen Wissenschaftlern, wenn sie nächstes Jahre Proben entnehmen."

Der obligatorische Wegweiser der russischen Wostok-Station in der Antarktis.
Siegerts Ellsworth-Projekt tritt nächstes Jahr in die "heiße Phase" ein. Dann soll dieser westantarktische See mit hochmoderner Ausrüstung angegangen werden. Ein drittes Projekt unter US-Leitung zielt auf den Whillans-Eisstrom, ebenfalls in der Westantarktis. Alle drei Projekte werden bereits seit Jahren verfolgt. Die Vorbereitungen für das Anbohren des Wostoksees begannen bereits 1990, als ein erstes tiefes Loch in den an dieser Stelle fast vier Kilometer dicken Eisschild gebohrt wurde. Der Fortgang des Unternehmens wurde nicht zuletzt durch intensive Diskussionen über seine Auswirkungen auf das subantarktische System verzögert. Die Auseinandersetzungen entzündeten sich an der konventionellen Bohrtechnik, die die Russen eingesetzt haben. Dabei wird mit viel Kerosin und anderen Begleitstoffen verhindert, dass das Bohrloch zufriert und der Bohrkopf stecken bleibt. "Das Risiko ist, dass diese Bohrflüssigkeit schließlich in den See gelangt und ihn verschmutzt", kritisiert etwa Wladimir Tschuprow von Greenpeace Russland gegenüber BBC. Ebenfalls angesprochen wurde die Gefahr, dass mit dem Bohrer Bakterien von der heutigen Oberfläche in den See gelangen, der seit rund 15 Millionen Jahren von Eis bedeckt ist. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Befürchtungen bewahrheiten. Gegenwärtig verhindert das der Eispfropfen aus Seewasser, der die unteren paar Dutzend Meter des Bohrloches verstopft.

Das britische Camp über dem Ellsworth-See in der Westantarktis (© NERC/BAS).Das Ellsworth-Projekt setzt hingegen auf eine komplett andere Technologie, was mit der Grund für die 15 Jahre Planungs- und Vorbereitungszeit war. Das Eis über dem westantarktischen See soll eher durchschmolzen als durchbohrt werden. Dabei bildet der wieder erstarrende Eispanzer eine natürliche Barriere hinter dem Gerät, das sich überdies nur mit Hilfe von nahezu kochendem Wasser durch den Eisschild schmilzt. Vor 14 Tagen sind die Ingenieure zurückgekehrt, die im zu Ende gehenden antarktischen Sommer den Bohrplatz für das Projekt im kommenden Sommer vorbereitet haben. 70 Tonnen Gerät wurde mit einem starken Traktor-Zug über 250 Kilometer hinweg an den Ort über dem Ellsworth-See transportiert, von dem aus die Bohrkampagne starten wird.

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