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"Weiße Flecken" im Indischen Ozean erforschen

erstellt von Lisa Hölzer zuletzt verändert: 16.08.2017 17:41

BGR-Wissenschaftler starten in der nächsten Woche zu einer 50-tägigen Schiffsausfahrt in das deutsche Lizenzgebiet im Indischen Ozean. Dort suchen sie nach neuen Vorkommen von Sulfiderzen. Es ist die mittlerweile vierte Explorationsreise seit Unterzeichnung des Lizenzvertrages im Mai 2015 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

 

Das neue Forschungsschiff SONNE. (Bild: Meyer Werft)

Das neue Forschungsschiff SONNE. (Bild: Meyer Werft)

 

Ausgangspunkt der Expedition mit insgesamt 37 Forschern und Technikern ist die Hauptstadt von Sri Lanka, Colombo. Als Forschungsplattform dient diesmal das neue deutsche Forschungsschiff "SONNE" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ziel der Arbeiten sind bisher kaum untersuchte Abschnitte am Südost-Indischen Spreizungsgraben, drei Tagesreisen von Mauritius entfernt. "Wir betreten mit den Arbeiten in diesem wenig untersuchten Teil des indischen Grabensystems wissenschaftliches Neuland. Noch sind es "weiße Flecken" in der Tiefsee. Aber unsere bisherigen Untersuchungen in den Nachbargebieten lassen darauf schließen, dass wir hier tatsächlich sulfidische Erzablagerungen finden werden", erklärt BGR-Fahrtleiter Dr. Ulrich Schwarz-Schampera.

Mit Hilfe sensorgestützter Geräte sollen in bis zu 4.000 Meter Tiefe neue Erzfelder identifiziert werden. Die Vorkommen an Kupfer und Zink, Gold sowie anderen wichtigen wirtschaftsstrategischen Metallen wie Indium, Gallium, Selen oder Tellur entstehen an untermeerischen Zonen der ozeanischen Kruste, an denen bis zu 400 Grad heiße metallreiche Lösungen austreten. Die physikalischen und chemischen Signale der Fluide werden bei den Untersuchungsarbeiten von hochsensiblen Sensoren in der Wassersäule erfasst. Schiffsgeschleppte Messeinrichtungen erstellen daraufhin ein zentimetergenaues Abbild des Meeresbodens und lokalisieren die Austrittsgebiete. Anhand dieser aktiven Lösungsaustritte an den sogenannten Schwarzen Rauchern lassen sich schließlich im geologischen Umfeld die für die eigentliche Exploration bedeutsamen inaktiven Erzvorkommen finden. Videogeführte Geräte helfen bei dieser Schatzsuche am Meeresboden.

 

Schwarze Raucher am Meeresgrund.(Bild: NOAA/Richard Lutz Rutgers)

Schwarze Raucher am Meeresgrund. (Bild: NOAA/Richard Lutz Rutgers)

 

Ein zentraler Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit auch bei dieser Ausfahrt ist die Erfassung von Umweltbasisdaten für das Lizenzgebiet. Hierzu gehören die Dokumentation der biologischen Artenvielfalt wie auch die Ermittlung von Strömungsdaten, Sedimentationsraten und saisonalen Variationen in der Wassersäule. Unterstützt werden die BGR-Forscher bei diesen Arbeiten einmal mehr von mehreren wissenschaftlichen Institutionen. Dazu gehören das Deutsche Zentrum für marine Biodiversitätsforschung Wilhelmshaven, das GEOMAR – Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel sowie die Universität Hamburg, HafenCity Universität Hamburg, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Universität Bremen sowie Vertreter der Internationalen Meeresbodenbehörde.

Hier auf planeterde werden die Forscherinnen und Forscher um Fahrtleiter Ulrich Schwarz-Schampera während der Ausfahrt von ihrer Arbeit und dem Leben an Bord berichten. Mehr dazu in Kürze unter Logbücher.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), August 2017