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Erste Bewährungsprobe für Golden Eye

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 10.10.2014 11:11

Das "Golden Eye", ein neuartiger Sensor für die Tiefseeforschung aus Bremen, hat seine ersten Tests in der Nordsee erfolgreich absolviert. Die ringförmige Plattform aus leuchtend gelbem Glasfaserkunststoff ist mit einem dreieinhalb Meter großen Elektromagnetik-Sensor und Kameras ausgestattet und kann bis in 5.000 Meter Tiefe abgesenkt werden. Dr. Hendrik Müller und der Ingenieur Christian Hilgenfeldt aus dem Team von Professor Tilo von Dobeneck haben es für die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) entwickelt und nun erstmals eingesetzt. Die BGR wird das universell für die Meeresbodenkartierung nutzbare Profilersystem im kommenden Jahr zur Erforschung mariner Massivsulfid-Lagerstätten im Indischen Ozean verwenden.

Golden Eye am schiffseigenen Windensystem. (Bild: K. Reeck/Uni Bremen)Die Bremer Wissenschaftler waren Teilnehmer der vierten Erprobungsfahrt des neuen multidisziplinären Forschungsschiffes „SONNE“. In Bremerhaven haben sie die Komponenten des „Golden Eye“ an drei Tagen aufgebaut und mit dem schiffseigenen Winden- und Datensystem verbunden. Der erste Einsatz erfolgte im sogenannten Helgoländer Schlickloch. „Es war schon ein aufregender Moment, als wir im Kontrollraum die ersten Videobilder und Daten vom Grund der Nordsee sehen konnten“, sagt der Geophysiker Dr. Hendrik Müller. Mit seiner großen Spule erzeugt das Gerät elektrische Wirbelströme im Meeresboden. So können die Forscher elektrisch leitende sowie magnetisierbare Strukturen im Untergrund vermessen und Aussagen über Aufbau und Materialeigenschaften der oberen zehn Meter des Meeresbodens treffen. Weitere Testgebiete waren eine 450 Meter tiefe Stelle im Skagerrak und das Devil’s Hole vor Schottland. 2015 soll „Golden Eye“ unter Regie der BGR erstmals im Indischen Ozean in 2.000 Meter Wassertiefe großflächig eingesetzt werden. Dort hat die Bundesrepublik ein Lizenzgebiet erworben, in dem sie neben Kupfer und Nickel das Vorkommen wertvoller Spurenmetalle wie Kobalt, Germanium, Indium, Selen und Tellur erforscht. Diese Elemente sind für die elektronische Industrie überlebenswichtig. Sie sollen zukünftig unter ökologischen Auflagen gefördert werden.

Golden Eye an Bord des neuen Forschungsschiffes SONNE. (Bild: Konstantin Reeck/Universität Bremen)Bei der Erkundung am Meeresboden steht ein nachhaltiges und ökologisch vertretbares Förderkonzept im Vordergrund. Dazu erläutert Professor Tilo von Dobeneck, Leiter des Fachgebietes Marine Geophysik der Universität Bremen: „Das neue System ist hinsichtlich seiner Grundkonzeption keineswegs nur für die Erkundung von Tiefsee-Lagerstätten nutzbar. Es ist auch in der Grundlagenforschung universell zur Charakterisierung von Porosität und mineralischer Zusammensetzung des Meeresbodens einsetzbar. Mit integrierten Kamerasystemen soll es zukünftig zudem die Möglichkeit bieten, nur einen Meter über dem Meeresboden schwebend dessen Besiedlung mit makroskopischen Lebensformen detailliert fotografisch zu erfassen und so die ökologische Schutzbedürftigkeit der Fläche zu bewerten. Durch dieses Konzept können zukünftig Lagerstättenerforschung und Umweltmonitoring Hand in Hand gehen.“

Forschung an innovativen Sensorsystemen

Am Fachgebiet Marine Geophysik der Universität Bremen werden schon seit acht Jahren innovative Sensorsysteme zur Vermessung der elektrischen und magnetischen Eigenschaften des Meeresbodens entwickelt. Weltweit sind die Bremer Meeresforscher mit ihrem kleineren Multisensor-Profiler „MARUM Neridis“ in Küsten- und Schelfmeeren aktiv. 2012 konnten sie nach dem verheerenden Unglück des Containerschiffes RENA eine detaillierte Erfassung der Sedimentzusammensetzung, Besiedelung und Kontamination des Meeresbodens vor Neuseeland liefern.

Das 116 Meter lange und 21 Meter breite neue Forschungsschiff „SONNE“ wird vom 13. bis 28. November 2014 auf seiner Open Ship Tour in Wilhelmshaven, Bremerhaven, Bremen, Hamburg, Warnemünde und Kiel der Öffentlichkeit präsentiert. In Bremen ist die „SONNE“ am Dienstag, 18. November 2014, von 16 bis 20 Uhr und am Mittwoch, 19. November, von 10 bis 15 Uhr im Getreidehafen zu besichtigen. „Golden Eye“ wird auch an Bord sein.


Quelle: Universität Bremen, Oktober 2014