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Expedition in die Urzeit

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 20.10.2011 15:16

Ein internationales Forscherteam untersucht während einer sechswöchigen Expedition nach Neuseeland und Neukaledonien erstmals systematisch die Bernsteinvorkommen der Region. Die Wissenschaftler unter Leitung des Paläontologen Dr. Alexander Schmidt vom Courant Forschungszentrum Geobiologie der Universität Göttingen erhoffen sich davon Aussagen über die Entwicklung der Ökosysteme Neuseelands. Für Paläontologen sind Bernsteine der südlichen Halbkugel besonders interessant, da sich die meisten bisher bekannten Vorkommen auf der Nordhalbkugel befinden.

Harzausflüsse an neukaledonischen AraukarienstämmenIn Zusammenarbeit mit Kollegen der neuseeländischen University of Otago wollen die Forscher die aufgespürten Bernsteine vor Ort in ihrem geologischen Zusammenhang bewerten. Zudem sollen die mit den Harzen verbundenen Pflanzen bestimmt werden. „Bernstein konserviert verschiedenste Organismengruppen, von Einzellern bis hin zu Insekten und Pflanzenresten“, erklärt Dr. Schmidt. „Durch den oft außerordentlich guten Zustand der Einschlüsse im Bernstein können wir diese direkt mit den heute lebenden neuseeländischen Arten vergleichen. Wir wollen herausfinden, ob die 20 Millionen Jahre alten Fossilien direkte Vorfahren der Arten heutiger neuseeländischer Waldökosysteme sind, oder ob es statt einer solchen kontinuierlichen Entwicklung vielleicht zu einer mehrfachen Wiederbesiedlung der Inseln kam, zum Beispiel nach Aussterbeereignissen in der Tier- und Pflanzenwelt.“

Für die Interpretation der im Bernstein eingeschlossenen Fossilien und für die Bewertung der urzeitlichen Ökosysteme ist es entscheidend zu wissen, wie die Organismen in das Baumharz gelangt sind und wie „typisch“ diese Harzeinschlüsse für die erdgeschichtlichen Waldökosysteme sind. Deshalb forschen die Paläontologen nach ihren Studien auf der Südinsel Neuseelands auch auf der benachbarten Insel Neukaledonien. „Die tropischen Waldökosysteme dieser Insel werden noch heute durch Koniferen dominiert“, so Dr. Leyla Seyfullah, Spezialistin für fossile Samenpflanzen an der Universität Göttingen. „Einige der neukaledonischen Koniferen produzieren große Harzmengen. Dadurch haben wir die Möglichkeit, direkt an heute lebenden Arten zu untersuchen, unter welchen Bedingungen die Bernsteineinschlüsse entstehen.“ Die Wissenschaftler wollen außerdem erforschen, wie lange molekulare Strukturen wie DNA und Proteine im Baumharz erhalten bleiben, ob sie Millionen Jahre überdauern können oder bereits viel früher degenerieren.

Harzreicher Araukarienwald auf NeukaledonienDas Forscherteam, dem neben den Göttinger Wissenschaftlern auch ein französischer Spezialist für fossile Insekten und ein finnischer Experte für Pilze und Flechten angehören, erhofft sich durch die Expedition ganzheitliche Einblicke in die „Bernsteinwälder“ des südlichen Pazifiks. „Unsere Untersuchungen werden unser Bild dieser terrestrischen Ökosysteme erhellen und viele offene Fragen beantworten“, so Dr. Schmidt. „Beispielsweise wissen wir immer noch nicht, warum Bäume in bestimmten Abschnitten der Erdgeschichte überhaupt so übermäßige Harzmengen produziert haben. Derzeit werden als mögliche Ursachen Klimaschwankungen, Feuer, Krankheitserreger oder Insektenbefall angenommen.“ Die Forscher werden voraussichtlich Anfang Dezember wieder zurück in Deutschland sein und erste Ergebnisse ihrer Expedition präsentieren.


Quelle: Georg-August-Universität Göttingen, Oktober 2011

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