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Forscher untersuchen geologischen Aufbau der Nordsee

erstellt von rduechting zuletzt verändert: 19.06.2009 08:47

Ein elfköpfiges Team bricht am Sonntag von Emden aus mit dem Forschungsschiff „RV Celtic Explorer“ zur ersten Expedition im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts „Geopotenzial Deutsche Nordsee“ (GPDN) auf. Ziel des GPDN-Projekts ist es, die Deutsche Nordsee als Wirtschaftsraum systematisch zu erschließen.

Die Wissenschaftler und Techniker der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) wollen vom 24. Mai bis zum 10. Juni im deutschen Gebiet der Nordsee seismische Untersuchungen durchführen und Proben vom Meeresboden nehmen.

Die Ergebnisse sollen in ein neues „Geoinformationssystem Nordsee“ einfließen, dessen Daten ab dem Jahr 2013 auf einer Internet-Plattform Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden zur Verfügung stehen. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr mit insgesamt rund 5 Millionen Euro finanziert. Partner aus Industrie, Forschung und Fachverwaltungen unterstützen das Vorhaben.

„Es geht darum, Wirtschaft und Wissenschaft grundlegende Geoinformationen zugänglich zu machen, um so eine nachhaltige Entwicklung der Nordsee als Wirtschafts- und Naturraum
zu ermöglichen“, erklärt Expeditionsleiter Lutz Reinhardt von der BGR. Auf der Forschungsfahrt werden Reinhardt und seine Kollegen Sedimentkerne aus dem Meeresboden ziehen. „Dazu wird ein Vibrationskerngerät an einem Stahlseil bis zu 65 Meter tief ins Wasser gelassen. Am Gerät ist ein Elektromotor angebracht, der das Kernrohr durch Rüttelbewegungen sechs Meter tief in den Grund treibt. Anschließend wird das mit dem Sedimentkern gefüllte Stahlrohr mit Hilfe der Schiffswinde an Bord gehievt“, beschreibt Reinhardt das Prinzip der Probennahme.

Während die Bohrkerne von den Geologen tagsüber gezogen werden, übernehmen die Geophysiker während der Nachtschicht die seismische Vermessung des Meeresbodens. BGR-Expeditionsleiter Reinhardt: „Die Signale dringen bis zu 50 Meter tief in den Nordseeuntergrund ein und werden dort von lockeren Ablagerungen reflektiert. An der Wasseroberfläche fangen Hydrophone die Schallwellen wieder auf. Ein Computer erzeugt mit Hilfe dieser Signale ein akustisches Bild vom Meeresboden.“

Die Ergebnisse der Expedition sollen bereits vorhandene Geoinformationen aus Archiven ergänzen. Aus dem gesamten Datensatz entwickeln die Wissenschaftler dreidimensionale Modelle, die den Aufbau des geologischen Untergrundes der Nordsee zeigen. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Meeresbodenverhältnisse besser analysieren. Dies erleichtert künftige Planungen im Offshore-Bereich.

Von den Informationen profitieren die deutsche Energie- und Rohstoffwirtschaft bei der Erkundung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten oder Sand- und Kiesvorkommen. Wichtige Grundlagen liefert das Projekt aber auch für den weiteren Ausbau von Offshore- Windenergieparks, für die künftige Speicherung von Energie, die Planung von Leitungstrassen für Pipelines und Seekabel sowie für die CO2-Speicherung im tiefen geologischen Untergrund.


(Pressemitteilung vom Geozentrum Hannover, Bild: Wikimedia Commons, Mai 2009.)

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