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Geothermie für 30 Millionen Haushalte

erstellt von eschick zuletzt verändert: 08.06.2016 15:34

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und die Afrikanische Union starten ein neues Geothermie-Programm: Erdwärme aus dem ostafrikanischen Graben könnte künftig mehr als 30 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Wissenschaftler der BGR schätzen das geothermische Potenzial der elf Anrainerstaaten auf mehr als 15 Gigawatt. Zum Vergleich: Ein normales Kernkraftwerk produziert in Deutschland etwa ein Gigawatt.

Um das enorme Potenzial der Erdwärme in Ostafrika nachhaltig zu nutzen, unterstützt die BGR jetzt im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit der Afrikanischen Union die Staaten des ostafrikanischen Grabens mit einem neuen Geothermie-Vorhaben. Im Rahmen des Programms beraten BGR-Experten bei der konkreten Umsetzung von Erdwärme-Projekten. Dazu zählen vor allem die Vorerkundung, die Projektplanung und Fortbildungsmaßnahmen.

Geothermie hat das Potential, Strom für bis zu 30 Millionen Haushalte in das kenianische Stromnetz einzuspeisen. (Bild: Ch.-T. Cooper/Wiki Commons)

Geothermie hat in Kenia enormes Potential. (Bild: Cooper/Wiki Commons)

Das neue Vorhaben knüpft an das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte GEOTHERM-Programm der BGR an, das im Juli 2016 ausläuft. Im Rahmen dieses Vorhabens hat die Bundesanstalt seit 2003 in Afrika geothermische Untersuchungen an Land und aus der Luft vorgenommen, zur Positionierung von Erdwärme-Bohrungen beraten und Weiterbildungen durchgeführt. Dadurch sind beispielsweise in Kenia mittlerweile 627 Megawatt geothermische Leistung installiert. Das ist fast das doppelte der installierten Leistung des Braunkohlekraftwerks Buschhaus bei Helmstedt in Niedersachsen.

Zum Abschluss des GEOTHERM-Vorhabens hat die BGR jetzt noch gemeinsam mit der Afrikanischen Union einen Leitfaden zur technischen Sicherheit sowie dem Arbeits- und Umweltschutz bei geothermischen Bohrungen entwickelt. „The African Union Code of Practice for Geothermal Drilling“ wird am 14. Juni 2016 während des „East Africa Regional Geothermal Ministerial Meeting“ bei der Afrikanischen Union offiziell vorgestellt und den Regierungen der Mitgliedsstaaten übergeben.

Arbeiter am Erdwärmekraftwerk Olkaria/Kenia. (Bild: Lydur Skulason/Wiki Commons)

Arbeiter am Erdwärmekraftwerk Olkaria/Kenia. (Bild: Lydur Skulason/Wiki Commons)

 

Das neue Regelwerk gibt vor, wie eine Geothermie-Bohrung von der Entwicklungs- über die Betriebsphase bis zur Stilllegung und Verfüllung durchzuführen ist. „Der Leitfaden wird sich in der Region auch unter Kreditgebern, Investoren, Bohrunternehmen, Rückversicherern und Energieversorgern als Referenz für Finanzierungs- und Haftungskriterien herausbilden“, so Dr. Georg Mayer, der Vertreter der BGR bei der Afrikanischen Union in Addis Abeba.

Der „Code of Practice“ enthält eine Übersicht existierender und technischer Standards für die amerikanische Öl-, Gas- und Geothermie-Industrie. Es folgen Anleitungen für die Einrichtung von Bohrplätzen (Logistik, Zuwegung, Wasserversorgung), das Abteufen und den Ausbau (Verrohrungsplanung, Druck, Temperatur, Teufen, Durchmesser, Zementation) einer Bohrung, die Ausrüstung, das Zubehör, die Bohrlochmessungen, das Testverfahren, die Förderbohrungen während der Betriebsphase, die Bohrlochverfüllung, die Kriterien für das Monitoring, das Datenmanagement und die Dokumentation.

Olkaria I, seit 1981 in Kenia in Betrieb, ist Afrikas erstes Geothermiekraftwerk. (Bild: BGR)

Das 45 MW Geothermiekraftwerk Olkaria I, Kenia, ging in der ersten Ausbaustufe bereits 1981 in Betrieb und ist somit Afrikas erstes Kraftwerk dieser Art. (Bild: BGR)

In Dschibuti, Kenia, Tansania sowie auf den Komoren wird das Regelwerk im Juni unmittelbar zum verbindlichen Standard. Auf nationaler Ebene werden die Regierungen und Behörden der Region in den kommenden Monaten von der Afrikanischen Union und der BGR bei der Einführung und Anwendung des „Code of Practice“ beraten und unterstützt.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, Juni 2016