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Grönlands schnellster Gletscher bricht Rekord

erstellt von eschick zuletzt verändert: 05.02.2014 12:02

Der "Jakobshavn Isbræ"-Gletscher transportiert Eis aus dem Grönländischen Eisschild mit einer neuen Rekordgeschwindigkeit in den Ozean. Wissenschaftler der University of Washington und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben in den Jahren 2012 und 2013 drastische Geschwindigkeiten des sich am schnellsten bewegenden Gletschers aufgezeichnet. Die Ergebnisse wurden in "The Cryospere" veröffentlicht, einer Fachzeitschrift der European Geosciences Union (EGU).

Nachdem die Eisberge von der Front des Jakobshavn Isbræ gekalbt sind, treiben sie rund 60 Kilometer den Fjord hinunter. (Bild: Ian Joughin, PSC/APL/UW)"Wir beobachten aktuell Geschwindigkeiten in den Sommermonaten, die vier mal höher sind als in den 1990er Jahren. Und das an einem Gletscher, der damals als einer der schnellsten, wenn nicht gar als der schnellste Gletscher in Grönland galt", so der Hauptautor der Studie, Ian Joughin vom Polar Science Center der University of Washington. Im Sommer 2012 erreichte der Gletscher eine Rekordgeschwindigkeit von mehr als 17 Kilometern pro Jahr, was 46 Metern pro Tag entspricht.

Diese Durchflussraten sind beispiellos: Die Wissenschaftler sagen, sie scheinen die höchsten jemals an einem Eisberg oder Eisstrom in Grönland oder der Antarktis gemessenen zu sein. Sie betonen, dass die Sommergeschwindkeiten nur zeitweise erreicht werden, da der Gletscher sich in den Wintermonaten langsamer bewegt. Dennoch fügen sie hinzu, dass selbst die durchschnittliche Beschleunigung der letzten Jahre fast drei Mal so hoch ist wie in den 1990er Jahren.

Diese Geschwindigkeitszunahme des Jakobshavn Isbræ bedeutet, dass der Gletscher immer mehr Eis in den Ozean befördert und damit den Anstieg des Meeresspiegels vorantreibt. "Wir wissen, dass alleine dieser Gletscher den Meeresspiegel zwischen 2000 und 2010 um etwa 1 mm ansteigen ließ. Mit dem zusätzlichen Tempo wird er im nächsten Jahrzehnt vermutlich einen noch etwas größeren Anstieg bewirken", erklärt Joughin. Der Jakobshavn Isbræ, der vermutlich den großen Eisberg produzierte, der 1912 die Titanic untergehen ließ, schiebt das Eisschild von Grönland in einen tiefen Ozeanfjord an der Küste der Insel. An seiner Kalbungsfront, dort wo der Gletscher in Eisbergen auseinanderbricht und folglich endet, schmilzt ein Teil des Eises, während der Rest abgestoßen wird und in den Ozean driftet. Diese beiden Prozesse tragen in etwa zu gleichen Teilen zur Meeresspiegel-Erhöhung bei.

Dieser große Eisberg (li. unten) kalbte von der Front des Jakobshavn Isbræ (Bogen re. oben). (Bild: Ian Joughin, PSC/APL/UW)Da sich die arktische Region stetig erwärmt, sind die grönländischen Gletscher wie der Jakobshavn Isbræ geschrumpft und haben Eisberge immer weiter im Inland gekalbt. Das erklärt, warum sich die Kalbungsfront des Gletschers zurückzieht, obwohl sich der gesamte Gletscher in Richtung Küste bewegt und verstärkt Eis in den Ozean befördert. Die Wissenschaftler beschreiben in der neuen Cryosphere-Studie, dass sich die Front in den Jahren 2012 und 2013 über einen Kilometer weiter ins Inland zurückzog, als in den vorangegangenen Sommern.

Im Fall des Jakobshavn Isbræ treten das Schrumpfen und der Rückzug zeitgleich mit einer Zunahme der Geschwindigkeit auf. Die Kalbungsfront befindet sich mittlerweile in einem tieferen Teil des Fjords, in dem die darunter liegende Gesteinsschicht etwa 1300 m unter dem Meeresspiegel liegt. Damit erklären die Wissenschaftler die Rekordgeschwindigkeit, die der Gletscher erreicht hat. "Wenn die Kalbungsfront des Gletschers in tiefere Flächen absinkt, verliert sie Eis - jenes Eis von der Front, das die Bewegung abbremst - was zu einer Steigerung der Geschwindigkeit führt", so Joughin.

Blick den Fjord hinunter, in Richtung der Kalbungsfront des Jakobshavn Isbrae, 43 km von der Spitze des Fjords entfernt. (Bild: Ian Joughin, PSC/APL/UW)Das Team nutzte Satellitendaten, um die Geschwindigkeit des Gletschers im Rahmen von Studien der US National Science (NSF) und der NASA zu messen. "Mithilfe von Computer verglichen wir Bilderpaare, die mit dem Satelliten TerraSAR-X des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gewonnen wurden. Da sich der Gletscher bewegt, können wir Veränderungen zwischen den Bildern verfolgen, um Karten zur Fließgeschwindigkeit des Eises zu erstellen", erklärt Joughin.

Die Forscher halten den Status des Jakobshavn Isbræ für instabil, er könnte sich also in Zukunft noch weiter Richtung Inland zurückziehen. Bis Ende dieses Jahrhunderts könnte sich seine Kalbungsfront bis zur Fjordspitze zurückziehen, durch die der Gletscher fließt - etwa 50 km stromaufwärts von seiner heutigen Lage.


Quelle: European Geosciences Union / übersetzt von planeterde, Februar 2014