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Hinweise zur Entstehung der Antarktis

erstellt von eschick zuletzt verändert: 21.04.2016 14:07

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) konnte jetzt im antarktischen Sommer zwei große Projekte erfolgreich beenden. Im Nord-Viktoria-Land, rund 1.700 Kilometer vom Südpol entfernt, fanden die Wissenschaftler der BGR weitere Puzzleteile zur Entstehungsgeschichte des heutigen Kontinents Antarktika. Einige hundert Kilometer weiter südlich an der Terra Nova Bucht des Rossmeeres führte ein Bautrupp zeitgleich umfangreiche Modernisierungsarbeiten an der BGR-Antarktisstation „Gondwana“ durch. Forscher, Ingenieure und Techniker waren zuvor gemeinsam mit der Ausrüstung und den Bauteilen auf dem italienischen Versorgungsschiff „M/V Italica“ von Neuseeland aus angereist.

 

Helikopter im Untersuchungsgebiet der Forschungsexpedition „GANOVEX XI“. (Bild: BGR)

Helikopter im Untersuchungsgebiet der Forschungsexpedition „GANOVEX XI“. (Bild: BGR)

Im Rahmen der Forschungsexpedition „GANOVEX XI“ (11. German Antarctic North Victoria Land Expedition) suchten die Wissenschaftler nach geologischen Hinweisen, mit denen sich die Entstehung und das Auseinanderbrechen des südlichen Großkontinentes Gondwana zurückverfolgen lassen. Dessen Herzstück war bis vor etwa 180 Millionen Jahre die Antarktis, von der sich nach und nach Afrika, Indien, Australien, Neuseeland und Südamerika lösten. Das führte zur isolierten Position des Kontinents am Südpol. Die direkte Folge dieser Isolation ist die Entwicklung der heutigen Ozeanströmungssysteme, die um die Antarktis zirkulieren und die einen entscheidenden Einfluss auf das globale Klima haben.

Die knapp 10-wöchige Expedition baute direkt auf den Ergebnissen der Vorgängerexpeditionen auf, die bereits wichtige Erkenntnisse zur Entstehungsgeschichte des antarktischen Kontinents geliefert hatten. „Bisher ging die Forschung davon aus, dass die Loslösung Australiens von der Antarktis und die weitere Entwicklung des Kontinents am Südpol während der letzten etwa 100 Millionen Jahre relativ einfach verliefen. Wir können jetzt nachweisen, dass die Trennungsgeschichte und die Entstehung der heutigen Antarktis wesentlich komplizierter war und sich in mehreren Phasen abspielte“, fasst BGR-Expeditionsleiter Dr. Andreas Läufer eines der wichtigsten Ergebnisse der gerade zu Ende gegangenen Forschungsreise zusammen.

Wissenschaftler nehmen Gesteinsproben in der Antarktis. (Bild: BGR)

BGR-Wissenschaftler nehmen Gesteinsproben in der Antarktis. (Bild: BGR)

Hierzu untersuchten die BGR-Polarforscher entlang der Gletscher im Transantarktischen Gebirge die nicht vom Eis bedeckten Gesteine mit geologischen und geophysikalischen Methoden. Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass diese Region von weitreichenden Störungen in der Erdkruste durchzogen ist. An Hand von bestimmten Gesteinsmerkmalen ließen sich diese Störungen sowie deren Bewegungsrichtungen und Alter nachweisen. „Wir stellten fest, dass ehemals zusammengehörende Gesteine heute z. T. über mehr als 50 Kilometer auseinander liegen. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die enormen Kräfte ziehen, die bei der Trennung von Australien und der Antarktis gewirkt haben. Vor allem aber können wir jetzt besser rekonstruieren, wie die Trennung der beiden Kontinente verlaufen sein muss“, so Polarforscher Läufer.

Bei ihren Arbeiten standen den Wissenschaftlern drei Helikopter zur Verfügung, mit denen die Forscher vom Basiscamp in den Helliwell Hills in das weitläufige Untersuchungsgebiet am pazifischen Ende des Transantarktischen Gebirges geflogen wurden. Gemeinsam mit Kollegen von deutschen, schwedischen, italienischen sowie australischen Universitäten und Forschungseinrichtungen führten die BGR-Experten bei Temperaturen von bis zu minus 30° Celsius in eis- und schneebedecktem Gebiet umfangreiche Untersuchungen in unterschiedlichen geowissenschaftlichen Disziplinen durch. Zum Programm gehörten Einzelprojekte aus den Forschungsbereichen Strukturgeologie, Petrologie, Geochronologie, Thermochronologie, Sedimentologie, Geomorphologie, Geomikrobiologie, Paläontologie sowie aerogeophysikalische Messungen. Hierbei entdeckten die Wissenschaftler auch Reste eines versteinerten Waldes. „Dies ist mit ein Indiz dafür, dass die Antarktis vor rund 200 Millionen Jahren nicht der vereiste Kontinent war, wie wir ihn heute kennen“, erklärt Läufer.

Zur gleichen Zeit wurden in der Terra Nova Bucht die Modernisierungsarbeiten an der „Gondwana-Station“ im Rahmen des Programms „MOGS 3“ (Modernization of Gondwana-Station) unter Hochdruck durchgeführt. Dem Bautrupp stand nur ein kurzes Zeitfenster während des antarktischen Sommers zur Verfügung. Bei den Arbeiten wurden eine umweltgerechte Haustechnik, sanitäre Einrichtungen und neue Generatoren installiert. Die Energieversorgung wird künftig durch Solarpanele unterstützt. Außerdem erhielt die Station eine moderne Seewasser-Aufbereitungsanlage und eine biologische Abwasserreinigung. Die „Gondwana“-Station, die von den Wissenschaftlern und Technikern während ihrer Expeditionen als Versorgungsstation mit Arbeits- und Aufenthaltsräumen genutzt wird, steht den Wissenschaftlern jetzt für mindestens weitere 25 Jahre als Forschungs- und Logistikbasis zur Verfügung.


Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, April 2016